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Palais Bartolotti-Partenfeld


Das Palais Bartolotti-Partenfeld ist das einzige am Graben verbliebene Barockhaus. Es ist sowohl im Äußeren als auch im Inneren eher bescheiden gehalten und ähnelt mehr einem bürgerlichen Wohnhaus als einem Adelssitz. Im Gegensatz zu den meisten Palais ist an der Fassade die Beletage architektonisch nicht besonders hervorgehoben. Außerdem fehlen andere wichtige Merkmale eines Barockpalastes, wie ein repräsentatives Vestibül oder eine Prunktreppe. Dies deutet darauf hin, daß es eher als Mietpalais gedacht war. Die zehnachsige, viergeschoßige Hauptfront liegt in der Dorotheergasse. Sie weist einen flachen vierachsigen Mittelrisalit auf. In den Mittelachsen der schräg zurückweichenden Flügel liegen die beiden Portale. Sie werden durch die sich nach unten verjüngenden Pilaster mit ihren schönen Kapitellen und die von Putten flankierten Wappen über den Torbögen betont. Die Fassade am Graben ist lediglich vierachsig aber fünfgeschoßig, wobei das oberste Stockwerk erst später aufgesetzt wurde. In einer Fassadennische des Hauptgeschoßes steht eine barocke Marienfigur aus der Erbauungszeit. Die beiden Fassaden werden über dem genuteten Sockelgeschoß hauptsächlich durch die Fensterdekorationen gegliedert. Im Treppenhaus steht eine große Barockfigur des hl. Johann Nepomuk aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Auf dem Grundstück des ehemaligen Palais wird bereits 1364 die Apotheke des Heinrich von Eßlingen urkundlich erwähnt. 1446 gehörte das Haus Vinzenz Hackenberger. Es besaß im Mittelalter für Festlichkeiten geeignete Räume. So veranstaltete König Ladislaus hier 1456 ein Tanzfest und zwei Jahre später Kaiserin Eleonore einen großen Ball. Als 1465 Herzog Sigmund von Tirol in Wien ein Turnier abhielt, bewirtete die Stadt hier die anwesenden Damen mit "Wein und Semmeln". 1520 befand sich das Gebäude im Besitz von Dr. Fürst, dem späteren Bürgermeister von Wien. Von 1704 bis 1735 gehörte es der Familie Bartolotti, Freiherren von Partenfeld. Sie stammte aus Venetien und wurde 1729 in den Grafenstand erhoben. Das Palais in seiner heutigen Form entstand um 1720 nach Plänen von Johann Lukas von Hildebrandt. Bauführer war Franz Jänggl, der bereits mehrere Bauten Hildebrandts errichtet hatte. Bauherren waren die Brüder Johann Paul und Johann Karl Bartolotti von Partenfeld. Sie betrieben Bank- und Handelsgeschäfte und gehörten zu den Geldgebern des Kaiserhauses. Johann Karl war außerdem Salzoberamtmann in Niederösterreich. Durch den Bankrott des Bankhauses Hauzenberger verloren die Brüder 1736 den Großteil ihres Vermögens. Schon ein Jahr zuvor erwarb Matthias Weißenböck das Palais, das er 1749 Anna Maria Pilgram vererbte. Deren Familie blieb nun längere Zeit im Besitz des Hauses. 1766 gehörte es dem kaiserlichen Astronomen Dr. Anton Pilgram, dem Schöpfer der "Bauernregeln". Von 1824 bis 1967 befand sich im Gebäude das Herrenmodegeschäft Josef Prix. Das Palais gehört heute der Firma "Zur Brieftaube" und ist zum Teil vermietet.

Lage: 1010 Wien, Dorotheergasse 2-4/Graben 11


Weitere Literatur:


24.08.2002