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Flamhof


Das Areal des Flamhofes ist Teil jenes riesigen Gebietes, das im 8./9. Jahrhundert die Erzbischöfe von Salzburg von den deutschen Kaisern erhalten hatten. An der Stelle des heutigen Schlösschens stand vermutlich bereits im 13. Jahrhundert ein Jagdhof, in dem die Jägermeister des Erzbistums ihr Amt ausübten. Als zeremoniellen Tribut mussten sie jährlich vier Marderbälge dem Erzbischof abliefern. Außerdem waren sie verpflichtet, stets zwei Jagdhunde zu halten. Zu dieser Zeit war die Familie Fleming mit diesen Aufgaben betraut. Sie ist wohl auch der Namensgeber des Flamhofes. 1350 wurde er erstmals urkundlich erwähnt. Damals wurde Heinrich der Gleintzer in das Amt des Jägermeisters im Sausal eingeführt. Seine Nachkommen lebten noch im 16. Jahrhundert auf dem Hof, obwohl sie längst keine Jägermeister mehr stellten. 1595 erwarben die Bischöfe von Seckau die kleine Herrschaft und vergaben sie als Lehen, u. a. 1633 an Graf Max von Trautmannsdorf. Ein Jahr später kaufte Dr. Johann Zorn den Flamhof. Seine Witwe veräußerte ihn 1642 an Jeremias Conrad. Im 17., 18. und 19. Jahrhundert wechselten die Besitzer häufig. 1877 erwarb Sigmund Freiherr Conrad-Eybisfeld den Besitz und schloss ihn seiner Herrschaft Eibisfeld an. Das bereits im 17. Jahrhundert zu einem kleinen Jagdschlösschen ausgebaute Gebäude wurde in dieser Zeit nicht bewohnt und stark vernachlässigt. 1937 kaufte es der Schriftsteller Paul Anton Keller, verkaufte es aber bald wieder. Das Gut blieb bis heute in bürgerlichem Besitz. Heutiger Eigentümer ist Franz Krummel.

Das kleine Schlösschen liegt auf einem lang gezogenen Höhenrücken des östlichen Sausals. Von den einstigen Wehreinrichtungen des 15. Jahrhunderts sind heute keine Spuren mehr zu sehen. Heute ist der Flamhof ein schlichter Bau mit barockem Mittelteil und einfachem Portal. Der zweiachsige, nur minimal vorspringende Mittelrisalit dürfte einst ein Turm gewesen sein. Zumindest deuten Mauerstärke und Grundriss dies an. Er trägt eine barocke Giebelkrönung, in der eine Glocke hängt. Darunter ist eine Uhr eingebaut. Im Osttrakt sind noch Teile des mittelalterlichen Baues enthalten. Zu ihnen gehören auch die Kellerräume. Beiderseits des Hauses stehen eigenwillige steinerne Riesenfiguren. Im 17. Jahrhundert wurde das Schlösschen erweitert und ihm ungefähr seine heutige Gestalt gegeben. Allerdings kam es sowohl im 18. als auch im 19. und 20. Jahrhundert noch zu weiteren Umbauten. So wurde der zweite Stock des Gebäudes erst zwischen 1727 und 1750 unter Johann Karl Schober aufgesetzt, nachdem die mangelnde Pflege durch die Vorbesitzer, die Grafen Brankowitsch, eine umfangreiche Renovierung notwendig gemacht hatte. Der Bau ist mit einem hohen Walmdach gedeckt. Im Inneren haben sich einige Rokoko-Stuckdecken erhalten. Sehr schön ist jene des großen Salons. Mit einer Fläche von 5 x 5 m ist die im ersten Stock liegende ehemalige Kapelle besonders klein. Sie wurde 1939 aufgelassen, beherbergt aber noch zwei kunstvoll geschnitzte Betbänke. Das meiste übrige Inventar wurde in die Schlosskapelle Laubegg verbracht.

Lage: Steiermark/Südsteiermark – ca. 9 km nordwestlich von Leibnitz

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


23.02.2006