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Lichtenau (Waldviertel)


Lichtenau war im Mittelalter ein landesfürstliches Lehen. Ein Konrad von Lichtenau soll angeblich 1101 an einem Kreuzzug teilgenommen und diesen nicht überlebt haben. Urkundlich gesichert ist 1157 Berthold de Lichtenowe, ein Ministeriale der Babenberger. Letzter seiner Familie war Ludwig von Lichtenau, der in Zwettler Urkunden zwischen 1283 und 1305 mehrfach als Wohltäter des Stiftes genannt wird. Ihn dürfte die mit den Lichtenauer verwandte Familie der Lichtenegger beerbt haben. Ab 1429 besaßen die Herren von Jaispitz und Kunstadt die Herrschaft. Jan von Jaispitz versuchte als „Heckenreiter“ aus den Wirren des Vormundschaftsstreites um Ladislaus Posthumus zwischen dem niederösterreichischen Adel und Kaiser Friedrich III Vorteile zu ziehen. 1509 kaufte Leopold von Neidegg das Gut. Er vereinigte es mit seiner Herrschaft Brunn am Walde und ließ es von dort aus verwalten. 1581 gelangte Johann Hartmann von Trauttmansdorff durch Heirat in den Besitz von Brunn und Lichtenau. 1673 kaufte der General-Feldwachtmeister und Hofkriegsrat Ferdinand Ernst Graf Herberstein die beiden Herrschaften. Über Johann Graf Stiebar (1792) kamen sie 1803 an Anton Edler von Meidl. 1812 erwarb sie der durch seine Ehe mit der sächsischen Gräfin Magdalena von Schönburg-Rachsburg reich gewordene k. k. Leutnant Joseph Michael von Ehrenfels. Zu seinen Nachkommen, die auf Lichtenau im 19. Jh. lebten, gehörten der Psychologe und Philosoph Christian Freiherr von Ehrenfels und dessen Tochter, die Schriftstellerin Imma von Bodmershof. Das Schloss ist auch heute noch im Besitz der Familie Ehrenfels. Es dient als Wohnhaus und Zentrum des angeschlossenen Gutsbetriebes.

An die mittelalterliche Burg erinnern fast nur noch die Gräben im Westen, Süden und Osten. Ein unterirdischer Gang zu einer Quelle, die auch den Schlossgraben mit Wasser versorgte, wurde um 1810 verschüttet. Das oberhalb der gleichnamigen Ortschaft gelegene Schloss Lichtenau ist eine zweigeschossige dreiflügelige Anlage um einen unregelmäßigen Hof. Architektonisch ist es nicht sehr bedeutend. Der unregelmäßige Grundriß sowie das Bruchsteingemäuer des Untergeschosses weisen auf ein hohes Alter hin. Die vielleicht noch aus dem 12. Jahrhundert stammenden Gebäude wurden aber im 16. Jh. zum Renaissanceschloss umgebaut. Der Vischer-Stich von 1672 zeigt noch ein drittes Geschoß, das jedoch zu Beginn des 20. Jh. wegen Baufälligkeit abgetragen werden musste. Die Türme erlitten das gleiche Schicksal. Im Westen wird der Hof von einer Mauer abgeschlossen, in der sich auch das Portal aus dem 18. Jahrhundert befindet. An ihrer Stelle dürften sich früher ebenfalls Gebäude befunden haben. In der Südostecke des Hofes wurden 1985 Korbbogenarkaden freigelegt. In der Nordostecke hat sich ein spätgotisches Schulterbogenportal erhalten. Die stichkappengewölbten Keller des Südtraktes gehen möglicherweise auf das 15. Jh. zurück. Die Fassaden sind sehr schlicht und schmucklos gehalten. Hauptfront ist die Nordseite. An zwei Ecken springen mehrseitige Türme bis zur Höhe des Dachgesimses vor. Am geknickten Ostflügel erkennt man in einem rechteckigen Vorbau des Obergeschosses die ehemalige Kapelle. Sie weist im Inneren ein Sterngratgewölbe auf.

Lage: Niederösterreich/Waldviertel – ca. 9 km südwestlich von Gföhl

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


08.08.2004