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Rodaun


Bei der erst 1404 urkundlich bezeugten Burg Rodaun dürfte es sich um eine befestigte Anlage des Hochmittelalters gehandelt haben. Obwohl damals von einem Wehrbau noch keine Rede war, werden die Herren von Rodaun im 12. und 13. Jahrhundert mehrfach genannt. So soll sich 1190 beim dritten Kreuzzug einer der Brüder von Radun im Gefolge des Herzogs Leopold V befunden haben. Rodaun war damals ein Lehen der Babenberger. Im 14. und 15. Jahrhundert gehörte der Ort Rodaun zeitweise den Herren von Eckartsau, aber auch verschiedenen Wiener Ritterbürgerfamilien wie den Zoler und den Würffel. 1379 wird eine Burgkapelle erwähnt. Um 1496 dürfte Hans von Idungspeigen (Jedenspeigen) hier ansässig gewesen sein. 1529 richteten die Türken bei der Belagerung Wiens größere Schäden am Gebäude an. Unter den Freiherren von Landau, die 1569 in den Besitz der Herrschaft gelangt waren, entwickelte sich Rodaun zu einem Zentrum des Protestantismus im Südosten von Wien. Mit dem Aufkommen der Gegenreformation war damit natürlich Schluss. Die Landaus verloren ihr Schloss. Auf sie folgte ein mehrfacher Besitzwechsel. Freiherr Hans Christoph von Urschenpeckh aber auch die Grafen Brandis, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die Herrschaft besaßen, waren natürlich aufrechte Katholiken. Im 18. Jahrhundert werden u. a. die Ritter von Rödersthal (1736 – 1766) genannt. 1736 hatte Franz Joachim Anton Graf Brandis die Herrschaft an Philipp Ritter von Rödersthal verkauft. Dieser war Dekan der medizinischen Fakultät der Wiener Universität. 1728 wurde er zum Rektor gewählt und 1732 in den Adelsstand erhoben. Eleonore von Rödersthal erfüllte die testamentarische Verfügung ihrer Mutter und ließ die benachbarte Johanneskirche am Schlossberg errichten. Es folgte ab 1773 Josef Edler von Stockhammer, ab 1778 Ignaz Graf Fuchs und dann von 1831 bis 1897 die Fürsten Liechtenstein. 1898 wurde das Schloss an den Orden der Schwestern von der Kindheit Jesu und Maria verkauft. Um diese Zeit wurde der runde „Hungerturm“ abgetragen. Nachdem 1902 im Schloss ein Mädchenpensionat eingerichtet wurde, begann ein steter Ausbau, der bis in die Gegenwart andauert. Wie auch anderswo üblich wurden die Klosterschwestern 1938 enteignet und das Schloss zweckentfremdet verwendet. Im Zweiten Weltkrieg diente es als Panzerkaserne. Nach Kriegsende erhielt der Orden das Gebäude zurück und konnte den Schulbetrieb wieder aufnehmen. Mittlerweile besuchen auch Burschen das ehemalige Mädchenpensionat.

Obwohl Schloss Rodaun zumindest an seiner Vorderfront seinen repräsentativen Herrschaftscharakter durchaus bewahrt hat, gehört es zu den am wenigsten bekannten ehemaligen Adelssitzen Wiens. Es ist von einem weitläufigen Park umgeben, der wohl nur wegen der Steilheit des Geländes noch nicht völlig verbaut ist. Wo es ebene Flächen gibt, stehen moderne Schulgebäude und Sportanlagen. Das Schloss ist ein monumentaler dreigeschossiger Baukomplex, der durch die zahlreichen Zubauten sein ursprüngliches Aussehen weitgehend verloren hat. So hatte man den ursprünglichen Schlosshof mit einem Dach versehen und als Aufenthaltsraum verwendet. Am besten erhalten ist die mächtige frühklassizistische Gartenfassade. Sie dürfte aus der Zeit um 1776 stammen. Geländebedingt musste ein wuchtiges Sockelgeschoß geschaffen werden, um Hangrutschungen zu vermeiden und um einen sicheren Bauplatz zu erhalten. Die mittleren fünf Achsen der Fassade treten segmentbogig vor. Sie zeigen eine ionische Säulenordnung, die das mächtige Gebälk trägt. Im Speisesaal finden sich einige Glasfenster aus dem 19. Jahrhundert, in die fünf Scheiben aus der Zeit der Spätrenaissance eingesetzt sind. Eine davon ist mit 1583 bezeichnet. Im ersten Stock hat sich spätbarocker Stuck (um 1740) erhalten. Bemerkenswert ist die den Heiligen Philippus und Jakobus geweihte Kapelle im Obergeschoß eines schmalen Anbaues im Süden. Sie ist im Kern vermutlich noch mittelalterlich. 1904/06 wurde sie umgebaut und erweitert. An die einstige Wehrhaftigkeit der Anlage erinnert noch das Torstöckl. Es ist ein freistehender zweigeschossiger hakenförmiger Renaissancebau, der den Zugang von Norden her sperren konnte. Das von Bossenquadern eingefasste Rundbogenportal ist im Keilstein mit 1578 bezeichnet. Darüber ist eine von Putten gehaltene Wappenkartusche aus der Mitte des 18. Jahrhunderts angebracht. Das Wappen selbst ist jedoch nicht mehr vorhanden. An der Ecke Willergasse/Kaltenleutgebener Straße hat sich ein ehemaliges Wirtschaftsgebäude aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Es weist steinerne Fenstergewände mit Steckgitter auf. Im Park steht die sog. Maria Theresia-Villa, ein Gartenhaus vom Ende des 17. Jahrhunderts, das aber später mehrfach umgebaut wurde.

Lage: oberhalb der Rodauner Pfarrkirche

Ort/Adresse: 1230 Wien, Willergasse 53 - 57

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


11.12.2013