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Winkl


Schloss Winkl wurde vermutlich im 13. Jahrhundert von den Herren von Wispeck (Wiespach) erbaut. Diese Ministerialenfamilie beteiligte sich in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts an einen Adelsaufstand gegen Erzbischof Friedrich von Walchen. Dennoch wurden ihr später wichtige Ämter des Erzbistums übertragen. So waren ihre Mitglieder Ende des 14. Jahrhunderts Erbkämmerer. In der benachbarten Pfarrkirche haben sich einige schöne Grabsteine dieser Familie aus dem 14. und 15. Jahrhundert erhalten. Nach dem Tod des Gregor Hektor Wispeck gelangte der damalige Winklhof 1582 in den Besitz seines Schwagers Hans Heinrich Nothafft von Wernburg zum Wackerstein, dem bayerischen Vizedom zu Landshut. Dessen Tochter heiratete den Freiherrn Alfons von Lamberg. 1657 kaufte Franz Dückher von Haslau und Urstein den Ansitz. Er war Pfleger auf Schloss Glanegg und Verfasser eines Salzburger Geschichtswerkes. 1734 veräußerte Johann Ernst Adeodat Freiherr von Dückher Winkl an Leopold Graf Salis. Als dieser 1789 starb, erbte der Schweizer Graf Johann Simon Paravicini die Herrschaft. 1817 gehörte der Ansitz dem Wirt Josef Perger aus Hallein. 1830 war Karl Freiherr von Dückher Eigentümer. Nach etlichen rasch wechselnden bürgerlichen Besitzern erwarb 1908 das Land Salzburg das Schloss. Nach einer Adaptierung durch Architekt Paul Geppert wurde in ihm die Landes-Landwirtschaftsschule untergebracht. 1958 sowie 1973/75 kam es zuletzt zu größeren Umbauten. Dabei wurden einstige Wirtschaftsgebäude für Schulzwecke erneuert.

Das Schloss liegt unmittelbar hinter der Pfarrkirche von Oberalm. An der Ostseite des großen geschlossenen Hofes liegt das Hauptgebäude. Es ist ein stattlicher, rechteckiger Bau unter einem steilen abgewalmten Satteldach. Es besitzt drei Voll- und zwei ausgebaute Dachgeschosse. Sein Äußeres wurde vor allem im 20. Jh. oft verändert. Die Bruchsteinmauern sind verputzt und weiß gefärbelt. Die rundbogige Eingangstür in doppelt gekehlter Konglomeratrahmung liegt an der Hofseite. Keller, Erdgeschoß und Teile des ersten Stocks sind gewölbt. Die Rechteckfenster der beiden Obergeschosse haben teilweise gekehlte gotische Konglomeratrahmungen bzw. solche aus rotem Marmor. Unter der Südwestecke liegt der alte gotische Keller, zu dem vom Vorhaus eine Treppe hinabführt. Sein Gewölbe wird von einer freistehenden achtseitigen Steinsäule gestützt, die mit zwei Konsolen zum Aufstellen von Leuchten versehen ist. Angeblich gab es einst einen unterirdischen Fluchtweg vom Keller zur Pfarrkirche. Im Erdgeschoß führt eine gotische Tür in Rotmarmor-Rahmung mit flachem Kleeblattbogen in einen anderen Raum. Eine Stiege aus rotem Marmor führt in den ersten Stock. Einige Räume weisen Holzbalkendecken auf. Andere Zimmer sind mit einfachen barocken Stuckdecken versehen. Eine Kassettendecke im zweiten Stock weist auf die Renaissancezeit hin. Hier hat sich auch ein Kamin aus dem 16. Jahrhundert in einer rechteckigen Umrahmung aus rotem Adneter Marmor erhalten. Der einst als Speicherraum verwendete, durchgehende Dachboden wurde im 20. Jh. in zwei Geschosse unterteilt und für Wohnzwecke ausgebaut. Eine Öffnung an der südlichen Giebelwand erinnert noch an die einstige Funktion. An der Nordseite des Hofes erstreckt sich ein einstöckiges Gebäude, das ursprünglich Dienstbotenwohnungen und gewölbte Stallungen enthielt. Anstatt der ursprünglichen Mauer an der Ostseite wurden 1909 die Direktorswohnung sowie ein Schulhaus erbaut. In der Südwestecke des Hofes führt ein breites rundbogiges Tor in den Garten und zu den dahinter liegenden Wirtschaftsbauten. Über dem Tor ist außen ein Giebelstück aus rotem Marmor mit Seitenvoluten und dem Doppelwappen Dückler-Spindler zu sehen. Es befand sich ursprünglich am Schloss und wurde bei der letzten Renovierung hierher versetzt. Der Brunnen im Hof mit seinem Schmiedeeisenaufsatz wurde ebenfalls erst 1975 aufgestellt.

Lage: Salzburg/Tennengau – inmitten des Marktes Oberalm

Ort/Adresse: 5411 Oberalm

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


23.11.2005