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Neudau


Neudau scheint urkundlich 1371 erstmals auf. Die Wasserburg gehörte damals den Herren von Neuberg. Ihre Nachkommen blieben bis 1500 im Besitz der Herrschaft. Dann gelangte sie an die Polheim. Obwohl die durchziehenden Türken 1532 den Ort verwüsteten, dürfte die Burg standgehalten haben, da es keine Berichte über ihre Zerstörung gibt. Wegen der Nähe zur burgenländischen, d. h. damals ungarischen Grenze diente die Vorburg als wichtiger Zufluchtsort für die Bevölkerung. 1571 fiel Neudau an die Familie Rottal. In den Kuruzzenkriegen erlitt die Burg schwere Schäden. So werden im Schlossarchiv Briefe des Verwalters Pänckler aufbewahrt, aus denen hervorgeht, dass die Anlage 1704 in Flammen aufging. 1707 kamen neuerlich 5000 ungarische Aufständische unter ihrem Führer Bessereti, verwüsteten dreizehn umliegende Ortschaften, konnten aber die Wasserburg nicht einnehmen. Dies gelang ihnen erst 1711, wobei sie Neudau neuerlich in Brand setzten. Inzwischen hatten 1706 die aus Schlesien stammenden Grafen Kottulinsky die Herrschaft erworben. Sie beauftragten 1720 den Architekten Josef Carlone mit der Modernisierung, also der Barockisierung der Anlage. Damals wurden die Nord- und Westseite, sowie Teile der Südseite völlig neu erbaut. An Stelle der Wassergräben, Bastionen und Wehrmauern wurde ein großer Park angelegt. Ende des 19. Jh. versah man alle Fronten des Hauptgebäudes mit neobarocken Fassaden. Die Kottulinsky sind auch heute noch im Besitz von Schloss Neudau, das sie auch bewohnen. Die Prunkräume können für Veranstaltungen und Feste gemietet werden.

Wenn man den Vischer-Stich von 1681 betrachtet und ihn mit dem heutigen Aussehen des Schlosses vergleicht, so glaubt man, dass es sich um zwei verschiedene Objekte handelt. Die gründliche Barockisierung hat die einstige Wehrhaftigkeit der Anlage komplett verschwinden lassen. Lediglich der runde Kanonenturm steht noch immer an der Einfahrt zur geräumigen Vorburg. Nördlich davon liegt das dreigeschossige Wohnschloss, in dessen Osttrakt noch spätgotische Fersterumrahmungen zu sehen sind. Hier befindet sich auch die Schlosskapelle. Die ursprüngliche Burg hatte einst einen hohen Bergfried. Er wurde gekappt und ist heute im erhöhten Mittelrisalit der Gartenfassade verbaut. Dieser Risalit wird durch einen Mittelbalkon und eine Attika betont. Die Fassaden des Schlosses sind durch Doppelpilaster und bogige Fensterstürze gegliedert. Der quadratische Innenhof wurde nach 1720 mit dreigeschossigen Pfeilerarkaden ausgestattet. Sie wurden im 19. Jh. verglast und mit zwei vorgeschobenen Treppen versehen. Die Repräsentationsräume nehmen das zweite Stockwerk ein. Zur gepflegten Innenausstattung gehören auch einige Öfen aus der Renaissance- und der Barockzeit. Im ausgedehnten Schlosspark steht ein spätbarocker, ebenerdiger Pavillon mit Pilastergliederung, das einstige Schlosstheater. Es enthält nur einen einzigen Raum. Leider hat sich seine Ausstattung nicht erhalten.

Lage: Steiermark/Oststeiermark – ca. 8 km östlich von Bad Waltersdorf, am Rande des gleichnamigen Ortes

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


14.02.2003