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Katsch


Bereits im 9. Jahrhundert erhielt das Erzbistum Salzburg ausgedehnte Besitzungen im Katschtal vom deutschen Kaiser geschenkt. Die um die heutige Burg gelegenen Gründe übertrug aber König Heinrich II 1007 dem Bistum Freising. Allerdings stand der Zehent aus diesen Gründen Salzburg zu, das damit das Stift Admont belehnte. Dies musste natürlich zu Streitigkeiten zwischen Salzburg und Freising führen. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts ließ der Freisinger Bischof zum Schutz seiner Interessen die Burg Katsch errichten. Sie war damals weitgehend ein Holzbau. Er belehnte mit ihr die Herren von Pris, die auch die Burg Pux besaßen. Diese setzten Dienstmannen als Verwalter ein, die sich nach Katsch nannten. Als erster wird Dietrich von Katsch im zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts genannt. Nachdem Heinrich von Pris 1207 verstorben war, verlieh Freising die Herrschaft den Stubenbergern, die nun ihre eigenen Dienstleute als Burggrafen beschäftigten. Auch sie nannten sich nach Katsch. Pilgrim von Katsch nahm 1248 Ulrich von Liechtenstein gefangen und ließ ihn erst nach langer Haft frei. Aus dieser Zeit stammt die erste urkundlich gesicherte Erwähnung des Wehrbaues, bei dem es sich wohl um ein „Festes Haus“ gehandelt haben dürfte. Es wurde damals Chaets genannt. Unter Wulfing von Stubenberg lebten die alten Besitzstreitigkeiten wieder auf. Die auf Katsch sitzenden Vasallen schädigten aber nicht nur die Güter Admonts sondern auch jene von Freising, so dass Wulfing größere Wiedergutmachungszahlungen leisten musste. 1269 war er gezwungen, die Burg an König Ottokar II auszuliefern, der sie anschließend brechen ließ. Die Stubenberger erhielten Katsch aber bald wieder zurück und ließen die Schäden beheben. Friedrich von Stubenberg war führend am steirischen Adelsaufstand gegen Herzog Albrecht I beteiligt. Nach der Niederlage bei Kraubath, bei der Friedrich verwundet und gefangen genommen worden war, wurde die Burg 1292 vom Landesfürsten eingezogen, aber bereits im nächsten Jahr den Stubenbergern wieder übergeben.

1319 erbte Wulfing von Goldeck die Herrschaft. Sein Sohn Otto verkaufte sie aber 1340 wieder den Stubenbergern. 1396 versuchte Peter der Strasser im Auftrag des Abtes von St. Lambrecht die Burg einzunehmen, musste den Handstreich aber unter hohen Verlusten abbrechen. Um 1420 ließ die Familie Stubenberg die Burg ausbauen und vor allem die Wehreinrichtungen verbessern. Hans von Stubenberg verkaufte Katsch 1462 an seinen Schwiegervater Andreas Baumkircher. Dieser verlor sie aber in der Baumkircher Fehde nach hartem Kampf gegen die Truppen Kaiser Friedrichs III. Bei der Belagerung kam eine große Kanone aus St. Veit an der Glan zum Einsatz. Der Kaiser übergab die Herrschaft vorerst dem Stift St. Lambrecht zur Verwaltung. Der Pfleger Andree Gibinger konnte 1480 mehrere Angriffe der Ungarn abwehren. 1501 verpfändete Kaiser Maximilian I die Herrschaft an Jakob von Windischgrätz. Die Lehensrechte des Bistums Freising waren mittlerweile obsolet geworden. Die Windischgrätz ließen die Burg neuerlich ausbauen und konnten sie 1575 als freies Eigen erwerben. Einer Beschreibung des Judenburger Stadtbaumeisters Bartholomeo Bosko zufolge, war sie auch im Inneren gut ausgestattet. Wegen der guten Sichtverbindungen diente Katsch im 16. Jahrhundert als Kreidfeuerstation. Im 17. Jahrhundert wechselten die Besitzer der bereits schwer verschuldeten Herrschaft mehrfach. Zu ihnen gehörten Jakob Hillebrandt (1646), Viktor Jakob von Prandtegg (1661) und Eva Rosina Gräfin Steinpeiß (1691). 1697 ging Katsch durch Kauf an die Fürsten Schwarzenberg über, die es heute noch besitzen. 1818 war die Burg noch völlig erhalten, doch war sie 1858 bereits ruinös. Zeitweise hatte sie Diebs- und Räuberbanden als Unterschlupf gedient, so dass man sie 1838 teilweise demolierte.

Die Ruinen der Burg liegen auf einem steilen Felskopf hoch über der Mündung des Katschtales in das Murtal. Der Bauplatz war ideal, da man von hier aus die wichtige Straße, die aus dem Murtal über den Sölker Tauernpass in das Ennstal führte, kontrollieren konnte. Die Burg ist von einer mehr als zwei Meter starken Ringmauer umgeben, die der Abbruchkante des Felskopfes folgt und einen geräumigen Hof umschließt. Sie stammt vermutlich noch aus dem 12. Jahrhundert und stellt den bei weitem ältesten Bauteil der Feste dar. Nach Süden hin fallen die Felshänge fast senkrecht ab. Im Westen und Norden ist die Umgebung flacher. Hier wurde als zusätzlicher Schutz ein tiefer Graben ausgehoben. Über ihn führte eine Zugbrücke zur Vorburg. Sie ist der Hauptburg im Nordosten auf etwas tieferem Niveau vorgelagert. Sie war mit einer, durch ein Rondell verstärkte Mauer geschützt. Die Burg weist keinen Bergfried auf, was relativ selten ist, sich aber durch ihr hohes Alter erklärt. Bergfriede waren zur Bauzeit der Burg in der Steiermark noch nicht üblich. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde der große Hof im Westen und Osten durch den Einbau von fast turmartigen Häusern verkleinert. Das Wohngebäude ist fünfgeschossig. Die hölzernen Einbauten aus dem 11. und 12. Jahrhundert waren damals schon längst durch Steinbauten ersetzt. Die Wasserversorgung wurde durch eine Zisterne im Burghof gesichert. Vom hier befindlichen Treppenhaus und dem ehemaligen Arkadengang sind noch Reste erkennbar. Interessant ist die gut erhaltene, zweijochige Burgkapelle aus dem 14./15. Jahrhundert. Sie war dem hl. Georg geweiht. In ihr wurden im 16. Jahrhundert verschiedene Mitglieder der Familie Windischgrätz beigesetzt. Ihr Kreuzrippengewölbe ist noch intakt, ebenso der Schlussstein des Ostjoches. Die Spitzbogenfenster der Südwand weisen leider kein Maßwerk mehr auf. Die Ostwand war mit einem Fresko geschmückt, von dem nur mehr geringe Farbspuren zu sehen sind. Bemerkenswert ist auch das im 16. Jahrhundert im Nordosten außen an die Ringmauer angebaute rechteckige Gebäude. Im Bering verlaufen hier zwei Abtrittschächte, die in eine tonnengewölbte Kammer im Erdgeschoß münden.

Lage: Steiermark/Murboden – ca. 24 km östlich von Murau

Besichtigung: jederzeit möglich, aber nicht leicht zu erreichen


Weitere Literatur:


07.03.2011