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Treffen - Ruine Alt-Treffen


Die Geschichte der Burg reicht bis in das 9. Jahrhundert zurück. 878 schenkte König Karlmann dem bayrischen Kloster Ötting den Hof Treffen (curtis ad Trebinam), zu dem damals 19 Hörige und 70 Huben gehörten. Aus diesem Hof dürfte sich im Laufe der Zeit die spätere Burg entwickelt haben. Im 10. Jahrhundert gelangte Treffen an das Bistum Salzburg, zu dem ja auch Ötting gehörte. 993 war es im Besitz der Passauer Bischöfe. Diese tauschten es 1007 mit Kaiser Heinrich II ab. 1096 befand sich die Gegend um Treffen im Besitz des Grafen Wolfrad I. Sein gleichnamiger Sohn nannte sich 1125 „comes de Trevin“. Dessen Sohn Ulrich war Patriarch von Aquileja. Mit ihm starben die Grafen von Treffen aus. Er schenkte oder vererbte 1163 die Herrschaften Treffen und Tiffen seiner Kirche, was den Kärntner Herzog Hermann II von Spanheim 1177 bewog, die Burg Treffen, die in der Schenkungsurkunde von 1163 erstmals als „castrum“ erwähnt worden war, belagern und besetzen zu lassen. Kaiser Friedrich I Barbarossa bestätigte dem Patriarchen aber die Rechtmäßigkeit der Schenkung und der Kärntner Herzog musste sie wieder zurückgeben. 1199 erhob der Salzburger Erzbischof Ansprüche auf die Burg, doch wurde dem Patriarchen Wolfgang diesmal von Kaiser Friedrich II neuerlich sein Besitz bestätigt. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts war es zwischen dem Patriarchen Berthold und dem Grafen Hermann von Ortenburg zu einer Fehde gekommen, die drei Jahrzehnte lang anhalten sollte. In ihrem Verlauf wurde ein Parteigänger des Patriarchen, Graf Ulrich von Sternberg, gefangen genommen. Da dieser das Lösegeld von 1.000 Mark nicht aufbringen konnte, verpfändete der Patriarch dem Grafen von Ortenburg die Einkünfte der Herrschaften Treffen und Tiffen auf drei Jahre. 1277 wurde Graf Friedrich von Ortenburg durch den Patriarchen Raimund von Aquileja mit Treffen belehnt. 1306 verpfändete Patriarch Ottobonus die damals als „turris de Treven“ bezeichnete Burg für 30 Jahre an die Kärntner Herzöge Otto und Heinrich. Diese gaben sie zwei Jahre später ebenfalls als Pfand an Konrad von Aufenstein weiter. 1324 gaben die Aufensteiner die Herrschaft als Afterlehen an Engelmar von Vilanders weiter, was Ihnen gar nicht zustand, da sie ja nur Pfandinhaber und keine Lehensnehmer waren.

Die Macht der Aufensteiner nahm aber bald ab. 1361 gaben sie Treffen an Aquileja zurück und ersuchten den Patriarchen Ludwig, mit der Herrschaft Treffen Herzog Rudolf IV von Habsburg zu belehnen. Die habsburgischen Landesherren kümmerten sich bald nicht mehr um die Lehensrechte des Patriarchiats. Herzog Albrecht III belehnte 1371 Rudolf von Liechtenstein mit der Herrschaft Treffen, dem sie Konrad IV von Aufenstein vermacht hatte. Während des Krieges zwischen Kaiser Friedrich III und König Matthias Corvinus von Ungarn wurde die Burg zerstört. Niklas von Liechtenstein wurde wegen seiner Unterstützung der Ungarn geächtet und Treffen 1490 an Lasla Prager, Erbmarschall von Kärnten, verliehen. Dieser beseitigte die Schäden und verbesserte die Wehreinrichtungen der Burg. Kaiser Ferdinand II gab sie 1538 an Georg von Liechtenstein zurück. Die Liechtensteiner errichteten im Tal das neue Schloss, so dass die Burg bald nicht mehr bewohnt wurde und in Verfall geriet. Georgs Enkel Otto VI verkaufte die Herrschaft 1552 an Barbara von Seenuß. Ihre Tochter Anna, war zu diesem Zeitpunkt mit Christoph von Liechtenstein, dem Sohn Ottos VI, verheiratet. 1623 erbte ihr Großneffe Christian Proy den Besitz. Dieser wurde anlässlich eines Grenzstreites von aufgebrachten Bauern ermordet. Nach dem Tod seines Sohnes Georg Philipp kaufte 1647 Anton Freiherr Grotta von Grottenegg die Herrschaft. 1690 wurde die Burg durch ein schweres Erdbeben vollends zur Ruine. Die Grafen Grottenegg besaßen Treffen bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, als es durch Kauf an den Grafen Theodor Christallnigg überging. Auf ihn folgten 1781 seine Tochter, Gräfin Marianne Goess und dann 1808 der Gewerke Josef Sebastian Pobeheim. 1818 kaufte Graf Peter Goess die Herrschaft für seine Familie zurück. Sie verblieb dort bis 1885, als sie an Theodor Graf de la Tour en Voivre veräußert wurde. 1916 erbte Rudolf von Gall den Besitz, der 1961 an seine Tochter Ilse von Sallmann überging. Auf sie folgte Karoline Kramer, die Besitzerin des Schlossbauernhofes, der unmittelbar neben der Ruine liegt. Sie ist auch heute noch Grundeigentümerin von Alt-Treffen.

Die Ruine liegt auf einer Rückfallkuppe der Steinwender Höhe oberhalb der Gemeinde Treffen. Sie ist eine ausgedehnte Anlage, deren ältesten Teile vermutlich aus dem 12. Jahrhundert stammen. Die meisten Mauern gehen aber lediglich auf die Spätgotik zurück, als die Burg nach ihrer Zerstörung im Ungarnkrieg gegen Ende des 15. Jahrhunderts wieder aufgebaut und erneuert wurde. Damals wurde die große Zwingeranlage angelegt. Der zur Hauptburg führende Weg passierte vier Tore. Die Anlage besteht aus dem inneren Burghof im Westen, dem äußeren Hof im Osten und einer tiefer gelegenen Vorburg in der Nordwestecke. Hier liegt auch das einstige Haupttor. Es ist relativ gut erhalten. Der aus dem 13. Jahrhundert stammende Bergfried hingegen ist völlig zerstört. An seiner Stelle befinden sich lediglich überwachsene Schutthaufen. An den einstigen Palas in der Südostecke des inneren Burghofes erinnert nur mehr ein Mauerrest. Vor ihm lag die heute verschüttete Zisterne. Die Ringmauer der Hochburg dürfte bereits im 14. oder im frühen 15. Jahrhundert errichtet worden sein. Die Ringmauer des äußeren Burghofes weist an seiner Nordostseite noch eine Höhe zwischen 3,5 und 5 Meter auf. An der Südwestecke des äußeren Hofes stand ein Wohngebäude, von dem noch ein 7 m hohes und ebenso langes Mauerstück aus der Zeit um 1500 erhalten ist. Ein bis zu 8 m hoher Mauerzug der Vorburg führt zu einem 6 bis 7 m hohen Rundturm. Von der etwas tiefer gelegenen Umfassungsmauer des unteren Zwingers sind noch bis zu 8 m hohe Mauerteile vorhanden. Leider ist die Ruine heute völlig verwachsen und nur schwer zugänglich. Es ist schade, dass sich niemand findet, der sie von der wild wuchernden Vegetation befreit und damit ihren weiteren Verfall zumindest verzögert. Wenn Bäume aus den Mauerkronen wachsen und nicht beseitigt werden, nützt auch der Denkmalschutz nichts.

Lage: Kärnten/Villach-Land – ca. 5 km nördlich von Villach

Besichtigung: ganzjährig zugänglich


Weitere Literatur:


14.10.2009