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Klagenfurt - Welzenegg


Auch Schloss Welzenegg zählt zu jenen zahlreichen Adelssitzen, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts um Klagenfurt entstanden. Es wurde 1575 fertiggestellt. Bauherren waren Viktor Welzer von Eberstein und seine Gattin Elisabeth, geb. Khevenhüller. 1578 erlaubte ihnen Erzherzog Karl II von Innerösterreich das bisher namenlose Gebäude „Welzenekk“ zu nennen. Gleichzeitig wurde es mit den Freiheiten eines Edelmannsitzes ausgestattet. Wie viele Kärntner Adeligen waren auch die Welzer streitbare Protestanten und mussten schließlich das Land verlassen. Christoph Welzer – Viktors Enkel – war 1629 gezwungen, sein Schloss an Alexius Frey zu verkaufen. Im 17. Jahrhundert wechselten die Eigentümer relativ häufig. Nach Freys Tod ging Welzenegg 1637 an Wolf-Gottfried Strasser von Neudegg. Dessen Witwe, Maria Katharina, heiratete Karl Friedrich Grimming Freiherr zu Stall. Sigmund-Helfried Graf Dietrichstein kaufte ihm aber bald die Herrschaft ab. Sie blieb nicht lange bei den Dietrichstein, da sie Sigmund-Helfrieds Witwe schon 1670 an den Erblandhofmeister in Kärnten, Georg Niklas Graf von Rosenberg verkaufte. Er übte sowohl für Kaiser Ferdinand IV als auch für Kaiser Leopold I wichtige Hofämter aus und war auch Landesverweser sowie Burggraf in Kärnten. Welzenegg diente ihm als Sommersitz. Er ließ das Innere des Nordtraktes weitgehend neu ausstatten. Das Schloss blieb nun über 300 Jahre lang bei seiner Familie und wurde erst 1983 von Heinrich Fürst Orsini von Rosenberg verkauft. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war es von zahlreichen Mietparteien bewohnt worden, was der Substanz nicht gut getan hatte. Vor allem die Einrichtung hatte darunter zu leiden. Seit 1983 gehört Welzenegg der Familie eines Klagenfurter Geschäftsmannes, der es aufwändig restaurieren lässt. Ab 1986 wurden die in der unmittelbaren Nachkriegszeit eingezogenen Zwischenwände entfernt und die alten Raumverhältnisse wiederhergestellt. 1991 renovierte man den Sgrafittidekor im Innenhof. Derzeit werden die Außenfassaden restauriert. Nach Beendigung der Arbeiten wird das Schloss wieder kulturellen Zwecken dienen.

Das zweieinhalbgeschossige Renaissanceschloss war ursprünglich als Wasserschloss geplant. Es wurde bereits ausschließlich für Wohn- und Repräsentationszwecke errichtet und weist keinerlei Wehreinrichtungen auf. Seine vier Trakte sind unterschiedlich gestaltet. Die vier Ecken werden durch vorspringende quadratische Türme betont, die die anschließenden Wohnbauten jeweils um ein Halbgeschoß überragen. Sie sind mit relativ flachen Pyramidendächern versehen und weisen im obersten Geschoß Ochsenaugenfenster auf. An der West- und der Ostfront befindet sich je ein großes Einfahrtstor. Über dem rundbogigen Westportal ist ein von Halbsäulen gerahmter Gedenkstein aus dem Jahr 1575 eingemauert, der nur mehr schwer leserlich ist, aber auf die Errichtung des Schlosses und den Bauherrn hinweist. Darüber liegt ein dreifach gekuppeltes Rundbogenfenster hinter einem schönen Schmiedeeisengitter. Den übrigen Fenstern der Beletage sind ebenfalls solche Gitter vorgelegt. Die parkseitig gelegene Ostfront wurde 1919 bis 1923 verändert. Damals wurde das Tor verlegt, die Durchfahrt ausgebaut und zwischen dem Osttrakt und dem Nordostturm eine Terrasse angelegt. Der neu erbaute sechsachsige Südtrakt wurden stilmäßig dem Altbestand angeglichen. Er ist durch segmentbogige Laubengänge bzw. den darüber liegenden Terrassen mit den anschließenden Gebäudeteilen verbunden. Die längst profanierte Kapelle liegt im Obergeschoß des Nordostturmes. Ihr aus Engelsköpfen und Fruchtbündeln sowie den Monogrammen von Jesus und Maria bestehender barocker Stuck wurde vermutlich von Gabriel Wittini gegen Ende des 17. Jahrhunderts geschaffen.

Der quadratische Innenhof ist an drei Seiten von zweigeschossigen Säulenarkaden umgeben, wobei jene im Obergeschoß verglast sind. Hier gibt es doppelt soviele, aber nur halb so breite Arkaden wie im Erdgeschoß. Die Bedeutung der Geschosse wird auch dadurch unterstrichen, dass im Erdgeschoß, wo sich lediglich Wirtschafts- und Verwaltungsräume befanden, die stämmigen Säulen mit romanisierenden Blattkapitellen geschmückt wurden, während im oberen Herrschaftsbereich schlanke toskanische Säulen zum Einsatz kamen. Die Bogenzwickel sind mit Sgraffitomalereien geschmückt. Sie haben die Form von kreisförmigen Medaillons. Die hier angebrachten Jahreszahlen 1575 und 1578 weisen auf die Beendigung der Bauarbeiten sowie auf die Namensgebung hin. Hinter dem Drillingsfenster der Westfront liegt eine Halle, die der darunter liegenden stichkappengewölbten „Labn“ des Erdgeschosses entspricht. Der erste Stock des Osttraktes wird fast zur Gänze vom Festsaal eingenommen. Seinen Stuckdekor schuf Kilian Pittner um 1725. Die hier angebrachte Kassettendecke geht ebenfalls auf die Erneuerungen unter Georg Niklas Graf von Rosenberg zurück. Drei weitere Holzdecken sind leider nach 1945 verloren gegangen. Bei einzelnen Türen gibt es noch Stuckrahmen mit Imperatorenbekrönungen. Die meisten Stuckarbeiten sind aber nicht mehr vorhanden. Zwei intarsierte Holzportale wurden um 1671 angefertigt. Im Süden ist das Schloss von einem größeren Park umgeben. Er gehört heute der Stadtgemeinde und ist frei zugänglich. Welzenegg liegt in einem Neubauviertel der Landeshauptstadt, dessen Bauten bereits bedenklich an das Schloss heranreichen. Bereits 1998 musste der 1855 von Domenico Venchiarutti errichtete Pferdestall einem Wohnbau weichen.

Ort/Adresse: 9010 Klagenfurt, Viktor Welzer Platz 1

Besichtigung: normalerweise ist der Innenhof frei zugänglich, doch wird das Gebäude derzeit (2010) restauriert

Homepage: www.schloss-welzenegg.at


Weitere Literatur:


22.11.2010