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Schloss Porcia


Schloss Porcia ist zweifellos das künstlerisch anspruchvollste unter den Kärntner Schlössern. Es gehört zu den wichtigsten Bauten der Frührenaissance außerhalb Italiens und ist zugleich das „italienischeste“ aller österreichischen Renaissanceschlösser. Kaiser Karl V trat Kärnten gemeinsam mit den anderen österreichischen Ländern an seinen Bruder Erzherzog Ferdinand ab. Dieser hatte den Großteil seiner Jugend in Spanien verbracht und nahm seinen Sekretär Gabriel Salamanca mit nach Österreich. Er ernannte ihn zum General-Schatzmeister und verlieh ihm 1524 die Grafschaft Ortenburg. Salamanca zog sich zwar durch das Erfinden immer neuer Steuern das Wohlwollen seines Herrn, aber den Hass der Bevölkerung zu, so dass ihn Ferdinand schließlich als obersten Steuereintreiber entlassen musste. Da die Ortenburg bereits im Verfall begriffen war, ließ sich Salamanca ab 1533 am Westende des Marktes Spittal einen, seiner neuen Würde angemessenen, Renaissancepalast errichten. An dieser Stelle stand zuvor eine alte Stadtburg der Ortenburger, die dem Neubau weichen musste. Der Palast, an dem 70 Jahre lang gebaut wurde, dürfte in mehreren Etappen (1542-Erdgeschoß, 1551-Ahnensaal, 1597) errichtet worden sein. Vollendet wurde er erst mit der Anlage des Parks und der Nebengebäude unter Gabriels Sohn Johann. Der vermutlich italienische Architekt des Schlosses sowie die übrigen am Bau beteiligten Künstler sind nicht bekannt, lediglich ein Monogramm an einer Säule deutet auf den Venezianer Vincenzo Scamozzi hin. Neu-Ortenburg, wie Schloss Porcia damals genannt wurde, war das Zentrum der gräflichen Güterverwaltung, zu der 26 Burgen in Kärnten, aber auch in Krain und Gottschee gehörten. Mit dem Tod von Georg Graf von Ortenburg, dem Enkel des Bauherrn, starb das Geschlecht der Salamanca 1639 aus und die Grafschaft fiel an Kaiser Ferdinand III zurück. Dieser verkaufte die Herrschaft bereits ein Jahr später an Martin Widmann, Kaufmann aus Venedig, der gleichzeitig in den Grafenstand erhoben wurde. 1662 erwarb der aus Pordenone in Friaul stammende und von Kaiser Leopold I gefürstete Johann-Ferdinand von Porcia die Grafschaft. 1797 brannten die abziehenden französischen Truppen Spittal nieder. Auch das Schloss, das damals als Lazarett diente, wurde weitgehend zerstört, aber in den nächsten 30 Jahren wiederhergestellt. 1918 kaufte Robert Freiherr Klinger von Klingerstorff die Herrschaft. Als im Jahr 1919 Klagenfurt von den Jugoslawen besetzt war, war in Schloss Porcia kurzfristig die Kärntner Landesregierung eingemietet. Bevor Baron Klinger 1930 das Gebäude der Stadt Spittal verkaufte, ließ er in einer dreitägigen Auktion das gesamte Inventar versteigern, so dass das Schloss praktisch leer der Stadtgemeinde übergeben wurde. Von 1945 bis 1955 befand sich hier das Hauptquartier der britischen Militärverwaltung. Zwischen 1974 und 1978 wurde das Gebäude durchgreifend restauriert. 1986/87 wurde der Innenhof auf Glanz gebracht. Heute sind im Schloss verschiedene Amtsräume untergebracht. Im zweiten Stock befindet sich ein Heimatmuseum. In den einstigen Repräsentationsräumen finden häufig Kunstausstellungen, Konzerte und Bälle statt. Der Renaissancehof bildet in den Sommermonaten den stimmungsvollen Rahmen für Theateraufführungen.

Das Schloss hat einen nahezu quadratischen Grundriss (38 x 40 m). Je ein schlanker Rundturm befindet sich an der Südost- und der Nordwestecke. Der an der Nordfront gelegene Haupteingang ist ein zwischen zwei mit Akantuskapitellen versehenen Säulen liegendes, reich verziertes, marmornes Renaissanceportal. Es ist von einem plastischen, barocken Stuckaufbau gekrönt. Unter dem Fürstenhut befindet sich das Wappenschild der Fürsten Porcia mit sechs goldenen Lilien, das von zwei sitzenden männlichen Figuren flankiert wird. Unterhalb des Porcia-Wappens liegt jenes der Grafschaft Ortenburg. Auf den beiden Portalsäulen stehen zwei weibliche allegorische Figuren. Die Stuckarbeiten der Wappenkartusche stammen von Kilian Pittner aus dem Jahr 1703. Zu beiden Seiten des Portals befinden sich im ersten und zweiten Stock Steinbalkone vor einem dreifach gekuppelten Bogenfenster, dessen Mittelteil als Tür ausgebildet ist. Die Nordfassade wird durch breite Gesimsbänder waagrecht gegliedert. Die senkrechte Gliederung erfolgt durch zwei durchgehende Pilaster. Die Südfront ist einfacher gehalten, doch führt hier ein mit toskanischen Säulen und Reliefs verziertes Portal in den Schlossgarten. Die Westfassade wurde Ende des 19. Jh. eigenhändig von Fürst Ferdinand und Martin Ladinig in Sgrafitto-Technik bemalt. Um den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen, wurde die ganze Wand aber bei der Außenrestaurierung von 1963-1967 weiß überputzt.

Das Prunkstück des Schlosses ist der rechteckige Innenhof, der mit seinen weitbogigen Arkadengängen wie ein italienischer Renaissance-Palazzo wirkt. Im Erdgeschoß sind vier Hofseiten, im zweiten und dritten Geschoß nur drei Hofseiten von Arkadengängen umschlossen. Eine Treppe mit doppeltem Aufgang im Erdgeschoß bildet eine originelle Eckgestaltung in der Nordwand. Diese Stiege wird im ersten Stock von einem schönen Gittertor aus dem 16. Jh. abgeschlossen, das 1962 der Spittaler Kunstschmied Peter Winkler sen. in gleicher Form für den 2. Stock nachgeschmiedet hat. Die toskanischen Säulen der Arkadengänge sind im Erdgeschoß einfach gehalten, ebenso ihre Kapitelle. Die Säulen der oberen Stockwerke weisen korinthische Kapitelle auf. Die Bogenzwickeln sind mit Götter, Köpfen römischer Kaiser und allegorischen Figuren geschmückt. Die Pfeilersockel und Türrahmen sind mit Trophäen, musischen Allegorien und Medaillons bedeckt. Ein ikonographisches Programm ist nicht ersichtlich. Vermutlich dürften die Reliefs zum Teil im späten 16. Jh. in lombardisch-florentinischen Werkstätten eingekauft und dann im Gebäude ohne einen besonderen Plan montiert worden sein. Die Arkadengänge der Obergeschosse sind durch Balustraden mit sehr zart wirkenden Säulchen abgegrenzt. Die von den Gängen zu den Räumen führenden Türen sind mit Pflanzen- und Trophäenornamenten versehen und besonders aufwändig gehalten. Die Gesimse der Türen sowie auch die Fenster der Außenwand tragen die Wappen des Bauherrn und seiner beiden Gattinen. An der Südwand des Hofes ist ein großes Wappen der Porcia angebracht. Diese farbige Stuckarbeit stammt von Balthasar Klenkh. In einer darunter befindlichen Inschrift von 1730 versucht Fürst Alphons Hannibal seine Abstammung auf die Könige von Troja zurückzuführen.

Die Innenräume des Schlosses sind im Vergleich zum prächtigen Hof deutlich einfacher gehalten. An der Vorderfront liegt in den beiden oberen Stockwerken je ein großer Saal über der breiten Eingangshalle des Erdgeschosses. Der „Ahnensaal“ im ersten Stock besaß vor dem Brand von 1797 eine Stuckdecke, die 1866 durch eine Kassettendecke aus dem Kapitelsaal des Stiftes Millstatt ersetzt wurde. Unter der Decke verläuft ein Fries mit Porträts, allegorischen Darstellungen und Wappen. Das „Ortenburg-Zimmer“ und der „Wappensaal“ wurden von Martin Ladinig in den Jahren 1897 und 1901 neu gestaltet. Im ersten Stock des nordwestlichen Eckturms befindet sich eine in Stuckmarmor geschaffene Decke vom Ende des 16. Jh., die Themen aus den Metamorphosen des Ovids behandelt. Sie wurde 1988/89 restauriert.

Lage: Kärnten/Oberkärnten – im Westteil der Stadt Spittal/Drau

Besichtigung: der Innenhof ist frei zugänglich. Das Museum für Volkskultur ist während der Öffnungszeiten (15.5. – 31. 10. tgl. 09.00 – 18.00) zu besichtigen. Die übrigen Innenräume stehen der Öffentlichkeit an Wochentagen fallweise zur Verfügung.


Weitere Literatur:


25.09.2002