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Maria Enzersdorf - Hunyadi Schloss


Das heutige Schloss ersetzt einen Freihof vom Ende des 16. Jahrhunderts. 1588 gehörte dieser Dr. Sigmund von Oedt. 1659 war er im Besitz des kaiserlichen Rates Balthasar von Nollarn. 1766 gelangte er an den Wiener Kaufmann Joseph von Patuzzi. Dieser ließ auf dem Areal des Freihofes und zweier angrenzender Grundstücke das jetzige Barockschloss errichten. Nach seinem Tod wechselte das Gebäude mehrfach die Besitzer. Dazu zählten u. a. Johann Josef Graf Seilern (1778), der später Franz Grillparzer als Hauslehrer für seinen Neffen anstellte, Ernst Landgraf von Hessen-Philippsthal (1818), Carl Graf Neipperg (1832) und Moritz Graf Almásy (1837. Seinen heutigen Namen trägt das Schloss nach Graf Koloman Hunyadi, dem es gemeinsam mit seiner Gattin Alexandrine von 1876 bis 1901 gehörte. Damals erlebte es seine Blütezeit. Hunyadi war kaiserlicher Oberzeremonienmeister. Er veranstaltete hier rauschende Feste, bei denen auch Erzherzog Franz Ferdinand zu Gast war. Nach Hunyadis Tod gelangte das Schloss über Julie Gräfin Boos-Waldeck 1913 an Adalbert Freiherr von Lanna. Der Abstieg begann mit dem Ersten Weltkrieg. Ab 1930 war in den ehemaligen Stallungen eine Keks- und Teigwarenfabrik untergebracht. In den Seitenflügeln hatte sich eine Fremdenpension etabliert. Die Teigwarenfabrik bestand bis 1955. Danach gab es Überlegungen das Schloss völlig für industrielle Zwecke zu nutzen. 1961 erwarb die Gemeinde Maria Enzersdorf den bereits vernachlässigten Bau und auch den ebenfalls von Zerstörung bedrohten Schlosspark. 2004 erfolgte eine Generalrenovierung. Das Schloss dient heute als Veranstaltungszentrum der Gemeinde. Seine Repräsentationsräume können für Ausstellungen, Empfänge und Seminare gemietet werden. Besonders beliebt sind Hochzeiten im Schloss. Die Räume des zweiten Stocks sind an ein internationales Institut vermietet.

Die dreiflügelige spätbarocke Schlossanlage umschließt an der Straßenseite einen nach Osten zu offenen Ehrenhof. Die dortige dreigeschossige Hauptfront ist im Gegensatz zu den eher schlicht gehaltenen, neunachsigen, zweigeschossigen Seitenflügeln aufwändig gestaltet. Dieser fünfachsige Mitteltrakt zeigt über dem Portal einen Balkon, auf den eine hohe Rundbogentür führt. Sie wird durch ein Putzfeld und eine geschwungene Verdachung zusätzlich betont. Die Mittelachse der beiden Obergeschosse wird von zwei Pilastern gerahmt, die einen Dreieckgiebel tragen. Die Fenster des ersten Stocks sind wesentlich höher als jene des zweiten Obergeschosses. Im genuteten Erdgeschoß findet man durchwegs Rundbogenfenster. Alle Fenster sind mit grünen Holzläden versehen, die dem Gebäude sein charakteristisches Aussehen geben. Zwei Gaupen mit runden Luken beleben das gebrochene Mansarddach. Durch eine breite Einfahrt gelangt man in den parkartig gestalteten Garten. Die Gartenfassade hat einen dreiachsigen dreigeschossigen Mittelteil und seitlich je einen Anbau mit großen Dachfenstern. Ein Balkon in der Mittelachse des ersten Obergeschosses wird von zwei hermenartigen Pfeilern getragen. Im hohen, mit Stuck verzierten Treppenhaus führt eine geschwungene Treppe zu den Gesellschaftsräumen im ersten Stock. Der repräsentative Mittelsaal weist reichen Rokokostuck auf. Der rechte Seitenflügel beherbergt die zweistöckige Schlosskapelle. Ihr Deckenfresko stellt die Verherrlichung Marias dar. Der Maler ist unbekannt. Eine Bergl-Zuschreibung ist eher fraglich. Auch hier sind Wände und Decken reich mit Stukkaturen geschmückt. Der mit Rocaillen verzierte Hochaltar zeigt über dem Tabernakel in einem Glasschrein eine Madonnenskulptur mit Kind. Die beiden Nischenstatuen des Hl. Josef und des Hl. Nepomuk sind mit 1752 bezeichnet. Im Erdgeschoß des linken Seitenflügels war der Pferdestall untergebracht. Es ist dies eine asymmetrische zweischiffige Pfeilerhalle. Einige Nebengebäude, wie das Pförtnerhäuschen und die Wagenremise wurden in den 60er-Jahren des 20. Jh. abgerissen, um Platz für Autoabstellplätze zu schaffen.

Lage: Niederösterreich/Wienerwald – 2344 Maria Enzersdorf, Schlossgasse 6

Besichtigung: meist nur von außen möglich, bei Veranstaltungen ist auch das Innere zugänglich

Homepage: www.traumhochzeit.at/hunyadi


Weitere Literatur:


11.10.2005