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Vöstenhof


Die „Feste zum Hof“ gehörte im Mittelalter den Stüchsensteinern als freies Eigen. Der Zeitpunkt ihrer Erbauung ist unbekannt. Ob der 1249 erwähnte Perhardus de Houe mit Vöstenhof in Verbindung gebracht werden kann, ist nicht gesichert. 1381 verkaufte Albero Stuchs von Trautmannsdorf das Feste Haus an Herzog Albrecht III. Es hatte keine große militärische Bedeutung und diente in erster Linie als Verwaltungsmittelpunkt. 1387 wurde Johann von Liechtenstein durch den Landesfürsten mit der Herrschaft belehnt. Bald wurde sie aber wieder von landesfürstlichen Pflegern verwaltet. Erst 1483 scheint als neuer Lehensträger ein Martin Neidegger auf. Seine Familie saß bis in das 16. Jahrhundert hinein auf dem „Hof“, der damals als Hoff zu Neydeckh bezeichnet wurde. 1592 erwarb Hieronymus Wurmbrand um 13.000 Gulden die kleine Burg. Er war Erbküchenmeister der Steiermark. Dieses Amt hatten die Wurmbrand seit 1400 inne. Hieronymus ließ um 1597 das heutige Renaissanceschloss errichten. Zwischen 1621 und 1912 befand sich Vöstenhof im Besitz der Grafen Hoyos. Diese überließen es zu Beginn des 19. Jahrhunderts dem Verfall, der erst 1894 aufgehalten werden konnte, als der Architekt Julius Deininger mit Restaurierungsarbeiten betraut wurde. In den Jahren 1910/12 fanden umfangreiche Umbauten statt, wobei u. a. der Bergfried erhöht und die Fassaden zum Teil erneuert wurden. Bald danach gelangte das Schloss an die Fürsten Schwarzenberg und dann im Erbweg an die Familie Czernin. General Emil Graf Spannocchi, der damalige Armeekommandant des österreichischen Bundesheeres und Schlossherr von Vöstenhof, war mit einer Gräfin Czernin verheiratet. Nach seinem Tode verkaufte seine Witwe 1984 das Schloss an den Industriellen Peter Max, der in den letzten Jahren das Gebäude mit großem Aufwand restaurieren ließ. Schloss Vöstenhof macht nun nach Abschluss der Arbeiten einen etwas zu „neuen“ und überrestaurierten Eindruck. Es wird in erster Linie Wohnzwecken dienen.

Das relativ große Gebäude liegt auf einer leichten Anhöhe etwas außerhalb der gleichnamigen Ortschaft. Es ist eine nahezu quadratische Anlage, der eine ausgedehnte – heute gärtnerisch gestaltete – Vorburg vorgelagert ist. Diese wird in der Literatur gerne als „Waffenplatz“ bezeichnet, was immer das bedeuten soll. Als Turnierhof war sie sicher nicht geeignet. Von den einstigen Bauten der Vorburg hat sich nichts erhalten. Die gesamte Anlage ist noch teilweise von einer Ringmauer mit Eckbastionen umgeben. Der Zugang erfolgt durch eine rundbogige Durchfahrt im einstöckigen Torturm. Dieser sowie auch andere Teile der Bausubstanz waren im 19. Jahrhundert mehr oder weniger ruinös, wurden aber 1910/12 wieder aufgebaut. Über den trockenen Graben führt eine Steinbrücke zum einfachen Rundbogenportal des vierflügeligen Schlossgebäudes. In die davor befindliche Mauer wurde anscheinend etwas willkürlich ein Renaissanceportal mit Fußgängerpforte eingebaut. Der auf zwei toskanischen Säulen aufsitzende Architrav zeigt eine Inschrift, die sich auf den Bauherrn bezieht und die Jahreszahl 1593. Das ganze Portal dürfte auf die Restaurierung von 1910/12 zurückgehen.

In der Westecke des Nordtraktes steht der Hauptturm, wohl im Kern der Bergfried der mittelalterlichen Burg. Er trägt ein Zeltdach. Sein Erdgeschoß ist kreuzgratgewölbt. Das oberste Geschoß des ansonsten weitgehend fensterlosen Baues wird durch je drei schmale Lichtöffnungen beleuchtet. Das große außen aufgemalte Wappen ist eine Zutat des 21. Jahrhunderts. Die Fassade des Nordtraktes ist hofseitig mit zwei Reliefs aus dem 17. Jh. geschmückt. Am Westtrakt springt im Innenhof der Kapellenchor deutlich vor. Daneben wurde 1910/12 eine Außentreppe angebaut. Die Kapelle, deren unregelmäßiges Quadermauerwerk auf eine Erbauung im 13. Jahrhundert hindeutet, ist ein schmaler zweijochiger Bau, der über zwei Geschosse reicht. Ihr Kreuzrippengewölbe stammt erst aus dem 16. Jh. Ansätze eines älteren Gewölbes sind im Dachstuhlbereich sichtbar. Das reich geschnitzte Kirchengestühl wurde im 16. Jh. angefertigt. Bei einem Teil der Schnitzarbeiten handelt es sich um Ergänzungen des 19. Jh. Die Glasmalerei ist mit 1938 signiert. Der Südtrakt zeigt im Erdgeschoß verglaste Rundbogenarkaden, hinter denen sich ein Gang mit Kreuzgratgewölbe befindet. In einer Rundbogennische des Osttraktes ist ein mit 1594 bezeichneter Brunnen eingebaut. Daneben liegt der Zugang zur Hauptstiege. Die Räume der Beletage, wie Speisesaal, Salon und Bibliothek, wurden Ende des 19. Jahrhunderts bzw. 1910/12 neu gestaltet und mit Vertäfelungen, Deckenstuck und neuen Kaminen ausgestattet. Im Erdgeschoß der Südwestecke befindet sich der Felsenkeller. Darüber liegt die zwei Geschosse einnehmende Große Halle mit einer Innentreppe. Auch ihre Holzvertäfelung wurde 1910/12 angebracht.

Lage: Niederösterreich/Alpenvorland – ca. 2 km nordwestlich von Pottschach

Ort/Adresse: 2630 Ternitz

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


21.11.2004