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Grades


Obwohl die Burg möglicherweise wesentlich früher entstand, wird sie erst 1285 urkundlich erwähnt. Ihr Name kommt vom slawischen grad (Burg). Bodenfunde zeigen aber, dass der markante Felsen schon von den Römern zur Verteidigung genutzt wurde. Man glaubt, dass hier unter Bischof Heinrich I von Gurk um 1173 eine erste Burg erbaut wurde. Manche Historiker nehmen aber an, dass die Burggrafen bis 1326, als Bischof Gerold eine neue Burg erbauen ließ, in einem Turm im Ort saßen. Sie waren Ministeriale und Truchseße der Gurker Bischöfe. Seit 1301 war Grades auch Sitz eines Landgerichtes. Aufgabe der Burg war es, in Kriegszeiten das hier sehr enge Tal zu sperren. Daneben war sie auch Verwaltungszentrum des zu Gurk gehörenden Metnitztales. 1401 kam es zwischen Bischof Johann von Gurk und Wenzel dem Hofstetter zu einer Fehde, wobei letzterer die Burg angriff und den Ort in Brand steckte. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde die Feste um- und ausgebaut. 1447 wird Hans Staudacher als Pfleger erwähnt. Seine Nachkommen stellten bis 1519 die Pfleger. 1474 wird Grades, das heute noch einen burghaften Eindruck macht, erstmals als Schloss bezeichnet. Der heutige Bau stammt aber vorwiegend aus dem 17. und 18. Jahrhundert, als er ab 1617 weitgehend erneuert wurde. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts diente er als Seidentapeten- und Tuchfabrik. Schloss Grades, das nie als Lehen vergeben wurde, blieb bis zum Ende des 20. Jh. im Besitz des Bistums und wurde zuletzt zeitweise als Erholungsheim für Kinder verwendet. Mit den Ausgaben für den baulichen Erhalt wurde aber gespart. 1961 konnte die Kapelle gerade noch vor dem drohenden Einsturz bewahrt werden. Ihr weiterer Verfall war aber nicht aufzuhalten. Nach 800 Jahren ging die Anlage in Privatbesitz über. Sie könnte eine baldige Restaurierung durchaus vertragen.

Das Schloss liegt unterhalb des gleichnamigen Marktes auf einem steilen Felshügel über dem Mettnitz-Bach. Es wird durch starke Pfeiler vor einem Abrutschen bewahrt. Von außen macht der gedrungene Bau einen abweisenden Eindruck. Der dem Ort zugewandte Halsgraben wird von einer Holzbrücke überspannt. Dahinter umschließt eine niedrige Mauer das gesamte Areal. Die Jahreszahl 1661 über dem Eingangstor im Westen weist auf die Fertigstellung des Umbaues von der Burg zum Schloss hin. Das dazugehörige bischöfliche Wappen ist jenes von Guidobald Graf Thun. Trotz der damaligen Barockisierung blieben die Schießscharten unter dem Dachgesims erhalten. Im rechteckigen Burghof sind Wappenfresken aus dem 17. Jh. zu erkennen. Die Türen und Fenster der ihn umgebenden Gebäude sind zum Teil spätgotisch profiliert. Während der Nordtrakt dreigeschossig ist, sind die übrigen Bauten nur zweigeschossig. In der Mitte des Ostflügels steht der mit einem barocken Zwiebelhelm gedeckte Eingangsturm. In sechs Sälen des Hauptgeschosses finden sich bemerkenswerte Deckenstukkaturen aus dem ersten Drittel des 18. Jh. Sie könnten von Kilian Pittner stammen. Das Deckengemälde Esther beim Mahle im Hauptsaal wurde in den Jahren 1750/60 vermutlich von Josef Ferdinand Fromiller geschaffen. In der nordöstlichen Ecke des Schlosses liegt die freistehende ehemalige Kapelle. Sie wird 1530 erwähnt und war ursprünglich den Heiligen Benedikt und Bernhard geweiht. Bei ihren Laub- und Bandlwerkstukkaturen könnte es sich ebenfalls um ein Werk Pittners handeln. Beachtung verdient auch die alte Burgküche mit ihrem offenen Herd.

Lage: Kärnten/Bezirk St. Veit – ca. 23 km westlich von Friesach

Ort/Adresse: 9362 Grades

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


23.12.2004