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Brunn am Walde


Im 12. Jahrhundert saß hier eine Ministerialenfamilie der Kuenringer, die seit 1114 mehrmals urkundlich aufscheint. 1172 wird Brunn/Walde in der Zwettler Chronik unter den Burgen des Waldviertels erstmals genannt. 1258 wird von einem Dietlo de prunne berichtet. Um 1300 waren die Lichtenegger Burgherren auf Brunn, das aber bereits 1337 an die Neidegger gelangte. 1451 überfiel Leopold von Neidegg den Abt von Niederaltaich, Erhard Reittorner und hielt ihn kurze Zeit in seiner Burg Brunn gefangen. Für diese Missetat musste er schließlich eine Geldstrafe von 4.000 fl bezahlen. 1520 wurde der Besitz der Neidegger in der Familie aufgeteilt. Brunn kam an Wolfgang von Neidegg. Sein Sohn verkaufte die Feste seinem Schwager Ludwig Kirchberger aus Viehofen. Durch Heirat kam sie 1581 an Johann Hartmann von Trauttmansdorff. Dieser ließ drei Jahre später an der Stelle der alten Burg ein wohnliches Wasserschloss im Renaissancestil errichten. Johann Hartmann fiel 1596 im Kampf gegen die Türken. Da die Trauttmansdorff damals eifrige Protestanten waren, wurde Brunn im Dreißigjährigen Krieg von den Schweden verschont, während die katholischen Gutsherren der Umgebung schwere Verluste zu erleiden hatten. Nachdem Adam Max von Trauttmansdorff 1652 zum katholischen Glauben konvertiert war, wurde er 1663 in den Reichsgrafenstand erhoben. Zehn Jahre später erwarb der Generalfeldwachtmeister und Hofkriegsrat Ferdinand Ernst Graf Herberstein die Herrschaften Lichtenau, Allentsgschwendt sowie Brunn/Walde und vereinigte sie in einem Fideikommiß. Brunn wurde Wohnsitz und Verwaltungszentrum des herbersteinschen Besitzes in Niederösterreich. 1792 verkaufte Josef Johann Nepomuk Graf Herberstein die drei Herrschaften an Johann Graf Stiebar, auf den 1803 Anton Edler von Meidl folgte. Der durch eine Heirat reich gewordene k. k. Leutnant Josef Michael von Ehrenfels übernahm 1812 den Besitz. Danach fand eine umfangreiche Renovierung und teilweise Neuausstattung des Inneren im Neobarockstil statt. Während des Zweiten Weltkrieges verkaufte Bernhard Freiherr von Ehrenfels Schloss Brunn an eine schillernde Gestalt der deutschen Zwischenkriegszeit. Korvettenkapitän Hermann Ehrhardt hatte 1919 ein Freikorps, die Brigade Ehrhardt, gegründet und damit erfolgreich den Versuch der kommunistischen Machtübernahme in Deutschland bekämpft. Obwohl rechtsgerichtet, kam er später in Gegensatz zu den Nationalsozialisten und musste sich 1934 nach Österreich absetzen. Er starb 1971. Seine Witwe, Margarethe Prinzessin Hohenlohe-Schillingsfürst, verkaufte Brunn 1976 an Dr. Helmut Mitterbach. Klaus Peter Blümel versuchte ab 1986 im Schloss Wohnungen einzurichten und diese zu vermieten. Der heutige Besitzer, Dr. Erhard Schwanzer, ein Arzt aus Krems, lässt das derzeit leer stehende Schloss gründlich renovieren.

Das Schloss liegt im Osten des Ortes an der Umfahrungsstraße. Es ist von einem Wassergraben umgeben, der sich an der Rückseite zu einem Teich erweitert. Die dreigeschossige Vierflügelanlage wirkt durch die schlichte Fassadengestaltung recht klobig. Alle Fronten weisen einen leicht vorspringenden Sockel sowie eine Putzquaderung an den Kanten auf. Mit Ausnahme eines Bandes unter dem umlaufenden Traufgesims sind die Wände schmucklos. Sie werden lediglich durch die zahlreichen Fenster gegliedert. Die hohen Rechteckfenster des ersten Stocks haben profilierte Steinrahmungen und waagrechte Verdachungen. Aus den hohen, 1999 erneuerten Walmdächern ragen phantasievolle „venezianische“ Schornsteine und einige Dachgaupen hervor. Im Westen führt eine Steinbrücke über den Graben zum Haupttor im Zentrum der Nordwestfront. Das rustizierte Rundbogenportal führt in den kleinen quadratischen Innenhof. Er ist mit drei Steinwappen geschmückt. Der auf dem Vischer-Stich von 1672 abgebildete Turm mit Zwiebelhelm ist nicht mehr vorhanden. Die stichkappengewölbten Räume des Erdgeschosses stammen noch aus der Bauzeit um 1584. In der Nordwest- und der Südostecke führen zwei Treppen in die Obergeschosse. In deren Räumen findet man an den Flachdecken einen bemerkenswert einheitlichen Bandelwerkstuck aus dem 18. Jahrhundert. Die Polychromierung ist zum Teil neueren Datums. Der Westflügel beherbergt im ersten und zweiten Stock über der Einfahrtshalle je einen Saal. Die reiche Stabprofilierung ist dick überputzt. Im Schloss findet man zahlreiche weiß glasierte Rokokoöfen, von denen einige plastisches Dekor wie Doppeladler, Papageien und Trophäen aufweisen. Der an der Nordseite gelegene Garten ist heute völlig verwildert. Seine Umfassungsmauer ist nur noch teilweise erhalten. Im Südwesten des Schlosses liegt die Ruine eines dreigeschossigen Schüttkastens aus dem 18. Jh. Sein Schopfwalmdach ist 1986 eingestürzt. Die sonstigen Wirtschaftsbauten erstrecken sich an der Westseite vor der Grabenbrücke. Im Südosten des Ortes steht die neugotische Gruftkapelle der Freiherren von Ehrenfels.

Lage: Niederösterreich/Waldviertel – ca. 21 km nordwestlich von Krems

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


22.08.2004