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Waasen bei Wildon


Die Burg dürfte im 12. Jahrhundert als einfacher Wehrbau errichtet worden sein. Ihre Aufgabe war es, die Straße aus dem Stiefingtal in das Grazer Feld zu sperren. Die Hochfreien Diepold und Engelschalk von Waasen scheinen zwar zwischen 1140 und 1183 mehrfach in Urkunden auf, doch dürften sie vermutlich nichts mit den südsteirischen Waasen zu tun gehabt haben, da ihre Stammburg am Attersee lag. Wahrscheinlicher ist Otto von Waasen, der 1208 erstmals genannt wird. Er war ein landesfürstlicher Lehensmann und nahm 1218 mit Herzog Leopold VI an einem Kreuzzug teil. 1224 beteiligte er sich am großen Turnier in Friesach. Seibot von Waasen kämpfte 1292 für Herzog Albrecht gegen den Erzbischof von Salzburg. Die Familie Waasen dürfte 1370 ausgestorben sein. Die Erbtochter Agnes verpfändete 1375 die Herrschaft an die Brüder Wilhelm und Erasmus von Perneck. Da sich beide die Burg teilten, wurde sie im 14. Jahrhundert entsprechend ausgebaut. Es entstand der Nord- und der Westflügel. 1439 trat Hedwig, die Witwe Wilhelms, Waasen an Anna von Stubenberg ab. Diese wartete aber nur die Belehnung durch den Landesfürsten ab und verkaufte die Herrschaft bereits 1442 an ihren Vetter Wilhelm d. J. von Perneck. Da es nach dessen Tod mehrere Erben gab und diese sich nicht einigen konnten, kam es bald zu langwierigen Erbstreitigkeiten. Schließlich übernahm 1523 der mit einer Perneckerin verheiratete Hans Holzapfel den Besitz. 1606 wurde seine Witwe abgefertigt und sechs Jahre später erhielt Balthasar Galler im Vergleichsweg die Herrschaft Waasen. Unter der Familie Galler wurde die Burg zum Schloss ausgebaut und durch die Errichtung des Ost- und Südtraktes wesentlich vergrößert. Ein Inventar von 1670 erwähnt u. a. eine Bibliothek mit 270 Bänden. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war das Schloss baufällig, da es – weil unbewohnt – vernachlässigt wurde. Franz Karl Graf Galler verkaufte Waasen 1809 an Franz Xaver Graf Liechtenberg. Sowohl im 19. als auch im 20. Jahrhundert kam es zu einem häufigen Besitzerwechsel. Die Familie Lewohl, der das Schloss von 1817 bis 1872 gehörte, ließ es erneuern und richtete in den Wirtschaftsgebäuden einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb ein. 1945 erwarb Dr. H. G. Toderer das Schloss. Umfassende Restaurierungen fanden in den Jahren 1970 und 1977 statt. Heute gehört Waasen der Familie Hödl.

Schloss Waasen steht auf einem Ausläufer des Hühnerberges, der an drei Seiten stark geböscht ist. Lediglich im Nordosten musste ein – heute weitgehend verschwundener – Graben angelegt werden, da den Verteidigern hier eine Überhöhung zu schaffen machte. Das Schloss ist ein mächtiger, dreistöckiger Viereckbau um einen fast quadratischen Arkadenhof. Auch der große, im Westen vorgelagerte Wirtschaftshof war von Wehrmauern mit Wehrgängen umgeben, so dass auch die Stallungen und Wirtschaftsgebäude in die Wehranlage einbezogen waren. Das Hauptgebäude ist mit dem Wirtschaftshof durch eine Zinnenmauer verbunden. Der Vischerstich zeigt an ihrer Stelle noch einen Arkadengang. Die ältesten Bauteile sind der Nordflügel mit seiner dreifach gebrochenen Front und der anschließende Westtrakt (bis zum Turm). Die Kellerräume des Nordflügels sind mit gratigen Gewölben versehen. Zwischen dem alten und dem neuen Teil liegt der quadratische Torturm. Der mächtige Viereckturm wird 1434 gemeinsam mit der Kapelle urkundlich erwähnt. Es dürfte sich dabei um den einstigen Bergfried handeln, der aber im Laufe der Zeit mehrfach umgestaltet wurde. So wurde ihm im 18. Jahrhundert die große Haube aufgesetzt. Auch die Fassade wurde damals verändert. Die Nordostecke des Schlosses war zusätzlich durch einen Rundturm verstärkt, doch ist dieser heute nicht mehr vorhanden. Der Ostflügel wurde um 1620 errichtet. Damals entstanden auch die mit Kreuzgratgewölben versehenen Arkadengänge im Hof. Sie sind an der Nordseite drei-, an der Ost- und Südseite nur zweigeschossig. Im 19. Jahrhundert wurden die Arkaden des ersten Stocks verglast. Neben dem Eingang ist ein Wappenstein der Galler angebracht. Im Inneren sind noch einige Stuckdecken des 17. Jahrhunderts sowie einfache Holzdecken und steinerne Türfassungen aus dieser Zeit erhalten. Einige Räume, wie das Jagdzimmer, das maurische Zimmer oder das mit Wandmalereien ausgestattete Jugenstil-Badezimmer haben ihre Einrichtung aus dem 19. Jahrhundert bewahrt. Auch sind noch einige Empire- und Jugendstilöfen vorhanden. Die kleine Neobarock-Kapelle liegt hinter der vorgeblendeten Giebelfront des Torturmes. Ihre Glasfenster sind mit 1904 datiert. Der Barockaltar befindet sich heute in Rohregg. Das Schloss ist von einem großen Park umgeben.

Lage: Steiermark/Südsteiermark – ca. 10 km nordöstlich von Wildon

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


04.04.2006