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Admontbichl


Das Benediktinerstift Admont war bereits seit etwa1160 im Gebiet um Obdach begütert. 1367 wurde von ihm der Mereinhof zu Pichl, das heutige Admontbichl, erworben. Es diente in der Folge als Verwaltungssitz des admontischen Herrschaftsbereiches in dieser Gegend. Der Ansitz wurde befestigt und bei Gefahr als Zufluchtsort für die Zivilbevölkerung bestimmt. Zu den Verwaltern bzw. Pächtern zählten im 15. und 16. Jahrhundert die Kainacher, Gallenberger, Zach und Goltschän. Zur Grundherrschaft gehörten ausgedehnte Waldgebiete, in denen im großen Ausmaß Holzkohle produziert wurde, die an die Hüttenwerke im benachbarten Kärnten geliefert wurden. Ab 1530 ließ Daniel Ritter von Gallenberg im Auftrag des Stiftes das Schloss zu seinem heutigen Umfang ausbauen. Damals entstanden die Kapelle und eine vorgelagerte Bastei. Gallenberg galt als Bauernschinder, da er seine Untertanen über Gebühr belastete und deren Getreideabgabe willkürlich erhöhte, um die Baukosten in den Griff zu bekommen. Als Baumeister und Steinmetzen sind Hans de la Porta, Bernard de Novo und Meister Thomas Püchler aus Knittelfeld überliefert. Der Maler Veit von Seckau schmückte das Sommerhaus mit Wandgemälden. Um 1662 erfolgte eine Modernisierung des Schlosses. Nach dem großen Ortsbrand von Obdach im Jahr 1599 wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts das Landgericht nach Admontbichl verlegt. In dieser weltabgeschiedenen Gegend hielt sich der Hexenglaube besonders lange. 1676 wurde eine Frau wegen Zauberei vom Landgericht zum Feuertod verurteilt. 1694/95 verloren mehrere Personen als Wolfsbanner ihr Leben. Sogar noch 1841 musste sich der Landrichter mit einem Geisterprozess beschäftigen, der aber kein Opfer mehr forderte. 1748 richtete ein Brand schwere Verwüstungen an. Derzeit gehört das Schloss noch immer dem Stift Admont, das hier eine Forstverwaltung untergebracht hat, doch ist es bereits zum Verkauf ausgeschrieben.

Das Renaissanceschloss liegt auf einer bewaldeten Anhöhe oberhalb des zu Obdach gehörenden Ortsteiles Rötsch. Es ist ein zweistöckiger, stark gegliederter Bau, vor dem einige Wirtschaftsbauten stehen. Das Schloss hat seinen einst wehrhaften Charakter längst verloren, wenn auch noch Reste der Ringmauer und des einst tiefen gemauerten Grabens vorhanden sind. Von den seinerzeitigen drei runden Ecktürmen existiert nur mehr einer, da die beiden Türme des Nordtraktes beim Brand von 1748 so schwer beschädigt wurden, dass sie anschließend abgetragen werden mussten. Die einzelnen Trakte umschließen einen kleinen rechteckigen Innenhof. Dem Erdgeschoß des Osttraktes sind hier Rundpfeilerarkaden vorgelagert, denen im Obergeschoß verdoppelte schlankere Säulenarkaden entsprechen. Auch der erste Stock des Südtraktes ist mit Säulenarkaden versehen. Der 1639 gegrabene Ziehbrunnen ist noch erhalten. Die Außenfassaden sind durch breite Putzbänder sowohl horizontal, als auch vertikal gegliedert. Über dem einfachen Rundbogentor springt ein mit einem Zeltdach ausgestatteter Erker vor. Daneben ist eine Sonnenuhr angebracht. Die Einfahrt weist ein einfaches Stichkappengewölbe auf. Bemerkenswert ist der quadratische Gerichtssaal im Inneren des Südtraktes.

Lage: Steiermark/Murboden – nordwestlich des Marktes Obdach (ca. 15 km südlich von Zeltweg)

Ort/Adresse: 8742 Obdach

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


26.06.2005