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Freistadt


In Freistadt gab es ursprünglich zwei landesfürstliche Burgen. Die ältere soll angeblich bis in das 9. Jh. zurückgehen. Nach vielen Umbauten ist sie in der Salzgasse noch als Privathaus erhalten. Das Wahrzeichen der Stadt ist aber das heutige Schloss, das unter Herzog Rudolf IV dem Stifter ab 1363 in ihrer Nordostecke erbaut wurde. Jans von Traun, der Pfleger der Herrschaft, musste von allen Häusern und Gütern im Landgericht Freistadt hiefür eine Sondersteuer einheben. Die Arbeiten zogen sich bis in die 90er Jahre des 14. Jahrhunderts hin. Anschließend sorgten die Bürger von Freistadt für eine neue Stadtmauer, in die das Schloss eingebunden wurde. Freistadt war von 1375 bis 1414 zuerst Heiratsgut und dann Witwensitz von Beatrix von Zollern-Nürnberg, der Gattin Herzogs Albrecht III. Nachdem zuerst landesfürstliche Pfleger eingesetzt worden waren, wurde die Herrschaft ab der Mitte des 15. Jh. meist als Pfandobjekt vergeben. Zu den Gläubigern der Landesfürsten zählten 1459 die Wallseer sowie Ulrich Zeller, 1463 Wilhelm von Tierstein und 1483 die Zelkinger. Lassla Prager ließ die alte Feste 1505 modernisieren. Auch unter den Landauern und zur Zeit der Verpfändung an die Herren von Gera wurde im 16. Jh. viel zu- und umgebaut. Vor allem Erasmus I von Gera setzte hohe Summen zur Verbesserung der Wehrhaftigkeit ein. Als Architekt wird Antonio Cerisora genannt. Für die Steinmetzarbeiten war Ambrosio Solari verantwortlich. 1594 waren Burg und Stadt als verteidigungsfähige Fluchtorte vorgesehen. Kaiser Ferdinand II zog 1620 die Herrschaft als Rebellengut der protestantischen Landauer ein und verpfändete sie mit dem Landgericht dem Grafen Leonhard Helfrich von Meggau.

Vier Jahre später gelang es aufständischen Bauern nach einmonatiger Belagerung Stadt und Schloss einzunehmen. Dabei wurden in der Schlosskapelle der Pfleger und vier Kapuzinerpatres schwer misshandelt. Bis dahin hatte Freistadt alle Kriege und Fehden, aber auch die Hussiteneinfälle unbeschadet überstehen können. Über die Gräfin Franziska von Meggau kam das Schloss 1644 an den Grafen Johann Ulrich Slavata. Bei seiner Familie blieb es bis 1700. Damals verkaufte Kaiser Leopold I die Herrschaft seinem Obersthofmeister Ferdinand Bonaventura Graf Harrach. Durch Heirat der Erbtochter Rosa gelangte diese 1778 an die Familie Kinsky, die zwar den umfangreichen Grundbesitz behielt, das Schloss aber 1798 der Stadtgemeinde Freistadt verkaufte. 1801 wurde es in eine Kaserne umgewandelt. 1809 diente es als Lazarett für französische Soldaten. Zwischen 1834 und 1848 stand es weitgehend leer bzw. wurde es zeitweise vom Kreisamt als Siechenhaus verwendet. 1853 schenkte die Stadt das Schloss dem Staat. 1880 kam es zu einem großen Stadtbrand, dem neben dem Schloss weitere 38 Häuser zum Opfer fielen. Lediglich der große Turm blieb unversehrt. Nach dem Wiederaufbau der übrigen Trakte wurden diese bis 1924 wieder als Kaserne benützt. 1955 fand eine durchgreifende Restaurierung statt. Heute dient das Schloss vor allem kulturellen Zwecken. Sehenswert ist das Mühlviertler Heimathaus, ein Regionalmuseum, das den größten Teil der Räumlichkeiten einnimmt. Außerdem sind in dem Gebäude noch einige Ämter und Privatwohnungen untergebracht. Im Schlosshof finden gelegentlich Konzerte statt.

Das Schloss ist eine weitläufige Anlage, die von einer hohen Mantelmauer umgeben ist. Gegen den inneren Graben zu, ist diese durch mächtige Stützpfeiler verstärkt. Vom ursprünglichen Baubestand ist nur mehr wenig erhalten. In der Südwestecke des geräumigen Hofes erhebt sich der ca. 50 m hohe Bergfried. Er musste so hoch sein, da das Schloss merkwürdigerweise etwas tiefer als die Stadt liegt. Dieser imposante viereckige Turm wurde zwischen 1363 und 1397 erbaut. Er schützte den rechts daneben liegenden Torbau mit der Zugbrücke. Unter seinem hohen Keildach läuft ein offener Umgang auf Kragsteinen rund um das oberste Geschoß. Das Dach weist an allen vier Seiten konsolengestützte Erker auf. Dahinter befand sich einst die Türmerstube. Das heutige Dach ist eine Rekonstruktion aus dem Jahr 1955. Die Fronten werden nur von wenigen schmalen Fenstern durchbrochen. Der Bergfried wird seit 1949 vom Mühlviertler Heimathaus genutzt. Jede Etage ist einem Thema der Volkskunde gewidmet. Das Heimatmuseum zeigt seine Exponate auch im Südtrakt des Schlosses, wo sich eine dreischiffige Säulenhalle befindet. Sie stammt aus dem Jahr 1588 und diente damals als Pferdestall. Von der ehemaligen Kapelle über dem Westtor haben sich zwei kreuzrippengewölbte Joche und der Altarraum mit einer Sakramentsnische erhalten. Sie dürfte um 1400 erbaut worden sein. Hier wird die weltweit größte Sammlung von Hinterglasbildern gezeigt. Die mehr als 500 Bilder stammen zum Großteil aus dem benachbarten Sandl. Der Zeit um 1505 gehören noch einige Baudetails, wie der nördliche und der westliche Hofeingang sowie die Umrahmungen der äußeren Kapellentür, aber auch viele steinerne Fensterstöcke an. Der auf Holzpfeilern ruhende gedeckte Umgang im Hof wurde 1955 einer beim Brand zerstörten Galerie nachempfunden.

Lage: Oberösterreich/Mühlviertel – am Rande der Altstadt von Freistadt

Besichtigung: von außen jederzeit möglich. Das Mühlviertler Heimathaus ist vom 2. Mai bis 31. Oktober geöffnet. Führungen finden in dieser Zeit von Dienstag bis Samstag um 10.00 und 14.00 statt. Im Winterhalbjahr gibt es an den genannten Tagen lediglich um 10.00 sowie Dienstags und Donnerstags zusätzlich um 14.00 Führungen.


Weitere Literatur:


15.05.2004