WIENER PALAIS


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Zeittafel






Palais Metternich


Der österreichische Staatskanzler Clemens Lothar Fürst Metternich besaß in der Innenstadt kein Palais, sondern benützte zwischen 1810 und 1848 eine Dienstwohnung in der Staatskanzlei, dem heutigen Bundeskanzleramt. Er erwarb jedoch große Liegenschaften im heutigen dritten Bezirk. Auf einem Teil des Grundstückes stand bereits 1815 eine Villa, die von Peter Nobile im Auftrag des Fürsten erweitert und 1835/37 umgestaltet wurde. Das heutige Palais wurde etwas westlich von ihr in den Jahren 1846 bis 1848 nach Plänen der Architekten Johann Romano und August Schwendenwein durch den Baumeister Franz Schlierholz errichtet. Der Bauherr konnte sich seines neuen Wohnsitzes aber vorerst nicht erfreuen, da er im Zuge der Revolution von 1848 ins Exil gehen mußte. Im März 1848 wurde das Gebäude vom Wiener Pöbel geplündert. 1851 kehrte Metternich aus England zurück und lebte hier bis zu seinem Tod 1859. Dieses sog. „Winterpalais“ war reich mit Kunstwerken ausgestattet. Sein Sohn Richard stand in diplomatischen Diensten. Er kehrte 1872 nach vierzehnjähriger Abwesenheit aus Paris in sein Palais zurück. Seine Gattin und Nichte Pauline war bekannt für ihre gesellschaftliche Präsenz, die sie immer wieder zur Finanzierung sozialer Projekte nutzte. 1873 wurde der damals weitläufige Park bis auf einen kleinen Rest parzelliert und verbaut, da Richard Fürst Metternich im Börsenkrach schwere Verluste erlitten hatte. An seiner Stelle entstand das sog. Botschafterviertel. Dabei fiel auch die klassizistische Villa Nobiles der Spitzhacke zum Opfer. Lediglich das Winterpalais blieb erhalten. Seit 1908 ist das Gebäude Sitz der italienischen Botschaft und gehört dem italienischen Staat.

Das Palais zählt zu den frühesten Werken des Historismus in Wien, wobei sich die Architekten an den Stil der italienischen Renaissance anlehnten. Es ist ein dreigeschoßiges Gebäude, dessen dreizehnachsige Hauptfront am Rennweg und eine Nebenfront an der Metternichgasse liegt. Das Erdgeschoß der Hauptfassade ist mit Quaderfugen versehen. Die drei mittleren Achsen werden von genuteten Pfeilern eingefasst, über denen sich ein Balkon befindet. Darunter liegt ein relativ einfach gestaltetes Portal. Im ersten Obergeschoß sind die drei Mittelfenster durch Dreieckgiebel hervorgehoben, während die übrigen Fensteröffnungen gerade Verdachungen aufweisen. Ein repräsentativerer Eingang mit einer von toskanischen Säulen gestützter Vorhalle liegt an der Gartenseite. Eine zweiläufige Treppe mit Steinbalustraden führt in die Beletage. Diese besteht aus einer Suite von vier großen Räumen und einem Vorzimmer. Sie ist mit Stuckdecken aus der Mitte des 19. Jh. sowie mit qualitätvollen Bildern und Möbeln ausgestattet. Die Residenz des Botschafters im zweiten Obergeschoß weist einfachere Rahmendecken auf. Das ehemalige Arbeitszimmer des Staatskanzlers ist mit einer neo-barocken Holzvertäfelung versehen. Der südliche, der beiden schwach vortretenden Gartenrisalite wurde im Jahr 1900 zu einem sechsachsigen Trakt ausgebaut, wodurch der hakenförmige Grundriß des Gebäudes entstand. Er enthält den großen, in den Formen des Frühklassizismus gehaltenen Ballsaal sowie ein Musikzimmer im Neo-Rokoko-Stil. Im Park befanden sich seinerzeit zahlreiche antike Statuen. Die meisten davon wurden 1906 in das der Familie Metternich gehörende westböhmische Schloß Königswart transferiert. Einige sind bis heute im Garten verblieben.

Ort/Adresse: 1030 Wien, Rennweg 27

Besichtigung: Das Palais dient als Botschaft und ist im Inneren nicht zu besichtigen.


Weitere Literatur:


31.08.2002