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Paasdorf


Die Gegend um Paasdorf kam 1048 durch eine Königsschenkung an die Babenberger. Ihr im 12. Jahrhundert genannter Lehensmann Gundolt de Patesdorf dürfte mit Guntold von Baden identisch sein. Um 1250 erbte Dietrich von Himberg das Lehen Paasdorf. Da er in einer Fehde das Stift Heiligenkreuz schwer geschädigt hatte, trat er als Sühne dafür dieses Lehen an das Kloster ab. Dieses verkaufte es aber 1294 an seinen damaligen Pächter. 1368 nahm Nyclas Kirchstetter den bis dahin freieigenen Hof von Heiligenkreuz zu Lehen. Der Grundbesitz in Paasdorf war im 15. und 16. Jahrhundert sehr zersplittert. Zu den dortigen Grundherren zählten Jörg der Sueb, die Familien Floyt und Hager sowie die Freiherren von Gera. Amand von Gera wurde 1621 wegen seiner Teilnahme am Horner Bund geächtet, erhielt aber bald wieder seine Besitzungen zurück. 1645 wurde der damalige Wehrbau von den Schweden zerstört. Er gehörte damals den Herren von Pölling. Nach einigen weiteren Besitzern wurde Paasdorf 1728 von Don Raimund de Villana Perlas Marchese von Realp erworben, der 1740 das heutige Schloss erbauen ließ. Nach dem Tod des Grafen Johann Perlas erbten seine beiden Nichten die Herrschaft. Ab 1844 scheinen die Freiherren von Skrbensky als Schlossherren auf. Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude mehrfach modernisiert und verändert. 1916 kam Paasdorf an die Familie Mosché, 1929 an die Familie Cloß und 1966 an Ernest Krehlik. Eines der schillerndsten Mitglieder der Wiener Gesellschaft erwarb 1971 das Schloss. Der Designer und Besitzer der bekannten Wiener Konditorei Demel, Udo Proksch, wurde schließlich verhaftet und wegen eines groß angelegten Versicherungsbetruges mit sechs Toten verurteilt. Er starb im Gefängnis. Der jetzige Besitzer Rudolf Zahradnik ließ das Gebäude restaurieren und im Inneren teilweise umbauen.

Schloss Paasdorf liegt inmitten eines Parks am Nordostende des gleichnamigen Ortes an der Straße nach Mistelbach. Es ist eine im 19. Jahrhundert veränderte barocke Anlage. Der lang gestreckte zweigeschossige Baublock ist mit einem Schopfwalmdach gedeckt, das durch Dachgaupen belebt wird. Die Fassaden weisen eine schlichte Putzgliederung auf. Ihre Obergeschoßfenster sind mit Keilsteinen geschmückt. An der Nordwestseite springt ein loggienartiger zweigeschossiger Vorbau vor, der im 19. Jahrhundert verlängert und mit großen, durch Pilaster gegliederten Korbbogenfenster versehen wurde. Das Gebäude erhielt dadurch ein villenartiges Aussehen. Das gedrückte Stichkappengewölbe der Eingangshalle ruht auf Stützpfeilern. An ihrer Südwand hat sich ein frühbarocker Wandbrunnen aus Rotmarmor erhalten, der mit 1645 bezeichnet ist und möglicherweise von einem Vorgängerbau stammt. Sein Wasserspeier ist als Löwenkopf gestaltet. Im Obergeschoß des Schlosses finden sich Stuckdecken mit geschweiften Spiegeln aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein Marmorkamin stammt aus dem frühen 17. Jahrhundert. Ein weiterer Kamin ist neobarock und ein Werk des späten 19. Jahrhunderts.

Lage: Niederösterreich/Weinviertel – ca. 4 km südwestlich von Mistelbach

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


07.03.2006