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Bruck/Mur - Kornmesserhaus


Der reiche Gewerke und Eisenhandelsherr Pankraz Kornmeß, der auch zeitweise als Stadtrichter tätig war, ließ sich in den Jahren 1499 bis 1505 in der Nordostecke des Hauptplatzes ein palaisähnliches Gebäude errichten. Die auf einem Wappen im Inneren des Hauses angebrachten Buchstaben PK erinnern an ihn. Seine Familie betätigte sich seit dem 14. Jahrhundert als Bauherr und Mäzen in Bruck an der Mur. Kornmeß war europaweit im Eisen- und Arsenikhandel tätig. Nach der Familie Kornmeß wurde der repräsentative Bau in den Jahren 1622 bis 1628 von der Stadt als Rathaus genutzt. Dann ging er in das Eigentum des Ratsbürgers Andree Teyber über und wurde Teyberhaus genannt. 1663 gehörte er wieder der Stadt. Zwanzig Jahre später richtete ein Brand schwere Schäden an, die aber bald behoben wurden. Im 18. Jahrhundert befand sich das Gebäude im Besitz der Ritter von Wels. Folgerichtig wurde es 1783 als „Welsische Behausung“ bezeichnet. Im Jahr 1792 vernichtete ein Großfeuer fast die gesamte Stadt. Von 166 Häusern blieben nur zwei unbeschädigt. Auch das heutige Kornmesserhaus war unbewohnbar geworden. Beim Wiederaufbau wurde das Gebäude verändert und vereinfacht. Manche Heimatforscher vermuten, dass sich die prächtigen Arkadengänge des ersten Stocks ursprünglich über die gesamte Fassade am Hauptplatz erstreckten. Das Blendmaßwerk an der linken Seite des Hauses dürfte abgeschlagen bzw. teilweise unter Verputz gelegt worden sein. Eine Restaurierung in den Jahren 1936/37 bemühte sich die einstige Pracht wiederherzustellen. Die auf den Brand folgenden Besitzer waren meist angesehene Hammerherren und Ratsbürger. Unter ihnen befanden sich die Familien Füllenbaum, Pichlmayer, Widtermann, Hirt, Kaltenegger und Rohregger. Im Jahr 1981 fand eine neuerliche Restaurierung der Fassaden statt.

Das Kornmesserhaus ist einer der schönsten spätgotischen Profanbauten Österreichs. Seine Schauseite ist natürlich dem Hauptplatz zugewandt. Der eher behäbige Bau erhielt durch Steinmetzarbeiten von höchster Qualität eine vielgliedrige Vorderfront, wie man sie ansonsten nur in Venedig oder vielleicht in Spanien findet. Sie besteht aus einem Laubengang und einer darüber befindlichen offenen Galerie. Im Erdgeschoß ruhen sechs weitgespannte kielbogenförmige Arkaden auf schweren gedrungenen Marmorsäulen, deren Sockel und Deckplatten aus polygonalen Steinplatten gebildet sind. In den Bogenzwickeln der Erdgeschoßarkaden finden sich zarte Maßwerkstege sowie reich profilierte Bogenläufe, die mit Krabben und filigranem Laubwerk besetzt sind. An einer Säule ist ein totenkopfartiger Schädel angebracht. Es handelt sich dabei um einen Neidkopf, der Unheil und Schaden vom Haus abwehren sollte, was ihm aber offenbar nicht gelungen ist, wie die zwei Brände zeigen. Über der rechten Hälfte des Laubengganges erstreckt sich eine Loggia, deren Vorbilder eindeutig in Venedig zu suchen sind. Die sechs Bögen sind nur halb so breit wie die darunter liegenden Erdgeschoßarkaden. Sie werden von schlanken achteckigen Pfeilern gestützt und von profilierten Segmentbögen überspannt. Das Gewölbe der Loggia zeigt ein kräftiges Schlingrippennetz. Besonders schön sind die sechs durchbrochenen Maßwerkfelder der Brüstung, die alle Dekorationsformen der Spätgotik zeigen, wie Fischblasen, Dreipässe und herzförmiges Maßwerk mit eingefügten Granatäpfeln. Das sechste Feld sowie der Baldachin einer heute leeren Ecknische sind mit verschlungenem Astwerk geschmückt. In der Nische stand einst eine steinerne Madonna, die aber bereits um die Mitte des 19. Jahrhunderts verschwunden ist. Zwischen der Loggia und dem Eckbaldachin verläuft ein Fries mit flachem Blendmaßwerk.

Ort/Adresse: 8600 Bruck an der Mur, Hauptplatz 1

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


22.08.2014