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Frauenburg


Die auf einem Felssporn über dem Murtal liegende Frauenburg wurde um 1248 erstmals erwähnt. Ulrich von Liechtenstein hatte sie von seinem in Judenburg lebenden Vater Dietmar als Erbe erhalten. Sie dürfte als Holzburg schon einige Zeit bestanden haben. Ulrich ließ sie als Sperrfeste ausbauen und den von Zinnen gekrönten Wohnturm errichten. Sie war die Lieblingsburg des Minnesängers. Hier schrieb er einen Teil seiner Werke, so den 15.000 Verse und 58 Lieder umfassenden Ritterroman Frauendienst und das lehrhafte Frauenbuch. Er war aber nicht nur Dichter und Minnesänger, sondern auch oberster Landrichter und Landeshauptmann der Steiermark sowie Diplomat und vor allem ein leidenschaftlicher Ritter. Auf seiner großen Turnierfahrt, die ihn 1227 von Venedig bis nach Böhmen führte, verstach er nach eigenen Angaben nicht weniger als 307 Speere und vergab 271 goldene Ringe. 1248/49 wurde Ulrich auf der Frauenburg von seinem eigenen Pächter Pilgrin von Katsch mehr als ein Jahr lang gefangen gehalten. Erst dem Landesfürsten, Graf Meinhard von Görz, gelang es, ihn zu befreien. 1268 verlor Ulrich die Burg an König Ottokar, erhielt sie aber später wieder zurück. 1275 folgte sein Sohn Otto als Eigentümer. 1312 kam die Frauenburg in den Besitz der Judenburger Linie des Hauses Liechtenstein. Rudolf IV von Liechtenstein veranlasste gegen Ende des 14. Jh. die Erweiterung der Anlage. Als 1436 der auf der Frauenburg sitzende Familienzweig ausstarb, erbte der mit den Liechtensteinern verschwägerte Johann III von Stubenberg die Herrschaft. Sie blieb bis 1656 im Besitz seiner Nachkommen. Diese erweiterten die Burg nach Osten hin im gotischen Stil. Ähnlich wie in Hochosterwitz war der Aufgang vom Tal her durch mehrere Tore geschützt. Auch eine Kreidfeuerstation wurde eingerichtet, um vor herumstreifenden Türken und Kuruzzen rechtzeitig warnen zu können. Zur Herrschaft gehörten damals 14 Ortschaften mit über 4.000 Einwohnern. Die neuen Herren lebten aber nicht hier, sondern ließen die Burg von Pflegern verwalten. Die Stubenberger waren aus finanziellen Gründen schon seit 1654 zu Teilverkäufen gezwungen. Schließlich übernahm 1666 Johann Adolf Graf Schwarzenberg den Besitz. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Herrschaftsverwaltung nach Schloss Obermurau verlegt. Danach begann der Verfall der nunmehr unbewohnten Anlage. 1861 brannte die Frauenburg aus. 1952 begann man mit ersten Sicherungsarbeiten, denen später umfangreiche Restaurierungsmaßnahmen folgten. Die Ruine gehört noch heute der Familie Schwarzenberg.

An der höchsten Stelle des ausgedehnten Areals liegt das turmartige feste Haus, das mit seinen über zwei Meter starken Außenmauern noch fast in ganzer Höhe erhalten ist. Der trapezförmige Bau ist vier Geschosse hoch, 16 m lang und zwischen 6 und 10 m breit. Mit einer Nutzfläche von ca. 700 m² gehörte er im 13. Jh. zu den größten Wohntürmen Österreichs. Bemerkenswert ist das gegen das Murtal abfallende Pultdach, das eine Beschießung von der Bergseite her erschweren sollte. Die talseitige Mauer wird in den beiden mittleren Stockwerken von gekuppelten romanischen Rundbogenfenstern durchbrochen. Dahinter befanden sich die Wohnräume Ulrichs von Liechtenstein. Zwei Lichtschlitze im Erdgeschoß wurden später zu Rechteckfenstern erweitert, zwei weitere wurden vermauert. 1962 stürzte die westliche Schmalseite des Turmes ein, wurde aber bald – allerdings in Beton – wieder aufgebaut. Die auf Terrassenstufen gegen Nordosten angebauten ruinösen Trakte wurden im 14. Jahrhundert, aber vor allem im 15. und 16. Jh. von italienischen Baumeistern errichtet. In einem Trakt erkennt man noch die Reste des gotischen Rippengewölbes der 1434 erbauten Martinskapelle. Erhalten sind auch noch zwei Torbauten im Westen und Nordwesten sowie ein Rondell an der Ostseite. Auf der untersten Hangstufe des Burgbereiches steht die ursprünglich romanische, dann aber barock überbaute St. Jakobs-Kirche. In ihr ist ein römischer Grabstein eingebaut, der übermeißelt dem gleichnamigen Enkel des berühmten Minnesängers als Grabdenkmal diente. Er gilt als älteste erhaltene Grabinschrift in deutscher Sprache. Die Kirche war durch Mauern mit der Burg verbunden.

Lage: Steiermark/Murboden – ca. 17 km westlich von Judenburg

Ort/Adresse: 8800 Unzmarkt

Besichtigung: die Ruine ist frei zugänglich


Weitere Literatur:


19.10.2004