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Villa Toscana


1869 kam Erzherzog Johann Nepomuk Salvator, der jüngste der aus Florenz vertriebenen Toskanaprinzen nach Gmunden. Bauherrin des schlossartigen Ansitzes war aber seine Mutter, Marie Antonie, Großherzogin von Toskana. Ihr Gatte, der Großherzog Leopold II hatte im Jahr zuvor die gesamte Halbinsel Ort erworben. Die Villa wurde in den Jahren 1870 bis 1877 errichtet. Angeblich hat Erzherzog Johann Nepomuk den Bau stark durch seine eigenen Ideen beeinflusst. Er wohnte aber im benachbarten Landschloss Ort und besuchte sein neues Sommerschlösschen nur gelegentlich. 1889 verzichtete er auf seinen Titel und nahm den bürgerlichen Namen Johann Ort an. Im Jahr danach begab er sich auf eine Schiffsreise und ist seither verschollen. Man nimmt an, dass er mit seinem Schiff in der Nähe von Kap Hoorn untergegangen ist. Als 1898 die Großherzogin starb, ging der Besitz an ihre Söhne, die Erzherzoge Ludwig Salvator, Josef Ferdinand Salvator und Leopold Salvator über. Diese verkauften die Villa 1913 an Margarete Stonborough. Sie war die Tochter des Industriellen Karl Wittgenstein, einem der Gründer der Alpinen Montangesellschaft. Ihre Brüder waren der Philosoph Ludwig Wittgenstein und der Pianist Paul Wittgenstein. Der Architekt und Otto Wagner Schüler Rudolf Perco baute das Anwesen in ihrem Auftrag etwas um und veränderte die Innenausstattung. Die noch vorhandene historistische Einrichtung wurde durch zahlreiche Jugendstilmöbel ergänzt. Mit dem Eintritt Amerikas in den Ersten Weltkrieg verließ die Familie Stonborough 1917 Österreich, kehrte aber nach Kriegsende wieder zurück. Die Villa blieb bis 1975 in Familienbesitz. In diesem Jahr wurde sie und ein Teil des Parks vom Land Oberösterreich erworben, das hier bis 1982 einen modernen Anbau erbaute und ein Kongresszentrum schuf. 1994 erwarb das Land auch den Rest des umfangreichen Grundbesitzes. Außer einigen Seminarräumen beherbergt die Villa heute ein Kaffeehaus, von dessen Terrasse man einen prächtigen Ausblick über den See hat.

Die Villa Toscana liegt in nächster Nachbarschaft des Landschlosses Ort am Südrand der Stadt Gmunden. Sie ist von einem elf Hektar großen, gepflegten Park umgeben, der bis zum Ufer des Traunsees reicht. Er zählt zu den schönsten englischen Landschaftsparks Österreichs und weist zahlreiche seltene Bäume auf. Das gelb gefärbelte Schlösschen hat einen quadratischen Grundriss. Es ist zweigeschossig, doch sind im pagodenartigen Dachaufbau zwei weitere Halbgeschosse untergebracht. Die vier fünfachsigen Fassaden werden jeweils von breiten dreiachsigen Mittelrisaliten dominiert. Diese sind mit rokokoartigen Giebelaufsätzen versehen. Jeder davon trägt ein Spruchband in lateinischer Sprache. Die Gebäudekanten werden durch eine Putzquaderung betont. Die hohen rechteckigen Fenster sind mit Läden ausgestattet, die den Fassaden das Aussehen von französischen Landschlössern geben. Die Schauseite, die sich aber kaum von den anderen Fronten unterscheidet, ist dem See zugewandt. Vor dem Mittelfenster des ersten Stocks springt ein auf Konsolen ruhender Balkon vor. Eine Steintreppe führt von der davor liegenden Terrasse in den Park. Der Aufbau des Blechdaches wird von einer umlaufenden Dachterrasse unterbrochen. Darüber thront eine Kuppel mit aufgesetzter Laterne. Das Innere ist ebenso wie das Äußere ein Stilgemisch. Vom Rokoko über den Klassizismus bis zum Jugendstil findet man alle Stilarten. Bemerkenswert ist die hohe atriumähnliche Mittelhalle. Interessant sind auch der sog. Prunkraum mit seiner Kassettendecke und die ehemalige Bibliothek an der Ostseite. Die Wände des „Prunkraumes“ sind friesartig mit Gemälden des Wiener Malers Christian Griepenkerl geschmückt. Einige Jugendstilräume werden gerne für Ausstellungen verwendet.

Lage: Oberösterreich/Salzkammergut – am Südrand von Gmunden zwischen Bundesstraße und Traunsee

Ort/Adresse: 4810 Gmunden

Besichtigung: weitgehend möglich


Weitere Literatur:


27.11.2005