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Alt-Pernstein


Pillung von Pernstein ist der erste seiner Familie, der urkundlich fassbar ist. Er war ein Ministeriale der steirischen Ottakare und bekleidete das Amt eines Untervogtes über das Stift Kremsmünster. Zwischen 1170 und 1200 wird er mehrfach genannt. Die Burg dürfte aber deutlich älter sein und auf eine romanische Kleinburg zurückgehen. Möglicherweise befand sich hier bereits im 11. Jahrhundert eine Wehranlage zum Schutz vor Einfällen aus dem Osten. Der Name Pernstein dürfte von Bärenstein abgeleitet sein, da die Herren von Pernstein einen braunen Bären im gelben Feld als Wappen führten. Auf sie folgte über Heinrich von Grafenstein (1222) die Familie der Truchsen, denen es gelang, das bisherige Lehen in freies Eigen umzuwandeln. Dieses wurde 1337 vom Landeshauptmann Eberhard von Wallsee käuflich erworben. Er stiftete um 1340 die Burgkapelle. 1394 saß auf Pernstein Hans von Liechtenstein, herzoglicher Hofmeister zu Wien. Als er bei seinem Herrn in Ungnade fiel, wurde er mit seiner Familie in seiner eigenen Burg gefangen gehalten. Seine Güter wurden 1398 konfisziert. Das nun landesfürstliche Pernstein war im 15. und 16. Jahrhundert meist Pfandobjekt. Zuerst besaß es Reinprecht II von Wallsee (bis 1422), später Kaspar von Volkendorf (1493 – 1497) und schließlich ab 1529 Hillebrand Jörger. Unter Helmhard Jörger, dem Erblandhofmeister ob der Enns und Hofkammerpräsidenten, wurde die alte Burg in den Jahren 1578 bis 1582 zum repräsentativen Renaissanceschloss ausgebaut. Er errichtete einen neuen Wohntrakt und erweiterte die kleine gotische Anlage beträchtlich. 1582 bekam Pernstein ein eigenes Landgericht.

1620 verlor der am protestantischen Adelsaufstand gegen den Kaiser führend beteiligte Karl Jörger seinen gesamten Besitz, zu dem neben Pernstein auch Scharnstein gehörte, durch Enteignung. Er starb drei Jahre später als Gefangener in der Festung Oberhaus in Passau. Die Burg gelangte an den durch die blutige Niederschlagung des oberösterreichischen Bauernaufstandes berüchtigten bayerischen Statthalter von Österreich ob der Enns, Adam Graf Herberstorff. Er hielt sich aber nur selten hier auf, da er sein Schloss Ort bei Gmunden bevorzugte. Seine Witwe verkaufte Pernstein 1630 dem Stift Kremsmünster, dem es auch heute noch gehört. Dieses ließ wegen der drohenden Türkengefahr gegen Ende des 17. Jh. die Wehrhaftigkeit der Anlage durch den Ingenieur Le Maitre verbessern. Die zusätzlichen Wehreinrichtungen bestanden aber hauptsächlich aus Palisaden sowie Spanischen Reitern und wurden glücklicherweise vom Feind nie getestet. Die Verwaltung der Herrschaft erfolgte durch Pfleger. 1692 wurde der Verwaltungssitz in das verkehrsmäßig günstiger im Tal gelegene Neu-Pernstein verlegt. Sechs Jahre später wurde Alt-Pernstein, wie die Burg nun genannt wurde, durch Blitzschlag und Brand schwer beschädigt. Danach musste der Bergfried wegen Baufälligkeit bis unter die Dachtraufe abgetragen werden. Wenn auch die Burg, die ihre Aufgaben längst verloren hatte, in den folgenden Jahrhunderten nicht sehr gepflegt wurde, wurde sie doch nie zur Ruine. Meist war sie von Jagdpersonal bewohnt. 1851 wurde die Burgkapelle profaniert. 1946 verpachtete Kremsmünster Alt-Pernstein an die Diözese Linz, die es in den Jahren 1948 bis 1957 restaurieren ließ und seither als katholisches Jugendheim benützt.

Die gut erhaltene Burg liegt auf einem Felsvorsprung hoch über dem Kremstal und ist an drei Seiten durch die teilweise senkrecht abfallenden Felsen geschützt. Ihre umbaute Fläche beträgt 1930 m². Diese musste allerdings zuvor erst durch Abgraben künstlich gewonnen werden. Bemerkenswert an der Burg ist das völlige Fehlen von Verteidigungseinrichtungen, wie Kanonentürme, Zinnen und Schießscharten. Sie weist auch – wohl geländebedingt - weder einen Zwinger noch eine Vorburg auf. Der lang gestreckte viergeschossige Hauptbau trägt ein steiles Satteldach. Seine zahlreichen Fenster weisen darauf hin, dass zur Zeit seiner Erbauung bereits das Wohnbedürfnis im Vordergrund stand und man die Schutzfunktion etwas vernachlässigen konnte. Im Osten springt der zweigeschossige Torbau deutlich vor. In seinen Untergeschossen waren fensterlose Verliese eingerichtet, zu denen ein verwinkeltes Treppensystem führt. Zur Zeit der Hexenprozesse waren hier einige „Zauberer“ untergebracht. Das wuchtige Renaissancetor ist mit einer Rustika-Umrahmung versehen. Der Torflügel ist mit Blech, das angeblich von alten Harnischen aus dem 17. Jh. stammt, beschlagen. Das Tor kann nur über eine mächtige dreibogige Brücke erreicht werden. Sie überspannt eine als Burggraben dienende Felsschlucht. Vor 1740 befand sich an ihrer Stelle eine Holzkonstruktion, deren letzter Teil als Zugbrücke ausgebildet war. Für die neue Brücke benutzte man das Steinmaterial der Obergeschosse des eingestürzten Bergfrieds.

Der winzige Burghof aus der Zeit der Frührenaissance wurde später mehrfach umgebaut. Der Steinmetzmeister Jakob Provin aus Spital am Pyhrn schuf 1607 den hübschen rotmarmornen Wandbrunnen. Die Schlosskapelle liegt über dem inneren Teil der 11 m langen tonnengewölbten Durchfahrt. Sie ist ein zweijochiger gewölbter Raum, der 1626/29 unter Adam Graf Herberstorff mit reichem Stuck ausgestattet wurde. Am Altar steht eine Kopie der sog. Pernsteiner Madonna. Das Original aus dem späten 15. Jahrhundert wird aus Sicherheitsgründen im Stift Kremsmünster verwahrt. Im Altarraum ist das Wappen von Adam Graf Herberstorff und seiner Gemahlin Maria Salome von Preysing zu sehen. An die halbkreisförmige Apsis der Kapelle schließt der Turmstumpf des trapezartigen, aber weitgehend verbauten Bergfrieds an. Er ist als solcher von außen nicht mehr zu erkennen. Im ersten Stock des Haupttraktes liegt der 11 m lange und 8 m breite Rittersaal. Seine schwarzbraune Balkendecke vom Ende des 18. Jahrhunderts wurde angeblich mit Stierblut eingelassen, um ihre Haltbarkeit zu erhöhen. Im dritten Stock lag die ehemalige Rüstkammer. Die Räume des Torturmes dienen heute vorwiegend als Gaststätte, während der Hauptbau vom Jugendheim genutzt wird. Die Burg wird von einem, dem Tor gegenüber liegenden Berghang überhöht. Dieser musste daher mit einem Rundturm gesichert werden. Er ist der einzige Teil der gesamten Anlage, der im Laufe der Zeit ruinös wurde. Ein weiterer, kleinerer, viereckiger Turm diente dem Schutz der Brücke und des Tores. Der an der Brücke vorbeiführende Karrenweg konnte durch ein einfaches, heute nicht mehr vorhandenes Tor gesperrt werden.

Lage: Oberösterreich/Alpenvorland – ca. 6 km südöstlich von Kirchdorf/Krems

Besichtigung: Teile der Burg können täglich (außer Montag) von 09.00 bis 18.00 frei besichtigt werden. Sonntags sind Führungen nach Voranmeldung möglich.


Weitere Literatur:


01.07.2005