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Rohr


Das „Haus zu Rohr“ war im 12. Jahrhundert eine Wasserburg, die das ausgedehnte Augebiet am linken Murufer südlich von Wildon zu kontrollieren hatte. Es war damals im Besitz der Grafen von Plain, die es als Lehen an eine ritterliche Familie vergeben hatte. Diese nannte sich „von Rohr“. Die Rohr waren wohl die angesehendste Familie unter den Dienstleuten der Grafen von Plain. Ihre Mitglieder werden in zahlreichen Urkunden als Zeugen genannt. Die Feste scheint 1157 erstmals urkundlich auf, doch ist es nicht sicher, ob es sich dabei tatsächlich um das in der Gemeinde Ragnitz liegende Rohr gehandelt hat. Im 13. Jahrhundert kam dieses mit einem Teil der Plainer Besitzungen an die Grafen von Pfannberg. Letztere verliehen die Wasserburg bald an die aus Unterdrauburg stammenden Traberger, die sich aber bald ebenfalls nach Rohr nannten. 1283 wird der Ansitz noch „Haus“ genannt, aber bereits 1318 als „castrum“ bezeichnet. 1302 übergab Graf Ulrich von Pfannberg als Ersatz für Schäden, die er im Krieg Herzogs Albrechts gegen das Erzbistum Salzburg dem Bischof von Seckau zugefügt hatte, diesem alle Güter, die er südlich von Graz besessen hatte. Dadurch gelangte auch Rohr an das Seckauer Bistum. Mit dem Eigentümer wurden nun auch die Lehensnehmer gewechselt. Seit 1318 dürften die Wolfsauer Feste und Hof als Lehen gehalten zu haben. Danach scheinen hier die Krabatsdorfer auf. 1453 tauschte der Seckauer Bischof Rohr gegen gleichwertigen Besitz mit Kaiser Friedrich III. Dieser schenkte es dem von ihm gegründete Zisterzienserkloster zur Hl. Dreifaltigkeit in Wiener Neustadt. Wegen der großen Entfernung wurde Rohr vorerst an Melchior Huber verpachtet. Kurz nach 1542 verpfändete das Stift die Herrschaft an den Freiherrn Caspar von Herberstein. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ging der Pfandbesitz an das Kloster Rein über, das Rohr schließlich 1630 käuflich erwarb. Es wurde nun meist verpachtet, aber zeitweise auch vom Stiftspersonal selbst bewirtschaftet. Da es dem Abt als Erholungsort diente, wurde der Ansitz im 17. und 18. Jahrhundert zum Schloss ausgebaut und gepflegt. 1953 verkaufte das Stift das Gut an den Landwirt Ömer. Das Schloss befindet sich nach wie vor in Privatbesitz, macht aber heute einen ziemlich verfallenen Eindruck. Es bedarf dringend einer umfasssenden Renovierung.

Rohr liegt südlich von St. Georgen im Auland der Mur. Wie bei den meisten Wasserburgen fehlte auch hier von Anfang an der Bergfried. Das Schloss war ursprünglich vom Typ her als „Festes Haus“ konzipiert. Von den einstigen Wehreinrichtungen ist nichts mehr zu sehen. Die breiten Wassergräben waren schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert trocken, nachdem sie zuvor für die Fischzucht genutzt wurden. Im frühen 19. Jahrhundert ließ sie der Abt von Rein zuschütten und in den Schlosspark einbeziehen. Sie sind heute nur mehr schwach im Gelände zu erkennen. Das heutige Schloss ist ein regelmäßiger zweigeschossiger Dreiflügelbau. An seiner Nordostecke steht ein kleiner Turm, der im 18. Jahrhundert wegen Baufälligkeit teilweise abgetragen wurde. Der Osttrakt ist mit einem Dachreiter versehen, der als Uhrturm dient. Er wurde erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufgesetzt. Im Westen schließen sich einige Wirtschaftsbauten an, zwischen denen sich der klassizistische Torbau befindet. Gemeinsam mit dem Wohntrakt begrenzen diese Bauten einen rechteckigen Hof. Eine Datierung am Hofportal erinnert an eine Renovierung und teilweise Umgestaltung des Schlosses im Jahr 1807. Die Mauerstärke von etwa 1,5 Meter weist darauf hin, dass der Südtrakt der älteste Teil der Anlage sein dürfte. Er stammt aus dem 16. Jahrhundert, wurde aber damals über mittelalterlichen Fundamenten errichtet. Der Nordflügel mit der dort befindlichen schlichten Johanneskapelle sowie das Verwalterstöckl wurden im 17. bzw. 18. Jahrhundert errichtet. Eine schöne Holztramdecke im Saal des Südflügels ist mit 1633 bezeichnet. Das Stiegenhaus liegt in der Südostecke des Gebäudes. Sein Steingeländer stammt aus dem 18. Jh. In den Räumen haben sich einige Empireöfen erhalten. Im 20. Jahrhundert wurden im Südtrakt einige baufällige Gebäudeteile abgerissen und durch eine Mauer ersetzt, wodurch die einst einheitliche Front gestört wurde.

Lage: Steiermark/Südsteiermark – ca. 10 km nördlich von Leibnitz

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


21.03.2006