ARCHIV


Gefährdete Objekte

Schlosshotels

Personenverzeichnis






Spielfeld


Spielfeld gehörte im Hochmittelalter zum Besitz der Sponheimer. Diese schenkten es um 1100 dem Stift St. Paul im Lavanttal. 1215 wird in einer St. Pauler Urkunde ein Heinrich von Spielfeld als Dienstmann des Stiftes erwähnt. Damals stand unweit des heutigen Schlosses lediglich ein Turm. Er hatte die wichtige Straße nach Marburg sowie eine Überfuhr über die Mur zu sichern. Diese hatte bereits im 11. Jahrhundert bestanden. Seit der Mitte des 13. Jahrhunderts war Spielfeld vom Kloster an die Herren von Pettau verliehen, die hier einen Burggrafen sitzen hatten. Nach dem Aussterben der Pettauer kam Spielfeld 1438 an die Grafen von Schaumburg. Ihre Verwalter nannten sich nach der Burg. Neben dem Turm lag der Hof Ulenburg. Dieser war im Besitz der Herren von Pettau. Er kam 1437 über Graf Hermann von Cilli an Erasmus von Hollenegg. 1526 wurde Friedrich von Hollenegg vom Landesfürsten mit Spielfeld belehnt. Ein anderer Friedrich von Hollenegg, der letzte seiner Familie, verkaufte die Burg 1580 an Hans Stübich. Dieser setzte die Bauarbeiten, die schon sein Vorgänger begonnen hatte, weiter fort. Sein Sohn Georg Gabriel vollendete den Neubau des Renaissanceschlosses bis 1620. Es wurde jedoch bereits 1631 durch einen Brand weitgehend vernichtet. Durch den Wiederaufbau wurden die Finanzen des Schlossherrn so strapaziert, dass Stübichs Stieftochter Siguna Elisabeth von Khevenhüller verschiedene Güter verkaufen musste. Nach ihrem Tod übernahm ihr Schwiegersohn Hörwart Kazianer die Herrschaft. 1683 wurde dieser die Überwachung der Mur in ihrem Bereich übertragen und das Schloss mit Munition wohl versorgt. Es diente auch als Kreidfeuerstation. Im Erbweg kam Spielfeld 1713 an Aloisia Gräfin Heister. Ihr Gatte hatte sich in den Türkenkriegen als Feldherr ausgezeichnet. 1725 waren wieder die Kazianer die Schlossherren. 1820 musste die neuerlich schwer verschuldete Herrschaft versteigert werden.

Zu den nun häufig wechselnden Eigentümern zählten Karl Hektor Graf Lucchesi-Palli (1840) und Anton Graf Attems (1846). Zur Zeit des letzteren machte der kaiserliche Hof auf seinen Reisen in den Süden gerne hier Station. Karl Freiherren von Bruck, der österreichisch-ungarische Gesandte in Rom, erwarb1872 das Schloss als Sommersitz. Sein Vater Karl Ludwig war österreichischer Handels- und Finanzminister sowie Gründer des Österreichischen Lloyd und der Österreichischen Creditanstalt. Durch Heirat seiner Tochter Margarethe ging Schloss Spielfeld 1889 an den russischen Diplomaten Victor von Baggovout über. Spielfeld erlebte nun seine Glanzzeit, wenn es auch nur im Sommer bewohnt wurde. Die Familie Baggovout verlor aber durch die russische Oktoberrevolution 1917 ihre großen Besitzungen in Estland und bald darauf auch jene in Kroatien und Slowenien. Man lebte nun ganzjährig in Spielfeld. Die wirtschaftliche Basis für die Erhaltung des großen Schlosses war jedoch schwer beeinträchtigt. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte der Hausherr teils in einem Arbeitslager und teils im KZ Dachau. Das Gebäude erlitt bei Kriegsende schwere Schäden durch Zerstörungen, Plünderungen, Partisanen und die englische Besatzung. Noch brauchbare Stücke wurden verkauft, um das Überleben zu sichern. Das Schloss war lange Zeit in einem schlechten Zustand, doch wurde es zuletzt behutsam restauriert. Es gehört heute zum größten Teil der Urenkelin des Freiherrn von Bruck, Natalie Baggovout. Daneben gibt es noch drei weitere Besitzer. Der Verein „Initiative Schloss Spielfeld“ bemüht sich seit 1987 um die Erhaltung und Revitalisierung des Schlosses.

Schloss Spielfeld ist eines der bedeutendsten Baudenkmäler der Südsteiermark. Es liegt auf einer Anhöhe oberhalb der Mur. Von der ursprünglich vierflügelig geplanten Anlage wurden nur zwei Trakte ausgebaut. An den Ecken des mächtigen rechteckigen Gebäudes treten drei starke Türme deutlich vor. Sie sind von Halbmonden gekrönt, die an die erfolgreiche Türkenabwehr des 17. Jahrhunderts erinnern. Beim südöstlichen Turm dürfte es sich um den bereits 1372 erwähnten „turn spilvelden“ handeln. Vom alten Wehrturm, der im 11. Jh. die Überfuhr schützte, ist nichts mehr vorhanden. Das Schloss war einst von einem Graben umgeben, doch haben sich von diesem nur Spuren erhalten. Der weiträumig angelegte Innenhof wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit viergeschossigen frühbarocken Säulenarkaden geschmückt. Diese sind heute zum Teil geschlossen. Die Bögen im obersten Stock sind um die Hälfte kleiner als die darunter liegenden, weisen dafür die doppelte Anzahl auf. Von den barocken Fensterkörben sind noch etliche vorhanden. Die Freitreppe im Hof sowie der mittlere Erkerturm des Osttraktes entstanden erst unter den Grafen Attems im 19. Jahrhundert. Unter dem Nordflügel liegt ein riesiger gewölbter Keller. Das Schloss hat mehr als vierzig Räume. Der zweigeschossige Festsaal weist eine Holzdecke auf. Er wird derzeit für Veranstaltungen genützt. Die einstige Kapelle war der Hl. Familie geweiht. Das Schloss ist von einem vier Hektar großen Park umgeben.

Lage: Steiermark/Südsteiermark – ca. 12 km südöstlich von Leibnitz

Ort/Adresse: 8471 Spielfeld

Besichtigung: nur von außen möglich

Homepage: www.schloss-spielfeld.com


Weitere Literatur:


07.12.2005