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Dobra


Wie fast alle Burgen der Befestigungslinie am Kamp dürfte auch Dobra um die Mitte des 12. Jahrhunderts errichtet worden sein. Damals legte man einen zweiten Burgenring für den Fall an, dass die vordringenden Böhmen die Burgenkette an der Thaya durchbrechen würden. 1186 wird der Wehrbau mit Hertnit von Dobra urkundlich erstmals erwähnt. Die Herren von Dobra waren eine anerkannte Familie. Unter Herzog Friedrich II und König Przemysl Ottokar II bekleideten sie das Amt eines Schenken. Im 14. Jahrhundert dürften sie ausgestorben sein. 1341 kauften die Kuenringer von Weitra-Seefeld die halbe Burg. 1405 gelangte Dobra als Mitgift an die Herren von Liechtenstein. 1446 war es im Besitz des berüchtigten Tobias von Rohr, der das einträgliche Geschäft der Raubritterei ausübte und in der Umgebung großen Schaden anrichtete. Er wurde zwei Jahre später durch ein Heer der Landstände zur Aufgabe gezwungen. Wilhelm von Missingdorf war seit 1464 Burgherr. Er setzte auf die falsche Karte, unterstützte den ungarischen König Matthias Corvinus und übersandte Kaiser Friedrich III einen Absagebrief, was einer Kriegserklärung gleichkam. Dennoch durfte er nach dem Friedensschluss seine Güter behalten, da er Abbitte geleistet hatte. Mit Hans von Missingdorf erlosch 1513 auch seine Familie. Im 16. Jahrhundert erfolgte der Umbau der bis dahin vorwiegend gotischen Anlage in eine stark befestigte Wohnburg der Renaissance. 1533 wurde Nikolaus von Rauber, der als Feldhauptmann in militärischen Diensten König Ferdinands I stand, von diesem mit Dobra belehnt. Ulrich Graf von Hardegg besaß die Herrschaft ab 1559, verkaufte sie aber 1593 an Erasmus Braun von Pielachhag. Zu den rasch wechselnden Besitzern des 17. Jahrhunderts zählten u. a. die Kuefstein, Walderode und Megier. 1645 konnte die Besatzung der Burg eine Belagerung durch die Schweden erfolgreich abwehren. Offenbar waren die Lebensmittelvorräte den Belagerern früher als den Belagerten ausgegangen. Da Dobra aber für einen dauernden Wohnsitz längst zu unbequem geworden war, ließ Ignaz Philipp Freiherr von Ehrmanns, der seit 1715 Burgherr war, den Meierhof im benachbarten Wetzlas schlossartig ausbauen. 1725 zog er mit seinen Bediensteten in einem feierlichen Umzug dorthin. Dobra blieb dem Verfall überlassen. Die Bauern der Umgebung durften das Mauerwerk abtragen und zum Bau ihrer Häuser verwenden. Auch beim Ausbau der Pfarrkirche von Franzen leisteten die Steine noch gute Dienste. 1906 stürzten Teile der Außenmauern ein. Seit 1958 ist die Windhag’sche Stipendienstiftung Eigentümerin der Ruine. Ihre Sanierung und Instandhaltung wurde vom Verein „Pölla Aktiv“ übernommen, der die Anlage gepachtet hat.

Die Burg wurde auf einem steil abfallenden Waldrücken erbaut, der an drei Seiten vom Kamp umflossen war. Bedingt durch die Errichtung der Kamptalstauseen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts liegt die Ruine heute auf einer leicht erhöhten, vorgeschobenen Landzunge in der fjordartigen Landschaft des Dobra-Stausees. Ihr unregelmäßiger Grundriss ist dem langgestreckten Bauplatz angepasst. Die schmale Anlage verläuft von Südwest nach Nordost. Bei einer Länge von 88 m schwankt die Breite zwischen 20 und 37 m. Bis auf das zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingestürzte Mauerstück ist die gesamte Burg von einem ca. 1,8 m starken Bering umgeben. Er zählt zu den ältesten Teilen der Anlage. Eine gemauerte Rampe führt zum ersten Torturm mit dem rundbogigen Tor. Eine Fußgängerpforte liegt nebenan, aber außerhalb des Torturmes. Dieser ist zweigeschossig und teilweise noch mit Zinnen versehen. Hinter dem Torbau erstreckt sich der äußere Burghof. An seiner linken Seite erhebt sich hinter einem breiten Abschnittsgraben auf einem fünf Meter hohen Felssockel der 23 m hohe Bergfried. Er stammt aus der Zeit um 1250. Das Quadermauerwerk in seinem unteren Bereich ist noch romanisch. Dort ist er fünfseitig, wird dann viereckig und ab einer Höhe von 20 m achteckig. Seine spitze Kante ist der Angriffsseite zugekehrt. Seine Mauern sind bis zu 3,5 m dick. Der ursprüngliche Einstieg lag an der 11 m langen Hofseite in zehn Meter Höhe. Der zwingerartige Hof führt zum längst abgebrochenen zweiten Tor, hinter dem sich der erste innere Hof anschließt. Dessen Westseite wird vom dreigeschossigen Palas begrenzt. Sein Unterteil ist romanisch. Bemerkenswert sind die verstäbten spätgotischen Steinumrahmungen seiner Rechteckfenster im Obergeschoß. Ältester Bauteil ist die Rauchküche im Südosttrakt. Dieser Trakt ist mit dem Bergfried durch einen Querflügel verbunden. In einem Hofeck findet man noch Reste der einstigen Zisterne. Im Norden wird der Hof durch einen dreigeschossigen Bau begrenzt.

Durch einen rundbogigen Durchlass gelangt man in den äußerst schmalen, zweiten inneren Burghof. Er war ursprünglich breiter, doch hatte man in der Renaissancezeit die östlichen Gebäude eingestellt. In seiner Nordwestecke steht der zweite Bergfried. Auch er hat einen 4,5 m hohen, teils felsigen, teils gemauerten Unterbau. Mit einer Kantenlänge von 7 m und einer Mauerstärke von ca. 1,7 m ist er wesentlich schwächer als sein südliches Gegenstück. Der hoch gelegene Einstieg des quadratischen Turmes zeigt Rollenschlitze einer ehemaligen Zugbrücke. Sie hatte ihr Auflager am nordwestlichen Gebäudetrakt über der Kapelle. Von dieser sind nur mehr geringe Reste vorhanden. Der zweite innere Hof ist vom trapezförmigen nördlichen Zwinger durch eine zwei Meter starke, hohe Sperrmauer getrennt. Am der Nordostecke dieses Zwingers springt ein runder Flankierungsturm vor. Noch weiter nördlich liegt ein tiefer Abschnittsgraben mit einem Pfeiler, über den einst eine Zugbrücke führte. Sie führte zu einem romanischen Verteidigungswerk außerhalb der Burg, dessen vier hintereinander angeordnete Tore durch Fallgitter und Querriegel separat geschlossen werden konnten, so dass es Abschnitt für Abschnitt erobert werden musste. Die Burg hatte sowohl im Süden als auch im Norden einen Zugang, was das Vorhandensein von zwei Bergfrieden verständlich macht. Beide waren nach den Regeln des mittelalterlichen Burgenbaues so angeordnet, dass ein Angreifer seinen ungesicherten Schwertarm diesen Bollwerken zuwenden musste. Der ursprüngliche Eingang lag im Norden, das Südtor wurde erst in der Gotik errichtet.

Lage: Niederösterreich/Waldviertel – ca. 20 km östlich von Zwettl

Besichtigung: meist frei zugänglich (gegebenenfalls kann der Schlüssel am Campingplatz ausgeborgt werden)


Weitere Literatur:


09.09.2006