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Weinwartshof


Im Hochmittelalter befand sich der größte Teil von Muckendorf und seiner Umgebung im Besitz des Passauer Bistums. Um 1200 ist hier ein Perwinus de Mukendorf urkundlich bezeugt. Von 1390 bis 1501 war der Wirtschaftshof im „Weinwerd“ an die Ritter Matseber verliehen. Diese ließen ihn zu einem leicht befestigten Ansitz ausbauen, der um 1422 sogar als „Haus“ bezeichnet wurde, was einer Burg entspricht. Die Lehenshoheit war mittlerweile von den Passauer Bischöfen an die Habsburger übergegangen. Um 1501 verkauften die Matseber das Gut an Stefan Uttendorfer. 1533 hatte es drei verschiedene Eigentümer, die jeweils ein Drittel hielten. Zwar wurde bereits vier Jahre später Martin Petrott Alleinbesitzer, doch wechselten die späteren Lehensinhaber sehr rasch. 1624 gelangte Maria Veronika Breuner in den Besitz der Herrschaft. Ihre Nachkommen erhielten schon bald die Freiherren- und dann die Grafenwürde. 1664 wohnte Kaiser Leopold I im Weinwarthof, wo er auf das Eintreffen eines französischen Hilfskorps gegen die Türken wartete. Weitere Schlossherren waren Johann Friedrich Maier von Mayersheimb (1684) und Hugo Joseph Freiherr von Waldstätten (1775). 1791 wurde das bisher landesfürstliche Lehen in freies Eigen umgewandelt. Johanna Gräfin Clary-Aldringen kaufte 1811 den Besitz. Schließlich kam der Hof 1843 an den bisherigen Verwalter Engelbert Sponner, der ihn aber verfallen ließ. 1899 erwarb ihn der Bankier Moritz Pflaum und schloss ihn seiner Herrschaft Altenberg an. Der Weinwartshof wurde nicht mehr ständig bewohnt und nur mehr gelegentlich bei Jagdveranstaltungen und privaten Festen aufgesucht. 1911 erwarb der Leibarzt des Bankiers, Dr. Max Kellermann das Schloss. Er wollte darin ein Sanatorium einrichten, doch kam ihm der Erste Weltkrieg dazwischen. Das Schloss diente vorerst als Erholungsheim für verwundete Soldaten. 1917/18 wurde es aufgestockt. 1920 ließ der neue Besitzer, Rittmeister Hans Lemerz, einen Teil des Gebäudes abreißen. Sein Nachfolger, Rittmeister Foderoy von Fodrowec, bemühte sich die noch vorhandenen Bauteile zu retten und wieder bewohnbar zu machen. 1929 erwarb Fritz Ross, der Generaldirektor des Ullstein-Verlages, den Hof. Seit 1958 gehört er der Familie Buchinger, die ihn bewohnt und wieder landwirtschaftlich nutzt.

Der Weinwarthof liegt am Ostrand von Muckendorf inmitten eines ausgedehnten Parks. Das Schloss war zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch doppelt so groß wie heute. Von ihm hat sich nur der Ostteil erhalten. Die einzelnen Trakte des zweigeschossigen Baues sind mit Walmdächern gedeckt. Seine siebenachsige Hauptfront wendet sich nach Osten, während sie früher nach Westen gerichtet war. Ihre Fassadierung ist betont schlicht gehalten. Ein einfaches Putzband trennt die beiden Geschosse. Ihren Schmuck erhält die Fassade durch die neobarocken Fensterkörbe im Erdgeschoß und den 1917 beim Ausbau des Dachgeschosses errichteten geschwungenen Giebelaufsatz. Über dem von Halbsäulen flankierten, asymmetrisch angeordneten Rundbogenportal ist ein von einem Korbgitter begrenzter Balkon angebracht. An den Haupttrakt sind zwei kurze Seitenflügeln angebaut. Diesen wurden hofseitig eingeschossige Altanen angefügt, die mit Steinbalustraden versehen sind. Der dadurch stark verkleinerten Westfront ist eine Attika mit Rundbogenöffnungen aufgesetzt. Die Erdgeschoßräume zeigen meist Tonnengewölbe mit Stichkappen. Im Obergeschoß haben sich Reste von Stuckspiegeln erhalten. Östlich des Schlosses liegen mehrere Wirtschaftsgebäude aus der Zeit vom Beginn des 20. Jahrhunderts und danach. Im Park stehen zahlreiche alte Platanen.

Lage: Niederösterreich/Tullnerfeld – ca. 8 km östlich von Tulln

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:


14.07.2009