In Nebersdorf gab es bereits nach 1300 eine Burg, die im 15. Jahrhundert noch in Benützung stand. Ob sie sich an der Stelle des heutigen Schlosses befand, ist jedoch ungewiss. Hier saß im 14. Jh. die Familie Szeged de Mezöszeged. Die Herrschaft lag bis zur Mitte des 15. Jh. in den Händen von Kleinadeligen und war wiederholt das Objekt von Erbstreitigkeiten. Die Burg hatte wehrpolitisch keine Bedeutung und war lediglich Zentrum des Gutsbesitzes. König Matthias Corvinus verlieh 1465 Nebersdorf und Großwarasdorf dem mit ihm verbündeten Benedikt Niczky. Der Ahnherr dieser Familie, der bayrische Ritter Wenzelin von Wasserburg, war bereits 996 in Begleitung der bayrischen Prinzessin Gisela, der Gemahlin König Stefans I, nach Ungarn gekommen. Seit 1329 nannten sich seine Nachkommen nach einem damals erworbenen Besitz Niczky de Niczk. Christoph von Niczky wurde 1765 in den Grafenstand erhoben. Unter Kaiserin Maria Theresia bekleidete er das Amt eines Hofkammerpräsidenten. Er ist auch der Bauherr des heutigen Schlosses. Dieser um 1770 unter Verwendung älterer Bauteile errichtete Bau ist ein gutes Beispiel für jene einst zahlreichen adeligen Landsitze, die nach Abwendung der Türkengefahr im damaligen Westungarn errichtet worden waren. Schloss Nebersdorf blieb bis 1939 im Besitz der Familie, als es ihrem letzten Vertreter, Graf Ladislaus Niczky, von den deutschen Behörden beschlagnahmt und 1944 an die Industriellenfamilie Heller verkauft wurde. Sie veräußerte Schloss und Gut 1952 an die Gemeinde Nebersdorf. Diese ließ die prachtvollen Bäume des Parks schlägern, das Areal parzellieren und an Ortsbewohner verkaufen. Das Schloss blieb dem Verfall überlassen. 1961 erwarb der Gastwirt Rudolf Golubits das bereits sehr desolate Gebäude. Er ließ es ab 1975 äußerlich wiederherstellen. Auch der Festsaal erhielt seinen alten Glanz zurück. Die übrigen Innenräume, in denen in der Nachkriegszeit sogar Vieh gehalten wurde, verwandelten sich in eine Taverne mit den erforderlichen Nebenräumen. Heute ist der Gastbetrieb wieder geschlossen und das Schloss steht weitgehend leer. Es befindet sich aber in einem guten Bauzustand und gehört nach wie vor Herrn Golubits.
Das heutige Schloss liegt in etwas erhöhter Lage inmitten der gleichnamigen Ortschaft. Da es seinen einstigen Park eingebüsst hat, ist es auch in seinem Gesamteindruck teilweise beeinträchtigt. Es ist eine eingeschossige frühklassizistische Anlage. Der zweigeschossige quadratische Mittelbau trägt ein hohes Mansarddach. Nach Westen zu, wo sich der ehemalige Garten befand, ist ihm ein reizvoller ovaler Portikus mit kegelförmigem Dach vorgelagert. Neun hohe toskanische Säulen umfangen in ihm eine zweiarmige Außentreppe, die zu einem Vorraum des Mittelsaales empor führt. Dieser ist als einziger Raum des Schlosses repräsentativ ausgestattet. Die durch ionische Pilaster gegliederten Wände sind mit grünem Kunstmarmor verkleidet, in dem einst Spiegel eingesetzt waren. Die Decke ist zur Gänze mit einem Fresko bedeckt, welches das im Barock beliebte Sujet der Götter im Olymp variiert. Es wurde 1773 vom Ödenburger Maler Stefan Dorffmeister geschaffen. Vom Festsaal gelangt man in die beiden neunachsigen Flügelbauten, deren schlichte Räume völlig schmucklos sind. Die ursprüngliche Einrichtung ist mit Ausnahme eines Kachelofens im Festsaal komplett verschwunden. An der Ostseite wurde dem Mittelbau in späterer Zeit ein verandaartiger Vorbau angeführt. An die einstigen Garten- und Parkanlagen, die das Schloss umgaben, erinnert nur ein kleiner Rest an der Ostseite, der vor einigen Jahren vom derzeitigen Besitzer rekonstruiert wurde. Die einstigen Nebengebäude sind ebenfalls verschwunden.
Lage: Burgenland/Mittleres Burgenland – ca. 6 km östlich von Oberpullendorf
Besichtigung: normalerweise nur von außen möglich
Weitere Literatur:
05.07.2004