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Schlösser-Lexikon

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Abgefast
Abgeschrägt (häufig bei Tor- und Fensterleibungen)

Adam, Robert
Britischer Architekt (1728 – 1792), schuf einen eigenen neuklassizistischen Stil, den er vor allem in der Innenarchitektur vom Kerzenleuchter bis zur Stuckdecke kompromisslos durchzog. Wichtige Schlossbauten: Kenwood House, Syon House, Culzean Castle, Keddleston Hall

Akanthus
Griechischer Name für Bärenklau, einer distelartigen Pflanze. Die Form ihrer Blätter wurde in der Innendekoration von Schlössern gerne als Ornament verwendet.

Alkoven
Fensterloser Nebenraum, der durch eine große Wandöffnung (ohne Tür) mit dem Hauptraum verbunden ist. Er dient meist als Schlafbereich.

Allegorie
Verbildlichung eines abstrakten Begriffes, wie Tugend, Gerechtigkeit oder Mut. So wurden gerne in Deckenfresken von Barockschlössern die Vorzüge und die Bedeutung des Auftraggebers oder dessen Familie allegorisch dargestellt.

Ansitz
Kleinerer, nur leicht befestigter Adelswohnsitz des 15. und 16. Jh. Diese Bezeichnung ist vor allem in den Alpenländern und Süddeutschland gebräuchlich. Besonders in Tirol war der Ansitz die typische Wohnstätte des frühneuzeitlichen Briefadels.

Antecamer
Vorzimmer in den Repräsentationsräumen eines Schlosses

Apotheose
Vergöttlichung eines Herrschers. Im Barock häufig das Thema von umfangreicheren Deckenfresken.

Apparaille
(franz.) – repräsentative Auffahrt

Arabeske
Ornament aus sich gabelnden Blatt- und Rankenwerk, das den jeweiligen pflanzlichen Vorbildern sehr nahe kommt. Es wurde bereits in der Antike zur Dekoration von Pilastern und Friesen benutzt, in der Renaissance wiederbelebt und danach immer wieder verwendet.

Architrav
Ein auf Säulen oder Pfeilern waagrecht aufliegender Balken, der den Oberbau trägt. Architrave über Renaissanceportalen wurden gerne mit Schriftbändern versehen, die auf die Errichtung des Gebäudes hinwiesen.

Arkade
Ein auf Pfeilern oder Säulen ruhender Bogen bzw. eine Reihe von Bögen als einseitige Begrenzung eines Bogenganges, oft mehrgeschossig. Ebenerdige Arkaden bezeichnete man als Lauben.

Atlant
Meist überlebensgroße, männliche Gestalt, die anstelle einer Säule oder eines Pfeilers das Gebälk trägt, z. B. an Fassaden oder in Treppenhäuser von Barockschlössern.

Attika
Niederer, giebel- oder mauerförmiger, meist fensterloser Aufbau über dem Hauptgesims eines Gebäudes. Die Attika trägt oft eine Inschrift und diente zum Verdecken des Daches. Gelegentlich ist sie auch mit Statuen besetzt.

Avantcorps
Von Säulen oder Halbsäulen getragener schmaler Vorsprung von geringer Tiefe an einer Fassade

dikula
Das lateinische Wort für „Zimmerchen“ oder „Kapelle“ bezeichnete ursprünglich einen tempelähnlichen Aufbau zur Unterbringung einer Statue, später jede Umrahmung von Nischen, die aus Säulen und einem meist dreieckigen Giebel besteht. Das Motiv der Ädikula stammt aus der römischen und hellenistischen Baukunst und wurde wieder in den antikisierenden Baustilen (Renaissance bis Klassizismus) zur Belebung und Gliederung von Mauerflächen, meist in Form eines Dreiecksgiebels zur Rahmung von Fenstern und Türen verwendet.

Baldachin
Stoffdach über einem Bett oder Thron. Später auch Bezeichnung für den fest eingebauten Prunkhimmel aus Holz oder Stein in einem Thronsaal. Der Name geht zurück auf den kostbaren, golddurchwirkten Seidenstoff aus Bagdad (ital. Baldaccho), aus dem die ersten Prunkhimmel in Italien hergestellt wurden.

Balkenriegel
Verbindungshölzer im Fachwerksbau

Balustrade
Niedrige Säulenreihe als Brüstung und Geländer an Terrassen und Balkonen. Die kleinen Säulen aus Holz oder Stein werden Baluster genannt. Sie haben eine tragende und zugleich zierende Funktion. Balustraden stellen seit der Renaissance eine wichtige Belebung für Fassaden, Treppenhäuser und Innenräume dar.

Bandelwerk
Symmetrisches Ziermotiv aus lebhaft geschlungenen, schmalen Bändern, die rankenähnliche Ornamente bilden. Bandlwerkornamente waren vor allem in den Schlössern des Spätbarocks und Rokokos sehr beliebt (in Ostösterreich vor allem in der Zeit von 1720 – 1740).

Barock
Europäische Stilepoche zwischen dem Ende des Manierismus (um 1600) und dem Beginn des Rokoko (um 1730). Der Begriff kommt ursprünglich aus dem Goldschmiedehandwerk, wo „barocco“ eine unregelmäßige Perle bezeichnet. Der Barockstil kommt neben dem Kirchenbau in der Schlossarchitektur am deutlichsten zum Ausdruck. Kennzeichnend für ihn ist der Reichtum an plastischen und malerischen Schmuck sowie die Großzügigkeit der Anlage. Beispielhaft für den Schlossbau wurde das Königsschloß in Versailles, das für viele europäische Schlösser als Vorbild diente.

Basis
In der Baukunst ausladender, meist profilierter Fuß einer Säule oder eines Pfeilers, der den Druck der Stütze auf eine größere Fläche verteilt.

Beletage
Hauptgeschoß eines Gebäudes, meist das erste Stockwerk über dem Erdgeschoß. Hier befinden sich die Repräsentationsräume.

Belvedere
hochgelegener Gebäudeteil bzw. eigenes Gebäude mit schöner Aussicht. Im Barock wurden Belvedere gerne als Gegepole zum Hauptschloss angelegt (z. B. Schönbrunn). Später wurden schön gelegene Lustschlösser auch als Belvedere bezeichnet.

Beschlagwerk
Ornamentform der deutschen und niederländischen Renaissance, die an aufgenietete Metallformen erinnert. Symmetrisch angeordnete Leisten oder Bänder schmücken dabei eine Fläche, die mit Nagelköpfen durchsetzt ist und dadurch wie beschlagen wirkt.

Blendarkade
Zur optischen Gliederung einer Wand vorgeblendete, aber nicht freistehende Arkade.

Blende
ein dem Mauerwerk hinzugefügtes dekoratives Baudetail ohne statische Funktion (z. B. Blendarkaden, Blendbögen).

Blendfenster
Der Fassade aus optischen Gründen vorgeblendetes Fenster ohne Maueröffnung.

Boskett
Französische Gartenform mit regelmäßig beschnittenen Bäumen und dichten Hecken. Bosketten kamen zwar bereits in der Renaissancezeit auf, wurden aber besonders im Barock als raumkompositorisches Element bei der Anlage von Schlossparks verwendet.

Broderieparterre
In der französischen Gartenkunst des Barocks aus kleingeschlagenen farbigen Steinsorten und niedrigen Gewächsen zusammengesetzte Beete, meist mit Buchsbaumeinfassung. Sie befinden sich meist in unmittelbarer Nähe eines Schlosses und erhalten ihren besonderen Reiz aus der Aufsicht, z. B. aus den Obergeschossen des Schlosses, da sie von hier aus wie Teppiche wirken. Ihr Name leitet sich von Stickarbeiten (franz. Broderie) ab.

Buen retiro
Einsam gelegenes ländliches Schlößchen

Bukranion
Stierschädel, der als Schmuckmotiv im dorischen Gebälk Anwendung fand. Häufig werden auch mehrere Bukranien nebeneinander gereiht. Ein solches Fries nennt man Bukranienfries.

Castello-Fortezza
Im italienischen Manierismus häufige Form eines durch Bastionen befestigten Palastes, der jedoch nicht der Verteidigung sondern als Statussymbol des Bauherrn dienen sollte.

Château
Französische Bezeichnung für „Schloß“

Chiaroscuro-Malereien
Hell-Dunkel Malereien, die besonders in der ersten Hälfte des 19. Jh. beliebt waren

Chinoiserien
Chinesische Zierformen und Bildmotive, die von der europäischen Kunst des 17. und 18. Jh. mehr oder weniger abgewandelt übernommen wurden und sich besonders in den Schlössern des Rokoko großer Beliebtheit erfreuten. Vor allem in der Innenraumdekoration sowie in der Porzellankunst wurden sie häufig angewendet. Beliebte Motive waren Blumen- und Tierdarstellungen, Chinesenfiguren und chinesische Gebäude in Fantasielandschaften.

Chronogramm
In einer Inschrift durch Hervorhebung einzelner Buchstaben verschlüsselte römische Jahreszahl. Die durch Größe oder Farbe hervorgehobenen Buchstaben ergeben summiert z. B. das Entstehungsjahr eines Bauwerkes.

Corps de logis
Bezeichnung für das in der Mitte liegende Hauptgebäude eines Barockschlosses, das die Repräsentations- und Wohnräume beherbergt. Von ihm gehen meist zwei Seitenflügeln, die Communs, ab. Gemeinsam mit dem Corps de Logis begrenzen sie einen Ehrenhof (Cour d'honneur).

Cour d’honneur - siehe Ehrenhof

Cuvilliés, Francois de (der ältere)
Französischer Baumeister und Dekorateur (1695 – 1768), vorwiegend in München tätig. Wichtige Schlossbauten: Münchner Residenz, Amalienburg, Wilhelmstal in Kassel

Dachreiter
Kleines Türmchen ohne sichtbaren Unterbau als Zierelement am Dachfirst. Früher war es mit einer Glocke, später meist mit einer Uhr ausgestattet.

Diamantquader
Glatt geschliffene Werksteinquader mit quadratischem oder rechteckigem Grundriss und einer facettierter Vorderseite. Durch den gleichmässigen Steinschliff entsteht eine Pyramide, bei Rechtecken eine Art Walmdach. Besonders häufig bei Fassaden und Sockeln von italienischen Renaissancepalästen. Später wurden sie gerne durch Sgraffitomalereien imitiert. Diamantquader wurden im Historismus ebenfalls häufig für die Sockeln von Stadtpalais verwendet.

Dorische Ordnung
Antike Säulenordnung, bei der die Säulen keine Basis besitzen und ein flaches Kapitell aufweisen.

Dreiflügelanlage
regelmäßiger Gebäudetyp der Barockzeit, der aus einem Haupttrakt (Corps de logis) und zwei Seitenflügeln besteht

Eckverzahnung (Kettenquaderung)
Wechselseitig übergreifende Quader an Mauerecken

Ehrenhof
Der große Hof zwischen dem Haupttrakt und den vorgeschobenen Seitenflügeln eines Barockschlosses. Als "cour d'honneur" wurde der Ehrenhof bereits bei den französischen Renaissanceschlössern üblich.

Empire
klassizistische Stilrichtung zur Zeit Napoleons I

Enfilade
Zimmerflucht, bei der die Verbindungstüren in einer Achse liegen, so dass bei geöffneten Türen eine Durchsicht vom ersten bis zum letzten Zimmer möglich ist. Enfiladen bildeten sich in Frankreich wärend der Renaissancezeit heraus und wurden im 17. und 18. Jahrhundert fester Bestandteil des europäischen Schlossbaues. Sie waren nicht zum Bewohnen sondern in erster Linie zur Repräsentation gedacht.

Enveloppe-Bauten
Seitengebäude, die einen zentralen Bau an drei oder vier Seiten umfassen.

Eosander, Johann Friedrich
Deutscher Baumeister (1670 – 1729), Wichtige Schlossbauten: Berlin-Charlottenburg, Oranienburg, Berlin-Monbijou, Berliner Stadtschloß

Epitaph
Das Epitaph ist kein Grabstein und auch keine Grabplatte, sondern das Gedächtnismal für einen Verstorbenen, meist an den Innen- oder Außenwänden von Kirchen und Schloßkapellen. Epitaphe gibt es vom 14. Jahrhundert bis in die Barockzeit. Sie entwickelten sich von bescheidenen Steinplatten bis zu monumentalen Denkmälern zur Verherrlichung des Verstorbenen.

Estrich
fugenloser Fußboden aus Lehm, Gips, Kalk oder Magerbeton

Exedra
eine meist mit Sitzgelegenheiten versehene halbkreisförmig oder eckige Erweiterung eines Raumes, eines Hofes oder einer Säulenhalle

Fachwerk
Skelettbauweise, wobei die einzelnen Fächer zwischen einem Rahmen aus Holzpfosten mit Ziegelmauerwerk aufgefüllt wurde. Fachwerkbauten sind besonders in Nord- und Mitteldeutschland bei Wirtschaftsgebäuden von Schlössern häufig.

Fasanerie
meist in einem Park gelegenes Gehöft zur Aufzucht von Fasanen

Fasche
Flache, bandförmige Mauerauflage zur Fassadengliederung

Fächerrosette
Die Fächerrosette ist eine flache, geschlossene Halbkreisscheibe mit fächerartigem Relief. Als Ziermotiv scheint sie seit der Renaissancezeit vor allem über Fenstern und Toren auf.

Feston
Girlandenartiges Gehänge aus Laub, Blumen und Früchten als Dekorationselement. Es ist häufig von Bändern umschlungen oder auch an ihnen befestigt. Letzteres in der Form, dass die Mitte wegen ihrer Fülle durchhängen kann. Festons wurden von der Renaissance bis zum Klassizismus sowohl an Außenfassaden als auch zum Schmuck von Innenräumen verwendet. Es gab sie allerdings bereitsin der Antike. Während Festons im Rokoko meist Blumengewinde darstellen, bevorzugte man im Klassizismus Lorbeerblätter. Im Historismus wurden mit Festons vor allem Fassaden von Palais und Mietshäuser geschmückt

Fiale
Die Fiale ist eine gotische Schmuckform in der Architektur. Ihr Name kommt aus dem Französischen. "Fialle" bedeutet sovie wie "Töchterchen". Es handelt sich um Miniaturtürme, die vorwiegend bei gotischen Kirchtürmen vorkommen. Vor allem bei giebelartigen Bekrönungen von Portalen und Fenstern wurden sie gerne verwendet. Sie bestehen aus Leib, Helm und Bekrönung. Der Leib ist der unterste, tragende Teil, meist vier- oder achtseitig. Er kann mit reliefartigem Maßwerk verziert sein. Auf dem Leib sitzt der Helm. An seinen Kanten kriechen "Krabben" bis zur bekrönenden Kreuzblume hoch.

First
Die obere, meist waagrechte Schnittlinie zweier geneigter Dachflächen, deren Traufen parallel laufen.

Fischer von Erlach, Bernhard
Österreichischer Barockbaumeister (1656 – 1723). Hofarchitekt des Kaiserhauses in Wien. Wichtigste Schlossbauten: Stadtpalais des Prinzen Eugen, Palais Trautson, Schloß Klesheim, Mitarbeit an der Hofburg (Hofbibliothek) und Schloß Schönbrunn

Französische Fenster
Bis zum Boden reichende, hochrechteckige Fenster

Freitreppe
Nicht überdachte, repräsentativ gestaltete Treppe an der Außenseite eines Gebäudes.

Fresko
Wandgemälde, das mit Temperafarben auf den noch nassen Wandverputz gearbeitet ist. Daher kann jeweils nur jener Teil der Wand verputzt werden, den der Künstler an einen Tag zu bemalen in der Lage ist. Es entstehen die sog. Tagwerke. Beim Auftrocknen wird die Malerei durch chemische Vorgänge praktisch versiegelt. Sie ist daher im Vergleich zu der auf trockenem Untergrund angelegten Sekkomalerei unter guten klimatischen Bedingungen lange haltbar.

Fries
Ein die Horizontale betonender Streifen mit gemalten oder plastisch hervorgehobenen Ornamenten bzw. Figuren, der Wandflächen gliedert oder begrenzt. Er dient zur Verschönerung oder Gliederung einer Wandfläche und ist oft zwischen dem Gesims und dem Architrav angebracht. Friese wurden von der Antike bis zum Jugendstil gerne verwendet. Rundbogenfriese, bei denen sich Halbbogen an Halbbogen reihen, kamen im romanischen Kirchenbau häufig vor. In der Renaissancezeit waren Friese mit antiken Motiven beliebt. Zinnenfriese ziehen sich oft unter der gesamten Dachtraufe entlang.

Frontispiz (Fronton)
Giebeldreieck über dem Mittelrisalit eines Schlosses

Galerie
a) Langgestreckter Raum zur Verbindung mehrerer Säle oder Zimmer. In Schlössern wurden Galerien gerne mit Gemälden dekoriert (z.B. Ahnengalerie) b) Balkonartiger Einbau in größeren Sälen z. B. für Musikanten

Gaupe
Größeres, stehendes Dachfenster mit eigenem Dach. Sie ist ein eigener Dachaufbau, der auf das Hauptgesims aufgesetzt ist.

Gesims
Horizontales Bauelement, das die Fassade horizontal in einzelne Abschnitte gliedert.

Gesprengter Giebel
Giebelform, bei der der Mittelteil des Giebels ausgespart, der Giebel also nicht geschlossen ist. Diese Giebelform ist besonders bei den Portalen von Barockpalais häufig.

Gewände
die in die Mauerfläche eingeschnittene seitliche Begrenzung eines Portals oder eines Fensters. Das Gewände kann profiliert oder reich ornamental verziert bzw. mit Archivolten und Figuren ausgestattet sein.

Giardino segreto
Gartenform der italienischen Renaissance, meist unmittelbar anschließend an die Privaträume eines Palastes gelegen und nach außen durch Mauern abgeschirmt.

Gräfte
Norddeutsche Bezeichnung für Wassergräben

Grisaillemalerei
Monochrome Malerei in feinen Tonabstufungen, meist Grau-in-Grau, gelegentlich auch bräunlich oder steinfarben. Die Grisaillemalerei diente häufig der Nachahmung von Reliefs durch die Malerei.

Grotesk-Malerei
Zwischen ca. 1480 und 1506 wurden in Rom die verschütteten Räume der „Domus Aurea“ – Kaiser Neros „Goldenes Haus“ – nach und nach wiederaufgefunden. Die Wände der als „Grotten“ bezeichneten Räume waren reich mit einer Ornamentik verziert, die vor Ort von zahlreichen Künstlern in Skizzenbüchern festgehalten wurden. Diese bald als „Groteske“ bezeichnete Art der Wandmalerei erfreute sich als Dekorationsform fortan einer sehr großen Beliebtheit. Sie bestand aus einem spielerisch verschlungenen Rankenwerk, in das sich Tiermotive, Blumen aber auch Wesen mythologischen Ursprungs, wie Shingen, Satyrn und Greife, einfügten. Die Groteske ist weitgehend symmetrisch angeordnet und stets richtungsgebunden, d.h. sie hat einen Ausgangspunkt, z.B. eine Vase, auf der sich die Motive organisch aufbauen. Große Verbreitung fand sie durch Ornamentstichvorlagen. Über die italienischen und französischen Stecher gelangte sie ab etwa 1530 auch nach Nord- und Mitteleuropa.

Gurtbogen
gurtartiger Verstärkungsbogen eines Gewölbes in der Querrichtung

Gurtgesims
Das an den einzelnen Geschossen in Höhe der Balkenlage oder der Fensterbrüstung angebrachte Gesims.

Halbsäule
Nur zur Hälfte aus der Wand vortretende Säule (im Querschnitt halbkreisförmig).

Haube
Nach oben spitz zulaufende Turmdächer werden Hauben oder Helme genannt. Hauben, die zwiebelförmig unten konvex ausschwingen und oben konkav eingezogen sind, bezeichnet man als geschweifte oder Welsche Hauben. Eine durchbrochene Haube besteht aus mehreren Segmenten, zwischen die ein vertikales Zwischenglied eingesetzt ist.

Herme
Als Herme bezeichnet man einen meist keilförmigen Pfeilerschaft mit aufgesetzter menschlichen Halbfigur. Im Barock wurden Hermen gerne zur Flankierung von Portalen bei Stadtpalais und Schlössern verwendet.

Hildebrand, Johann Lucas von
Österreichischer Barockbaumeister (1668 – 1745). Er gehörte zur ersten Generation der bedeutenden Barockarchitekten im deutschen Kulturkreis. Wichtigste Schlossbauten: Belvedere und Winterpalais für Prinz Eugen in Wien, Palais Schönborn, Palais Daun-Kinsky, Schloß Schönborn, Schloß Mirabell, Schlosshof, Mitarbeit in Würzburg und Pommersfelden.

Hypokaustenheizung
Fußbodenheizung, bei der Heißluft aus einem Heizraum in den Hohlraum unter den von Ziegelstützen getragenen Boden geleitet wird. Sie ist schon bei den Römern seit dem 1. Jh. v. Chr. Nachweisbar. Später wurde sie durch Wand- und Deckenheizungen ergänzt, bei denen Heißluft durch Ziegelröhren streicht.

Ikonographie
Die Ikonographie befasst sich mit der Erforschung und Deutung von Bildprogrammen. Sie versucht z. B. allegorische Deckengemälde, aber auch Symbole aller Art zu entschlüsseln.

Inkrustation
Verkleidung von Wand- und Bodenflächen mit edlen Werkstoffen, wie farbigen, polierten Steinplatten – meist aus Marmor oder Porphyr – die zu Mustern gefügt sind und die Flächen gliedern und dekorativ beleben.

Intarsien
Einlegearbeiten, wobei verschiedenfarbige Hölzer oder andere Werkstoffe, wie Elfenbein, Perlmutt oder Schildpatt zu Mustern oder Bildern zusammengesetzt werden. Intarsien findet man bei repräsentativen Möbelstücken, wie Tischen oder Schränken.

Interkolumnium
Pfeilerweite - der Bereich zwischen zwei Säulen, gemessen von Säulenmitte zu Säulenmitte.

Ionische Ordnung
Antike Säulenordnung, bei der die Säulen schneckenförmige Schmuckelemente, die als Volutenkapitelle bezeichnet werden, tragen.

Kabinett
kleiner aber prächtig mit kostbaren Materialien ausgestatteter Raum in einem Barockschloss (z. B. Goldkabinett)

Kalotte
Gewölbe in Form einer Viertelkugel als Abschluß einer Apsis.

Kanneluren
Senkrechte Rillen am Schaft einer Säule oder eines Pilasters, wodurch diese schlanken erscheinen. Sie waren vor allem bei den klassischen Säulen beliebt.

Kapitell
Oberer kopfartiger Abschluß einer Säule bzw. eines Pfeilers oder eines Pilasters. Je nach der Form unterscheidet man zwischen dorischen, ionischen, korinthischen, Würfel-, Knollen-, Blatt-, Kelch und Faltenkapitellen.

Karton
Auf starkem Papier, meist im Maßstab 1:1, mit Kreide, Kohle oder Bleistift ausgeführte Vorzeichnungen für Wandteppiche oder Fresken.

Kartusche
Rechteckige oder ovale Schmucktafel, deren Rahmen aus Ornamenten (Rollwerk) zusammengesetzt ist. Diese Schmuckform ist seit der Spätrenaissance in Architektur und Kunstgewerbe gebräuchlich. Im Barock und Rokoko wurde sie für Wappen, Namenszüge, Embleme und dgl. verwendet.

Karyatide
Eine anstelle von Säulen oder Pfeilern in der Architektur verwendete weibliche Figuren. Bei Schlössern und Palästen wurden Karyatiden wie auch ihr männliches Gegenstück – die Atlanten - gerne als Stützen für Balkone bzw. von Torverkleidungen verwendet.

Kassettendecke
Durch zahlreiche vertiefte Felder gegliederte Holzdecke, die meist bemalt oder mit Schnitzereien verziert ist. Besonders häufig in der Renaissancezeit.

Kavalier-Architekt
Adeliger, der sich – meist bei seinem eigenen Schloß – als Hobby-Architekt betätigt.

Kämpfer
Steinlage zwischen einer Säule oder einem Pfeiler und dem aufsitzenden Bogen oder Gewölbe. Der Kämpfer ist meist als vorspringende, profilierte Kämpferplatte ausgeführt.

Klassizismus
Die am Vorbild der klassischen Antike orientierte Stilrichtung zwischen 1750 und 1840.

Kniestock (Drempel)
konstruktive Maßnahme zur Vergrößerung des nutzbaren Dachraumes. Dabei werden die Traufseiten eines Gebäudes aufgemauert und erst darauf die Dachkonstruktion gelegt. Je höher der Kniestock, desto mehr Stellfläche steht unter den Dachschrägen als Wohnraum zur Verfügung.

Knorpelwerk
Ornamente aus band- und schleifenförmig stilisierten, weichen Knorpelformen. In Ostösterreich wurden sie um 1660/1670 gebräuchlich.

Kolonnade
Gedeckte Säulenreihe mit geradem Gebälk zur Gliederung von Fassaden oder zur Rahmung von Schlössern und Plätzen.

Kolossalordnung
Durch mehrere Geschosse führende Säulen oder Pilaster. Sie dienen in erster Linie zur Gliederung einer Fassade.

Konche
Halbrunde Nische

Konsolgesims
Ein auskragender Vorsprung zur Auflagerung von Stein- oder Holzkonstruktionen oder zur Aufstellung von Statuen.

Korbbogen
Gedrückter, flachgezogener Rundbogen

Kordongesims
halbrund vortretendes Gesims.

Korinthische Ordnung
Antike Säulenordnung, bei der die Säulen ein Akanthuskapitell tragen.

Kranzgesims
umlaufendes, meist vorkragendes Abschlussgesims eines Gebäudes gegen das Dach.

Krüppelwalmdach
Statt des gesamten Giebels ist nur die Giebelspitze abgewalmt, d.h. durch schräge Dachflächen ersetzt. Krüppelwalmdächer findet man öfters bei Jagdschlössern und kleineren Ansitzen

Kurie
Osteuropäischer Herrensitz, meist verbunden mit einem landwirtschaftlichen Produktionsbetrieb. Kurien sind wesentlich kleiner und bescheidener als Schlösser. Sie waren vorwiegend im Besitz des Kleinadels oder als Meierhöfe Teil von größeren Herrschaften.

Lambrequin
Optisches Fassadenelement. Der Name weist auf den textilen Ursprung hin. Er war ursprünglich ein Querbehang aus Stoff, der als oberer Abschluss von Fenstern, Türen oder Himmelbetten diente. Heute bezeichnet man damit die nach außen gerichteten und meist aus Blech bestehenden Abdeckungen von Rollladenkästen oder Jalousien. Sie sind oft mit Zierelementen und Wappen behübscht. Lambrequins kamen im Barock auf und wurden dann im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts für Stadtpalais wieder beliebt.

Lambris
Wandverkleidungen aus Holz, Marmor oder Keramik in Innenräumen, die auf den unteren Teil der Wandflächen beschränkt sind.

Laterne
Runder oder polygonaler, türmchenartiger Kuppelaufsatz mit Lichtöffnungen. Er dient zur Belichtung und Belüftung von Kirchen und Schlössern.

Lauben
Arkaden im Erdgeschoß

Leibung (Laibung)
Senkrechte – meist unverzierte – Innenseite von Tür- und Fensteröffnungen.

Lisene
Senkrechter, nur wenig aus der Wandfläche hervortretender Wandstreifen ohne Kapitell und Basis. Lisenen wurden häufig zur Gliederung großer Fassadenflächen von Schlössern eingesetzt, aber auch in der Innenarchitektur verwendet. Sie wurden besonders häufig in der Barockzeit sowie im Klassizismus eingesetzt.

Loggia
Ein nach außen zwischen Säulen oder Pfeilern sich öffnender Gebäudeteil. Er wird seit der Spätgotik und Renaissance gerne als Repräsentationsraum verwendet. Meist handelt es sich um eine gewölbte Bogenhalle.

Louis-quatorze
Stilbezeichnung für das französische Barock unter der Regierung Ludwigs XIV (1643 – 1715). Dieser prunkvolle und repräsentative Stil wurde bald in der Schlossarchitektur und bei der Innendekoration in ganz Europa nachgeahmt.

Louis-quinze
Stil in der französischen Kunst unter der Regierung Ludwig XV (1723 – 1774). Er entspricht dem Übergang vom Barock zum Rokoko bzw. diesem selbst.

Louis-seize
Der unter Ludwig XVI (1774 – 1792) in Frankreich herrschende Stil, der den Übergang vom Rokoko zum Klassizismus bildete.

Lünette
Halbkreisförmiges, oft mit Malereien oder Plastiken dekoriertes Wandfeld über Türen und Fenstern.

Maison de plaisance
Kleines, nicht zum ständigen Bewohnen gedachtes Lustschlößchen

Manierismus
Stil zwischen Spätrenaissance und Frühbarock (etwa 1520 – 1600), der sich durch eine subjektive, antiklassische Haltung auszeichnet. Typisch ist die Freude am Monströsen und Grotesken bzw. an der Umkehrung der Logik.

Mansarddach
Ein Knickdach, dessen unterer Teil steiler geneigt als der obere ist. Im Barock wurde der untere Teil zu Wohnräumen mit geraden Wänden ausgebaut. Es ist nach dem franz. Architekten Jean Hardouin-Mansart benannt. In Frankreich tauchten Mansarden bereits um die Mitte des 16. Jahrhunderts auf. Sie wurden schon von Philibert de l'Orme und Pierre Lescot eingeführt. Ihre allgemeine Einführung erlebten sie aber durch die Familie Mansart. Ihre Beliebtheit rührte daher, dass man Dachböden zu Wohnungen ausbauen konnte, die nicht versteuert werden mussten.

Maskaron
Fratzengesicht – in Stein gehauene phantastische oder groteske Maske an Barock- und Renaissancefassaden

Mäander
Fortlaufendes Ornamentband mit rechtwinkeliger Richtungsänderung.

Medaillon
Rundes oder ovales Schmuckelement an Wänden, über Portalen oder an Decken, gelegentlich zur Aufnahme von Wappen bestimmt.

Mezzaningeschoß
Halb- oder Zwischengeschoß, in dem sich vorwiegend Zimmer für die Bediensteten und Wirtschaftsräume befanden. Es liegt meist zwischen dem Erdgeschoß und dem ersten Obergeschoß oder unmittelbar unter dem Dach.

Mudejarstil
Spanischer Architekturstil, der auf die unter christlicher Herrschaft lebenden Mohammedaner zurückging. Er wurde im 13. Jh. in Südspanien entwickelt und hatte seine Blütezeit im 14. Jh. Der Mudejarstil vereinigt Elemente der Gotik und der Renaissance mit Elementen der islamischen Kunst, wie Hufeisenbögen, Stalagtitengewölben, Stuckornamentik u.ä.

Neumann, Balthasar
Deutscher Barockbaumeister (1687 – 1753). Wichtigste Schlossbauten: Würzburger Residenz, Werneck, Ebrach, Steinbach, Brühl (Treppenhaus).

Nutung
Dekorationsform an den Fassaden von Schloss- und Palaisbauten. Dabei wird im Wandverputz eine durch Rillen angedeutete Quaderung erzeugt.

Obelisk
hoher rechteckiger, sich nach oben verjüngender Steinpfeiler mit pyramidenförmiger Spitze

Ochsenauge (Oeil-de-boeuf)
Runde oder ovale Fensteröffnung, vor allem im Dachgeschoß, aber auch in zweigeschossigen Sälen von Barock- oder Rokokoschlössern, wo das Ochsenauge meist über einem Rechteckfenster angeordnet ist. Ochsenaugen waren in Ostösterreich vor allem im 17. und 18. Jh. sehr beliebt.

Orangerie
Ursprünglich Gewächshaus zur Überwinterung der während des Sommers im Garten aufgestellten Orangenbäume. Im Barock wandelte sich aber der Zweckbau zum Repräsentationsbau, der in die Gesamtanlage einbezogen wurde. Die Orangerie schloß oft die Mittelachse des Parks als Gegenpol zum Schloß ab.

Pagodendach
Dachform des Barockstils, die an fernöstliche Dachsilhouetten erinnert. Im Rokoko gerne für Pavillons und Teehäuser verwendet.

Palladio, Andrea
Italienischer Baumeister (1508 – 1580), schuf einen eigenen charakteristischen Stil zwischen Spätrenaissance und Barock (palladianischer Klassizismus). Er war vorwiegend in Venetien tätig , wo er zahlreiche Villen schuf. Zu seinen Hauptwerken zählen: Villa Rotonda und Palazzo Chiericati in Vicenza, die Villa Barbaro in Maser und die Villa Foscari in Mira.

Palladiomotiv (Serliomotiv)
Eine von Andrea Palladio häufig verwendete Fensteranordnung, bei der ein mittleres breites Bogenfenster von zwei niedrigeren schmalen Fenstern mit geraden Abschlüssen umgeben ist.

Palmette
Ornament in Form von Palmblättern

Parapet
Ornamental eingefaßtes Feld an der Fensterbrüstung bzw. am Wandstück zwischen Fußboden und Fensterunterkante (außen)

Patio
Innenhof um einen Brunnen, häufig an zwei bis drei Seiten von doppelgeschossigen Arkaden umgeben. Patios findet man häufig bei spanischen Schlössern und bei Renaissancepalästen.

Pavillon
Vom Gesamtbaukörper des Schlosses durch ein eigenes Dach klar abgesetzter Bauteil.

Pergola
hölzernes Gitterwerk als Halt für rankende Pflanzen

Peristylhof
Innenhof mit umlaufenden Säulengang – bei Renaissancepalästen häufig.

Piano Nobile
Repräsentationsgeschoß eines Schlosses oder Palastes, meist das erste Stockwerk über dem Erdgeschoß.

Pietra Dura
Einlegearbeiten mit verschiedenen Halbedelsteinen, die bei Tischplatten und anderen Möbelstücken, aber auch bei Bildern vor allem in Florenz um die Mitte des 16. Jh. in Mode kamen. Als Motive waren vor allem Blumen und Landschaften sehr beliebt.

Pilaster
Flacher Wandpfeiler, der im Unterschied zur Lisene mit Kapitell und Basis ausgestattet ist. Er dient nicht nur zur Wandgliederung, sondern auch zum Tragen des Gebälks und zur Wandverstärkung. Pilaster wurden gerne in den Bauten der Renaissance, des Barocks und des Klassizismus verwendet.

Platereskenstil
Stilbegriff für die spanische Bau- und Dekorationskunst mit filigraner, an Edelmetallarbeiten erinnernde Ornamentierung in den ersten beiden Dritteln des 16. Jh. Beim Platereskenstil werden spätgotische und mudejare Stilelemente mit solchen der Frührenaissance vermischt. Beliebt waren Arabesken, Voluten, Girlanden, Spiralen und Reliefs.

Platzlgewölbe
Während des späten 17. Jh. in Österreich entwickelte Gewölbeform von geringer Stichhöhe.

Pleasureground
In englischen Herrschaftsgärten kennt man die Dreiteilung in Blumengarten, Park und Pleasureground. Letzterer gilt als „erweiterte Wohnung“. Er ist ein mit Statuen, Blumenbeeten und Brunnen geschmückter Parkteil nahe dem Schloß. Er ist durch Hügeln und Baumgruppen strukturiert und wird vom Landschaftspark gewöhnlich durch ein Gitter getrennt. Typisch für einen Pleasureground sind auch phantasievoll geformte Beete, deren Grundform meist rund oder oval ist.

Portal
Künstlerisch gestalteter Eingang eines Gebäudes

Portikus
Repräsentativer, meist säulengetragener Portalvorbau an der Hauptfassade eines Schlosses, oft in Form eines antiken Tempels. Wie dieser ist er häufig von einem Giebeldreieck gekrönt und an den Seiten offen.

Postament
Sockel von Statuen

Pöppelmann, Matthäus Daniel
Hauptmeister des deutschen Spätbarocks (1662 – 1736), vorwiegend in Sachsen tätig. Wichtige Schlossbauten: Dresdner Zwinger, Pillnitz, Moritzburg, Großsedlitz, Warschau-Königsschloß

Putzbänder
Flacher Wanddekor zur Gliederung einer Fassade, oft nur in Kalkmörtel aufgetragen.

Putzfasche
Aufgeputzte, andersfarbige Umrahmung zur Betonung von Türen und Fenstern.

Putzquaderung
Nachahmung einer Natursteinquaderung im Putz einer Fassade

Rankenwerk
Eine aus pflanzlichen Motiven gebildete Ornamentform

Rautenfenster
Fenster in Form eines schiefwinkeligen Parallelogrammes, dessen vier Seiten gleich sind. Rautenfenster kommen gelegentlich bei Treppenhäuser vor

Relief
Die aus einer Fläche durch Ausmeißeln oder Modellieren herausgearbeitete Darstellung.

Renaissance
Das Zeitalter der Renaissance (frz. Wiedergeburt) liegt am Übergang des Mittelalters zur Neuzeit und umfaßt in Deutschland und Österreich die Zeit des ausgehenden 15. Jahrhunderts bis etwa 1650. Die Architektur der Renaissance orientierte sich vornehmlich an der Antike. Die Raumgliederung der Gotik öffnete sich einer ganzheitlichen Raumvorstellung. Vermehrt wurden Kuppelbauten errichtet. Als Bestandteil des Bauschmucks entwickelte sich die kanonische Säulenordnung aus den verschiedenen klassischen Stilrichtungen. In der Plastik und Malerei, die in Donatello, Leonardo da Vinci und Raffael ihre größten Künstler besaß, gestaltete sich das Menschenbild zunehmend individualistisch. Unter den Architekten und Künstlern der Renaissance finden sich auch in Österreich und Deutschland viele Italiener.

Régence
Stilrichtung der französischen Kunst während der Regentschaft des Philipp von Orleans (1715 – 1723), die den Übergang von der Pracht des Louis-quatorze-Stils zum leichteren und eleganteren Rokoko bildet. Typisch dafür ist z. B. die Verwendung von flachen Pilastern statt dicken Säulen in der Gliederung der Innenräume eines Schlosses.

Rieselputz
Auf Kalkmörtel aufgerieselter und getünchter, kleinkörniger Kies. Im 17/18. Jh. gerne im Waldviertel verwendet.

Riesenpilaster
Über zwei oder mehrere Geschosse ausgebildete und diese zusammenfassende Pilaster (Riesenordnung).

Risalit
Ein in der ganzen Höhe eines Gebäudes vor dessen Flucht vor- oder zurücktretender und die Fassade gliedernder Bauteil (z.B. Mittel- oder Eckrisalit). Er ist häufig mit einem eigenen Dach oder Giebel versehen und dadurch etwas höher als der Rest des Gebäudes.

Rocaille
Charakteristische, muschelartige Schmuckform des nach ihr benannten Rokokos. Sie war vor allem in der Zeit zwischen 1740 und 1780 gebräuchlich.

Rokoko
Als Übergangsstil zwischen Barock und Klassizismus, findet sich das Rokoko als Kunststil des späten Absolutismus etwa in der Zeit von 1720 bis 1770. Vornehmlich als höfischer, elegant verfeinernder Dekorationsstil hat er seinen Ursprung in der französischen Architektur und leitet sich in seiner deutschen Bezeichnung von dem architektonischen Leitmotiv, dem sog. Rocaille-Ornament ab. Dieses besteht hauptsächlich aus Muschel- und Schnörkelwerk, das mit naturalistischen Ranken und netzartigen Flächenfüllungen verbunden ist. Das Rokoko bezieht sich vornehmlich auf innenarchitektonische, kulissenartige Ausbauten. Die Größe und das Pathos des Barock wandelt sich in das Gefällige, Schöne. Die in der Renaissance wiederbelebten Putten, kleinen Knaben mit oder ohne Flügel, werden zur bevorzugten Form der Zierplastik. Während sich das Rokoko vornehmlich im Süden Deutschlands und in Österreich ausbreitete, erlebte der Stil in Preußen in Schloß Rheinsberg und in Sanssouci seine Höhenpunkte.

Rondell
Rundplatz in Parks und Gärten, in den mehrere Wege einmünden

Rustika
Natursteinmauerwerk aus Quadern mit vorstehender, roh bearbeiteter Ansichtsfläche und tieferliegender Fuge (Bossen). Seit der Renaissance wird diese Art des Mauerwerks bei Untergeschossen von Bauten benutzt, um den Eindruck der Schwere und Wehrhaftigkeit zu verstärken. Vom 16. bis zum 18. Jh. wurde dieses Natursteinmauerwerk auch gerne im Verputz imitiert.

Sala terrena
Ebenerdiger Gartensaal eines Schlosses, als architektonische Überleitung vom Garten in das Schlossinnere gedacht. Er befindet sich gewöhnlich im Mittelrisalit unter dem Hauptsaal und ist häufig als Grotte gestaltet.

Satteldach
häufigste Dachform, auch Giebeldach genannt. Es wird von zwei geneigten Dachflächen gebildet, die am Dachfirst zusammenstoßen. Die an den Schmalseiten des Gebäudes entstehenden Dreiecke bezeichnet man als Giebel.

Schinkel, Karl Friedrich
Deutscher Baumeister (1781 – 1841), Wichtige Schlossbauten: Glienicke, Tegel, Putbus, Babelsberg, Granitz, Stolzenfels, Kamenz

Schleppdach
Ein Schleppdach wird in Fortsetzung der Hauptdachfläche über einen Anbau herabgezogen.

Schloß
Repräsentativer, unbefestigter oder nur schwach befestigter Adelssitz, bei dem die Wohnfunktion im Vordergrund steht. Häufig entwickelten sich Burgen infolge des gesteigerten Wohnbedürfnisses im Laufe der Zeit durch Umbauten zu Schlössern. Zu den besonderen Merkmalen eines Schlosses zählen: Schaufassade, Treppenhaus und Festsaal.

Schlüter, Andreas
Deutscher Baumeister und Bildhauer (1660 – 1714), Wichtige Schlossbauten: Berliner Stadtschloß

Schnepfengiebel
Dreieckige Giebelform mit konkav geschwungenen Seiten

Schüttkasten
rechteckiger, mehrgeschossiger Speicherbau, der zur Lagerung von Getreide diente

Secco
Wandmalerei auf trockenem Putzgrund mit Leimfarben, Kaseinfarben und Tempera.

Segmentgiebel
Giebel mit Abschluss aus einem Kreisbogensegment.

Sgraffito
Kratzputz - aus mehreren verschiedenfarbigen Putzschichten bestehende Wanddekoration, wobei sich eine Bild- oder Ornamentzeichnung durch Abkratzen der oberen Schichten ergibt. Sgraffitto-Putz war wegen seiner dekorativen Wirkung und Wetterbeständigkeit vor allem an den Außenfassaden von Renaissanceschlössern und –palästen sehr beliebt.

Sohlbank
Fensterbank, nach außen meist abgeschrägt

Speklagen
Dekortechnik von Schlössern, bei der Schichten roter Ziegel mit andersfarbigen Steinlagen abwechseln. Dadurch können großflächige Fassaden aufgelockert werden. Speklagen sind besonders bei Schlössern im nördlichen Deutschland häufig.

Spiegelgewölbe
Sonderform des Muldengewölbes mit zentraler, ebener und zur Dekoration geeigneter horizontaler Fläche

Spolien
Bauteile (oft Säulen), die aus älteren, oft antiken Bauten stammen und wiederverwendet wurden.

Sprenggiebel - siehe gesprengter Giebel

Stichkappengewölbe
Gewölbeform mit quer zur Achse des Hauptgewölbes einschneidenden Wölbungen (z.B. von Fensternischen)

Stöckl
In Österreich gebräuchliche Bezeichnung für einen kleinen Herrensitz ohne Innenhof.

Stucco lustro (Stuckmarmor)
Ein besonders bei Barockschlössern angewandter marmorierter Innenputz, der aus verschieden gefärbten und gemaserten Pasten geknetet, aufgetragen, gebügelt und poliert wurde.

Stuck
Masse aus Gips, Kalk und Sand, die im feuchten Zustand beliebig formbar ist, aber schnell erhärtet. Der Stuck kann weiß belassen, bemalt oder vergoldet werden. Von der Renaissance bis zum Rokoko war Stuck das wichtigste Material zur Dekoration von Decken und Wänden.

Studiolo
Kleines, manchmal geheimes Arbeitszimmer des Hausherrn in italienischen Renaissancepalästen.

Substruktionen
Unterbau eine Gebäudes (z. B. eines Schlosses) zum Ausgleich von Geländeunebenheiten.

Supraporte (Sopraporte)
In einem Zierfeld über der Tür angebrachtes Gemälde, Relief oder Stuckdekor. Supraporten sind besonders bei Rokoko-Schlössern häufig.

Taffel Stube
Speisesaal oder -zimmer

Tambour
Zylindrischer Unterbau einer Kuppel. Er ist zumeist mit Fenstern versehen und dient der Überhöhung des Raumes und der Belichtung der Kuppel.

Taustab
Dekoratives Stuckelement in Form eines gedrehten Seiles.

Telamon
Männliche, ein Gebälk tragende Figur

Terrakotta
gebrannte Tonerde

Tondo
Gemälde oder Relief in kreisrunder Form, aus antiken Medaillons entwickelt und besonders in der Renaissancezeit häufig.

Traufe
Untere waagrechte Begrenzung eines Daches (Dachrand).

Traverse
Querträger, der zur Stabilisierung, Befestigung oder Verbindung dient.

Treillagen
Darunter versteht man Laubengänge in den Schlossparks, die aus einem Stahlgerüst und dünnen Holzlatten bestehen. Sie waren meist mit wildem Wein oder Efeu bewachsen. Treillagen wurden vor allem bei der Neuanlage von Gärten gerne verwendet, da sie sofort Schatten spenden konnten, während die gepflanzten Bäume noch zu jung waren. Außerdem dienten sie als Stütze für schnell wachsende rankende Gehölze.

Trophäe
dekorative Gruppe von verschiedenartigen Waffen. Diese wurden sowohl in der Renaissancezeit als auch im Barock gerne zum Schmuck von Giebeln und Portalen verwendet.

Tudorstil
Nach dem englischen Herrscherhaus benannter Architekturstil zwischen 1530 und dem Anfang des 17. Jh., der Elemente der Spätgotik und der Renaissance kombiniert. Er wurde vor allem im Schlossbau angewendet und erlebte im Historismus des 19. Jh. am Festland eine neue Blüte.

Türsturz
Waagrechter Abschluß einer Türöffnung

Vestibül
Vor- oder Eingangshalle eines Hauses, Palastes oder Schlosses.

Villa
Bezeichnung für ein italienisches Landschloß. Entstanden im 2. Jh. v. Chr. Die italienische Renaissance griff im letzten Drittel des 15. Jh. den Villengedanken wieder auf. – besonders häufig in Venetien und in der Toskana.

Volute
Schmuckelement in Form einer Spirale oder Schnecke. Sie ist ein wesentliches Element des Kapitells ionischer Säulen. In der Architektur werden Voluten gerne als Verbindung zwischen vertikalen und horizontalen Baugliedern benutzt.

Walmdach
Dachform, bei der über einem rechteckigen Baukörper vier schräge Dachflächen mit einer auf gleicher Höhe um diesen verlaufenden Dachtraufe liegen. Die Hauptdachflächen sind trapezförmig, während die Walmflächen auf den schmäleren Gebäudeseiten Dreiecksform haben. Je zwei Walme schneiden sich in einem Grat. Sind die Walmflächen an den Schmalseiten nur teilweise abgeschrägt, so spricht man von einem Schopfwalm, Halbwalm oder Dreiviertelwalm.

Wasserspeier
Steinerne oder metallene Rinne an der Traufenkante eines Gebäudes zur freien Ableitung des Regenwassers, an Renaissanceschlössern oft reich verziert.

Welsche Haube
Dies – auch Haubendach genannt – ist eine barocke Dachkonstruktion für Türme, die als unmittelbarer Vorläufer des Zwiebelturmes gilt. Der Begriff „welsch“ deutet auf eine Herkunft aus Frankreich oder Italien hin. Diese mehrfach geschweifte Dachform setzt konkav an, wird dann in einem weiteren Schwung konvex und läuft dann in eine konkave Spitze aus. Sie kann über runden, quadratischen oder polygonalen Grundrissen errichtet werden. Manchmal endet sie in einer „Laterne“, die als Lichtöffnung dient.

Wendelstein
Ein Wendelstein ist ein vor die Fassade gebauter Treppenturm. Im Gegensatz zu einer herkömmlichen Wendeltreppe ist er repräsentativ gestaltet. Die Treppe ist wesentlich breiter und bequemer. Sie lädt zum paarweisen Hinaufschreiten ein. Das Gehäuse ist durchbrochen, um von außen Blick in das Innere zu gewähren.

Weserrenaissance
In der Zeit zwischen Reformation und Dreißigjährigem Krieg, also etwa zwischen 1520 und 1650, entstanden im Weserraum eine Vielzahl von Bauten, die eine hohe künstlerische Qualität aufweisen. Sie werden unter der Bezeichnung „Weserrenaissance“ zusammengefaßt. Es war eine Zeit der wirtschaftlichen Blüte, so daß der neu gewonnene Reichtum in einer aufwendigen Architektur sich manifestieren konnte. Die Architekten dieser Zeit griffen auf die Entwürfe der zeitgenössischen Architekturtheoretiker (Andrea Palladio, Sebastiano Serlio, Hans Vredeman de Vries) zurück. Daneben integrierte man architektonische Elemente des einheimischen Fachwerkbaues. Charakteristisch für die Frühphase der Weserrenaissance sind die sog. „Welschen Giebeln“, also Halbkreisaufsätze auf Stufengiebeln. In der weiteren entwicklung wurde die Architektur unter niederländischem Einfluß aufwendiger und in der Gestaltung plastischer. Typische Merkmale der nun entstehenden Bauten sind das Beschlagwerk, die Bossenquader, der Schweifgiebel sowie die „Auslucht“, ein erkerartiger Vorbau.

Wetterfahne
Drehbares, verziertes Blechstück an Türmen oder Gebäudefirsten, das die Windrichtung anzeigt.

Zahnschnitt
Aus Balkenköpfen abstrahierter Fries aus rechtwinkeligen kleinen Blöcken.

Zeltdach
Dach eines Turmes auf quadratischem, polygonalen oder kreisförmigen Grundriss, bei dem alle Dachflächen gleichmäßig in einer Spitze zusammenlaufen. Ein quadratisches Zeltdach wird auch Pyramidendach genannt.

Zopfstil
Eine zur Steifheit neigende Form des Überganges vom Rokoko zum Klassizismus (ca. 1760 – 1780), benannt nach der damals herrschenden Zopfmode.

Zwerchhaus
Giebelartig ausgeprägtes Dachfenster

Zwiebelhelm
zwiebelförmige Turmbedachung in Gestalt einer geschwungenen Haube.