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Mitterau


Die Nachrichten aus dem Mittelalter über das heutige Schloss sind äußerst dürftig. Immerhin weiß man, dass die Herrschaft 1380 sich im Besitz der Herren von Wallsee befand, die auf Hohenegg saßen. 1386 war sie an Ritter Paul von Hechenberg verpfändet. Von 1495 an saß hier die aus der Krain eingewanderte Familie Mamming, der auch Kirchberg/Pielach gehörte. Ihre Herrschaft wurde 1613 nur kurzfristig durch Anton von Chronegg unterbrochen. 1663 gehörte Mitterau zu jenen befestigten Plätzen, die der Zivilbevölkerung als Zufluchtsort vor den herannahenden Türken angeboten wurden. 1675 erwarb Cornelius Keller von Lebenberg den Besitz, der aber bereits 1697 an die Familie Haider vom Dorf verkauft wurde. 1710 ging Mitterau in das Eigentum der Grafen und späteren Fürsten Montecuccoli über. Bei diesen blieb es bis heute. Zwischen 1746 und 1755 ließ Franz Raimund Graf Montecuccoli das Schloss als Witwensitz zu seiner heutigen Gestalt ausbauen. Ein Jahr später verlegte Graf Zeno Montecuccoli seinen Wohnsitz von der Burg Hohenegg in das wohnlichere Talschloss. Mitterau wurde gemeinsam mit Hohenegg, Osterburg und Haindorf-Winkl in einen Fideikommiß vereinigt, doch wurde letztlich nur Mitterau vor dem Verfall bewahrt. Auf die österreichische Linie der Montecuccoli folgte die italienische. Derzeitiger Eigentümer ist Dipl. Ing. Albert Graf Montecuccoli.

Das Schloss liegt am Ende einer schmalen Allee in einem ummauerten englischen Park. Es ist ein zweistöckiger quadratischer Bau, der auf Piloten errichtet werden musste, da sich der Bauplatz „mitten in der Au“ befand und entsprechend instabil war. Die mit roten Blechhelmen gedeckten runden Ecktürme überragen lediglich mit einem Zwischengeschoß die Dachtraufe. Sie sind deutlich nach außen vorgeschoben. In einem Turm ist die um 1750 errichtete Kapelle untergebracht, die der Schmerzhaften Mutter Gottes geweiht ist. Die nach Süden bzw. Norden gerichteten Hauptfronten weisen sechs Fensterachsen auf, die Schmalseiten lediglich drei. Die Fassaden sind sehr einfach gestaltet und fast völlig in modernisierte Fenster aufgelöst. Die zarte Putzgliederung ist an der Südseite kaum zu erkennen, da diese fast völlig mit wildem Wein bewachsen ist. Unter einem gemalten Wappen der Montecuccoli befindet sich in der Mitte der Westfront das einfache, spitzbogige, neugotische Portal. An dieser Seite kann man auch die Giebel des dreifachen Grabendaches erkennen, obwohl der mittlere durch einen schlichten, dreieckigen Ziergiebel etwas verdeckt wird. Die Ostfront wird von einer Attika mit einem dreieckigen Blendgiebel abgeschlossen. Im Inneren führt in jedem Geschoß ein zur Halle erweiterter Flur durch die ganze Tiefe des Hauses. Er endet jeweils in einer Treppe, die ins nächste Stockwerk führt. Die nach der Besatzungszeit am Ende des Zweiten Weltkrieges weitgehend verlorene Einrichtung musste danach modern ersetzt werden. Im Westen schließen an den Schlosspark etliche zweigeschossige Nebengebäude an, die der Bewirtschaftung des ausgedehnten Land- und Forstbetriebes dienen. Sie wurden gleichzeitig mit dem Hauptbau errichtet. In der Umfassungsmauer des Parks sind noch einige Schlüsselscharten zu sehen. Im Süden haben sich noch Reste des einstigen Schlossgrabens erhalten.

Lage: Niederösterreich/Dunkelsteiner Wald – ca. 12 km westlich von St. Pölten

Besichtigung: nicht möglich


Weitere Literatur:


25.02.2004