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Gschwendt (Gries)


1308 wird mit Heinrich dem Gschwendtner die Herrschaft erstmals urkundlich erwähnt. Er hielt Gschwendt als Passauer Lehen und scheint anderwärts als Heinrich von Volkenstorff auf. Mit dem Tod des Otto von Volkenstorff ging eine Hälfte des Besitzes an seine Cousins Gundakar und Berthold von Losenstein über, während die andere an Heinrich von Wallsee fiel. Danach sind die Besitzverhältnisse ungeklärt, doch 1492, neun Jahre nach dem Aussterben der Wallseer, befand sich Gschwendt zur Gänze im Besitz der Losensteiner, wie dem Urbar des Rudolf von Losenstein zu entnehmen ist. Mit der Herrschaft war auch das Landgericht verbunden. Wolf von Losenstein gehörte zum Bund des Bernhard Zeller von Schwertberg, der zahlreiche Kaufleute beraubte. Zeller wurde daraufhin in Linz hingerichtet, Wolf von Losenstein konnte diesem Schicksal entrinnen. Ende des 16. Jh. wurde die Wasserburg in die Liste der Flucht- und Verteidigungsorte in Kriegszeiten aufgenommen, was darauf schließen lässt, dass ihre Wehreinrichtungen zumindest dem allgemeinen Standard entsprachen. 1626 kam es im großen Bauernkrieg in der Nähe des Schlosses zu einer Schlacht zwischen den von Achaz Wiellinger geführten Bauern und den kaiserlichen Truppen unter Obrist Löbl. Die schlecht ausgerüsteten Aufständischen verloren bei dem Gemetzel angeblich mehr als tausend Mann. Als Franz Adam Graf Losenstein 1685 ein Duell mit dem Grafen Adam von Kollonitsch nicht überlebte, erbte die Herrschaft sein Bruder Franz Anton, der Dompropst in Passau war und 1690 in den Fürstenstand erhoben wurde. Nach dessen Tod erlosch die Familie Losenstein und Gschwendt kam mit dem restlichen Erbe über seine Schwester Maria Katharina an den Fürsten Johann Weikhart von Auersperg. Um 1750 gehörten zur Herrschaft Gschwendt 502 Untertanen. Angeblich wurde 1843 im Schloss noch die Folter angewendet, obwohl diese längst abgeschafft war. 1851 verkaufte Karl Fürst Auersperg das Schloss an den Wirt der Hoftaverne und ließ die dazugehörigen Gründe parzellieren und an Bauern verkaufen. Seit 1893 ist das Schloss im Eigentum des Landes Oberösterreich, das hier eine Landes-Pflegeanstalt für psychisch Kranke unterhält. In den letzten beiden Jahren wurde das Gebäude mit großem Aufwand restauriert und den modernen Erfordernissen einer Pflegeanstalt angepasst. Dadurch hat sein historisches Aussehen etwas gelitten.

Das heutige Schloss hat sich gegenüber den Vischer-Stichen von 1674 stark verändert. Verschwunden sind die die Anlage umgebenden Teiche. Nicht mehr vorhanden ist auch die turmbewehrte, doppelte Umfassungsmauer, ebenso wie die beiden, einst den Tortrakt schützenden Rundtürme und der hohe viereckige Mittelturm. Auch die drei Querflügel, welche den vorderen mit dem hinteren Trakt verbanden, wurden abgerissen. Geblieben sind jedoch der zehnachsige Haupttrakt, das Herz des Schlosses und das einstige Herrenhaus. An der Hauptfassade befindet sich das repräsentative wappengeschmückte Portal, das von zwei, auf Konsolen stehenden Säulen flankiert wird. Auf seinem Sprenggiebel stehen zwei Engelsfiguren. An der Stelle der Steinbrücke, die bis zur jüngsten Restaurierung über den schon lange trockenen Graben führte, überbrückt nun eine schlanke Metall/Glas-Konstruktion eine neu angelegte kleine Wasserfläche, die an das einstige Wasserschloss erinnern soll. Nach Durchschreiten der Torhalle gelangt man in den nach zwei Seiten hin offenen Hof mit dem einstigen Herrenhaus. Dieses zeigt einen vierachsigen Mittelrisalit mit einem aufgesetzten geschwungenen Giebel. Die Dächer der beiden zweigeschossigen Schlossgebäude sind abgewalmt. An den alten Haupttrakt schließen sich nun moderne Bauten an, die dem heutigen Verwendungszweck des Schlosses dienen. Das umliegende Gelände liegt deutlich tiefer als das Schloss selbst. An den geradlinig gezogenen Aufschüttungen erkennt man die ehemaligen Dämme der Teiche. Vor dem Hauptgebäude erinnert eine 1976 aufgestellte Säule an die Schlacht von 1626.

Lage: Oberösterreich/Traunviertel – im Ortsteil Gries von Neuhofen/Krems (ca. 15 km östlich von Wels)

Besichtigung: nach telefonischer Anmeldung möglich


Weitere Literatur:


07.10.2003