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Thinnfeld


Bauherr des Schlosses war Ferdinand Joseph von Thinnfeld. Er ließ zwischen 1761 und 1764 am Fuß des Kirchbichls von Deutschfeistritz den hübschen Bau nach Plänen des Grazer Architekten Joseph Hueber sowie nach eigenen Entwürfen erbauen. Am Gipfel des Hügels stand im 12. Jh. die Burg der Hochfreien von Feistritz, die im 13. Jh. von der St. Martinskirche abgelöst wurde. Die Thinnfelds waren eine reiche steirische Gewerkenfamilie, die mehrere Eisenhämmer in Deutschfeistritz, Waldstein und Übelbach besaß. 1731 wurden Anton Balthasar und Josef Ferdinand Thinnfeld in den Adelsstand erhoben. Ferdinand Joseph von Thinnfeld durfte sich ab 1767 mit dem Prädikat „Edler Herr von Thinnfeld“ schmücken. Sein 1793 geborener Enkel, Ferdinand Freiherr von Thinnfeld, war Minister für Ackerbau und Bergbau des jungen Kaisers Franz Joseph. Er war u. a. an der Ausarbeitung der Verfassung von 1849 beteiligt. Auf ihn geht auch die Gründung der Geologischen Reichsanstalt in Wien zurück. Das Schloss blieb bis 1871 bei der Familie, wurde dann aber wegen der hohen Schulden, die auf der Herrschaft lasteten, versteigert. Es gelang jedoch einer Tochter Ferdinands, die mit dem Wiener Zahnarzt Dr. Moritz Heider verheiratet war, den Besitz zu erwerben. Beider Sohn, Prof. Dr. Karl Heider (1856 – 1935), war ein anerkannter Zoologe, der an der Berliner Universität lehrte. Schloss Thinnfeld ist noch in seiner ursprünglichen Form erhalten. Zwar wurde es in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg stark vernachlässigt, doch wurde es ab den 70er Jahren des 20. Jh. behutsam restauriert, so dass es wieder zu den schönsten Rokokoschlössern der Steiermark zählt. Thinnfeld gehört heute der Familie Steinklauber.

Das von einem Park und Garten umgebene Schlösschen ist ein einstöckiger Rechteckbau, an den vier einachsige Eckpavillons angebaut sind. Dazwischen springt die siebenachsige Gartenfront leicht zurück, während an der abgerundeten Eingangsseite die beiden Pavillons stärker vortreten. Das Haupthaus wird von einem hohen Satteldach überragt. Die Eckpavillons tragen abgewalmte Mansardendächer. Über dem Eingangstor ist das Wappen der Familie Thinnfeld angebracht. Die Fassade wird horizontal durch umlaufende Gesimse zwischen den beiden Geschossen gegliedert. Der dreiachsige Mittelrisalit der Gartenfront ist von einem dreieckigen Giebel gekrönt, der in seinem Feld ein stuckgeschmücktes Zierfenster zeigt. Auch über den Oberstockfenstern des Mittelrisalits erkennt man Stuckzierrat. An der Innenausstattung des Schlosses haben die besten steirischen Rokokokünstler mitgearbeitet. Die Stuckdecken wurden von Heinrich Formentini 1764 gearbeitet. Die mythologischen Deckenmalereien sowie die bemalten Wandbespannungen stammen von Josef Adam von Mölck und dürften zwei Jahre später entstanden sein. Besonders schön ist der dreiachsige zentrale Gartensaal. Seine Decke zeigt Bacchus, Ceres sowie Venus und Vulkan. Die anschließenden Räume sind ähnlich ausgestattet. An der Decke eines Nebenzimmers findet man ein Fresko mit Apollon und Daphne. Kachelöfen und Porträts ehemaliger Schlossherren aus der Familie Thinnfeld vervollständigen das Interieur. Die der Hl. Dreifaltigkeit geweihte Kapelle liegt in einem der gartenseitigen Eckpavillons. Sie birgt eine von Veit Königer 1768 geschnitzte Kreuzigungsgruppe.

Lage: Steiermark/Graz-Umgebung – inmitten der Gemeinde Deutschfeistritz

Ort/Adresse: 8121 Deutschfeistritz

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


16.04.2005