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St. Veit - Herzogsburg


St. Veit dürfte sich ursprünglich im Besitz des Bistums Bamberg befunden haben, das hier einen Wirtschaftshof unterhielt. Der Name St. Veit wird in einer – allerdings gefälschten – Urkunde von 1131 erstmals erwähnt. Bald danach gelangte der Ort mit der kleinen Burg an die Grafen von Sponheim (Spanheim). Als diese um 1170 Herzoge von Kärnten wurden, bevorzugten sie als Residenz zuerst vorwiegend die nahe gelegene Burg Freiberg und hielten sich im damaligen Markt nur gelegentlich auf. Erst Herzog Bernhard (1202 – 1256) ließ die Burg zu St. Veit großzügig ausbauen. Als Schwiegersohn von König Przemysl Ottokar I von Böhmen unterhielt er eine prächtige Hofhaltung. Zu seinen Gästen zählte neben anderen Minnesängern auch Walter von der Vogelweide. In der herzoglichen Münze zu St. Veit wurden 1220 die ersten Münzen mit deutscher Inschrift in den österreichischen Alpenländern geprägt. Von manchen Historikern wird allerdings bezweifelt, dass es sich bei der Herzogsburg um die romanische Residenz der Sponheimer Herzöge gehandelt hat, da damals die Stadt noch auf den Bereich des Oberen Platzes beschränkt war. Sie vermuten eher im gegenüberliegenden Haus den Nachfolgebau der alten Residenz.

Als 1286 Meinhard II Graf von Görz/Tirol Herzog von Kärnten geworden war, regierte er das Land von Tirol aus, was viele Kärntner Adelige, aber auch die Bürger von St. Veit, der damaligen Landeshauptstadt, gegen ihn aufbrachte. Ulrich Graf von Heunburg setzte sich 1292 an die Spitze der Unzufriedenen und nahm Ludwig, den Sohn des Herzogs, der in St. Veit residierte, gefangen. Ulrich schickte seinen zweiten Sohn Otto nach Kärnten, der den Aufstand niederschlug, die Rädelsführer an Pferden gebunden durch die Stadt schleifen und am Hauptplatz vierteilen ließ. Bei den Kämpfen um St. Veit wurde auch die Herzogsburg schwer beschädigt. Von 1335 bis 1918 stellte das Haus Habsburg die Herzöge von Kärnten, wodurch Stadt und Burg den Status einer Residenz verloren. Der verheerende Stadtbrand von 1374 zerstörte auch große Teile der Burg, ebenso eine weitere Feuersbrunst im Jahr 1497. Zwei Jahre später ließ Kaiser Maximilian I die desolate Anlage als Getreidespeicher verwenden. Zwischen 1523 und 1529 erfolgte unter Erzherzog Ferdinand I der Ausbau zum landesfürstlichen Zeughaus. Seit 1619 ist die Herzogsburg in privaten Händen. 1948 zog in den Osttrakt das St. Veiter Stadtmuseum ein. Da dieses 2004 seine Bestände an einem neuen Standort konzentrierte, ist die Herzogsburg nur mehr anläßlich der Burgkulturtage bzw. von sonstigen Veranstaltungen zu besuchen.

Die hufeisenförmige Burg liegt in der Nordecke der Stadtmauer. Aus der Zeit des Herzogs Bernhard hat sich vielleicht mit Ausnahme des mächtigen fünfstöckigen Bergfriedes kaum etwas erhalten. Dieser ist heute mit einem Pyramidendach gedeckt. Sein Inneres wird nur durch einige Schießluken und Lichtschlitze spärlich erhellt. An den quadratischen Turm wurden in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts beidseitig entlang der Stadtmauer Trakte angefügt. Der nordwestliche Flügel weist sieben Fensterachsen auf. Seine Räume sind im Erdgeschoß kreuzgewölbt. Im ersten Stock liegen drei saalartige Räume und darüber ein großer Saal. Hier befanden sich wohl die Magazine für die Geschütze und Handfeuerwaffen des Zeughauses. Der nordöstliche Flügel besaß einst offene Arkaden und einen großen Säulensaal, in dem man im 19. Jahrhundert noch Spuren von Wandmalereien fand. An seiner Außenwand deutet die Jahreszahl 1524 mit dem freskenumrahmten Doppelwappen Österreich/Kärnten auf den Abschluss der Umbauarbeiten zum landesfürstlichen Zeughaus hin. Eine an die Wand des Saalbaues gemalte Sonnenuhr zeigt die Jahreszahl 1529. Der an den nordwestlichen Flügel rechtwinkelig angebaute Wohntrakt besitzt hofseitig einen offenen Stiegenaufgang und in beiden Geschossen kreuzgratgewölbte spitzbogige Laubengänge. Jene des Erdgeschosses werden von derben kurzen Säulen, die des ersten Stocks von Achteckpfeilern gestützt. Im Inneren haben sich noch einige Portale und Fenster mit abgefasten spätgotischen Steingewänden erhalten. Einige Eisentüren stammen noch vom Umbau des 16. Jh. Der große Hof wird zur Burggasse hin von einer Mauer abgeschlossen. Über der Einfahrt ist ein Wappenstein von 1524 mit Bindenschild und Kärntner Wappen angebracht.

Ort/Adresse: 9300 St. Veit an der Glan, Burggasse 9

Besichtigung: Nach dem Auszug des Stadtmuseums ist mit Ausnahme von hier abgehaltenen Veranstaltungen nur mehr eine Außenbesichtigung möglich.


Weitere Literatur:


07.11.2004