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Stoitzendorf


Schloss Stoitzendorf liegt im nordwestlichen Teil des gleichnamigen Ortes. Obwohl es sich um eine sehr hübsche Anlage handelt, ist es weitgehend unbekannt, da es von einer hohen Umfassungsmauer umgeben ist, die den Blick auf das Schloss verwehrt. Eine Besichtigung ist seit Jahren nicht mehr möglich. Der Ort Stoitzendorf wird 1146 erstmals urkundlich erwähnt. Er befand sich schon damals im Besitz des Stiftes Klosterneuburg, das an der Stelle des heutigen Schlosses einen Lesehof unterhielt. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts wurde Stoitzendorf an verschiedene Adelige als Lehen vergeben. 1339 wird erstmals von einer hier bestehenden Burg berichtet. Dieser Wehrbau wurde in den Jahren 1628/29 durch Christoph Sebl und Andrea Reddi durch einen Neubau im Renaissancestil ersetzt, der dem Chorherrenstift als Pfarr- und Gutshof diente. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts nahm Prälat Ernst Perger größere Umbauten vor, die die Repräsentation und die Wohnqualität verbesserten. Schloss Stoitzendorf wurde zum Sommersitz der Klosterneuburger Prälaten. Nachdem noch gegen Ende des 19. Jahrhunderts verschiedene Arbeiten im Stil des Historismus vorgenommen wurden, bevorzugten die Chorherren im 20. Jahrhundert andere Erholungsorte. Das Schloss wurde zum Pfarrhof. 1945 wurde das Gebäude geplündert und schwer beschädigt. Schließlich stand es leer, bis es 1973 vom Musikwissenschaftler und Instrumentenbauer Dr. Hermann Buchner erworben wurde. Nach einer Renovierung richtete er hier ein Klaviermuseum ein und gab im Festsaal oder im Hof häufig Konzerte. Als Dr. Buchner 2007 verstarb, wurde das Museum geschlossen und das Schloss nur mehr privat genutzt. Es gehört nach wie vor der Familie Buchner. Derzeit ist eine Generalrenovierung im Gange.

Das Schloss ist von einem Park- bzw. Gartengelände umgeben, in dem einzelne Wirtschaftsbauten stehen. Eine geschwungene barocke Gartenmauer trennt den Park vom Nutzgarten. Stoitzendorf ist ein zweigeschossiger Vierflügelbau, dem 1881 über der Kapelle im Nordosten ein Dachreiter aufgesetzt wurde. Sowohl an der Südost- als auch an der Nordostecke des Gebäudes springen erkerartige Anbauten vor. Der Zimmerturm und der Kapellenturm wurden 1713/14 angebaut. Beide sind nicht mehr vorhanden. Das rechteckige Hauptportal weist eine profilierte Rahmung auf. Unterhalb des abschließenden volutengeschmückten und mit zwei Putten besetzten Gesimses ist das Klosterneuburger Stiftswappen zu sehen. Eine darüber angebrachte Kartusche ist von Ranken und Girlanden eingefasst. In ihr sind die Initialen eines Prälaten aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts nur schwer zu erkennen. Der rechteckige Innenhof zeigt sowohl an der Ost- als auch an der Westseite zweigeschossige Arkaden aus dem 17. Jahrhundert, wobei die Segmentbögen im Erdgeschoß auf stämmigen Pfeilern ruhen, während im Obergeschoß die flache Decke von schlanken toskanischen Säulen gestützt wird. Die Arkadengänge des Erdgeschosses weisen durchwegs Kreuzgratgewölbe auf. An der Nordseite des Hofes führt eine zweiarmige Freitreppe direkt zum Prälatensaal im ersten Stock. Ihre Balustrade ist mit Pinienzapfen und Steinkugeln geschmückt. Vor dem Steingewändeportal, das in den Saal führt, stützen zwei toskanische Säulen ein vorspringendes Pultdach.

In der von Voluten gerahmten Lünette des Eingangs weist die Jahreszahl 1748 auf den barocken Umbau hin. In der Nordostecke des Hofes ermöglicht ein Rundbogenportal mit Diamantquaderung den Zugang zur Kapelle. Es ist mit 1626 bezeichnet. Die zweijochige Schlosskapelle ist zweigeschossig und kreuzgratgewölbt. Ihr Chorabschluss ist polygonal, was wie auch einige andere Baudetails auf den spätmittelalterlichen Kern der Anlage hinweist. Die Innenausstattung sowie die Bemalung stammt aber aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Sowohl die Empore als auch die Oratoriumsfenster und die übrigen Fensterlaibungen sind mit gemalten Blumengirlanden verziert. Der repräsentativste Raum des Schlosses ist der vierachsige Fest- oder Prälatensaal im Obergeschoß des Nordtraktes. Seine Stuckdecke weist drei Fresken auf, die Kaiser Maximilian in der Martinswand, die Schleierlegende des hl. Leopold sowie Rudolf von Habsburg bei der Begegnung mit dem Priester zeigen. Sie wurden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gemalt. Ein weiterer repräsentativer Raum ist das Josefszimmer im Osttrakt. Die acht bemalten Tapetenbilder erklären in Rokokokartuschen die Geschichte des ägyptischen Josephs. Sie sind in der Art des Johann Lorenz Daysinger gehalten und wurden um 1760 angefertigt. Verschiedene andere Räumlichkeiten weisen Stukkaturen, profilierte Gesimse und Malereien des 19. Jahrhunderts auf.

Lage: Niederösterreich/westliches Weinviertel - ca. 3 km östlich von Eggenburg

Besichtigung: nicht möglich


Weitere Literatur:


15.05.2014