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Drasendorf


„Treisindorf“ wird zwischen 1162 und 1181 erstmals urkundlich erwähnt. Im 13. Jahrhundert gehörte der Ort zum unweit gelegenen Benediktinerinnenkloster St. Georgen am Längsee. Es wurde an lokale Kleinadelige als Lehen vergeben. Wie üblich nannten sich diese nach ihrem Sitz. So wird 1282 ein Ulrich von Dresendorf als Zeuge urkundlich erwähnt. Die Drasendorfer dürften zu Beginn des 14. Jahrhunderts ausgestorben sein. Über ihre Nachfolger schweigen vorerst die Urkunden. Um 1400 übernahm Hans der Wucherer das Gut. Die Wucherer waren eine alte Kärntner Familie, deren Vertreter häufig Hofämter inne hatten. 1454 erhielt Erasmus Wucherer von Kaiser Friedrich III für seinen Wohnsitz einen Burgfried zugestanden, innerhalb dessen er die niedere Gerichtsbarkeit ausüben durfte. Sein Wappengrabstein hat sich in der Kirche von St. Georgen erhalten. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts waren mehrere Familienmitglieder protestantisch gesinnt und mussten nach Augsburg auswandern. In Deutschland gibt es noch heute Nachkommen dieser Emigranten. Der katholisch gebliebene Familienzweig starb um 1860 in Kärnten aus. Obwohl die Herren von Wucherer nur bis in das 17. Jahrhundert hinein hier saßen, wird der Ansitz auch heute noch im Volksmund als Wuchererschlössl bezeichnet. Als das Kloster St. Georgen am Längsee 1782 aufgehoben wurde, verkaufte es der Staat samt Drasendorf sechs Jahre später an Max Thaddäus Graf Egger. Dieser ließ die Gebäude restaurieren. Nach dem Aussterben seiner Familie kaufte Otto Slavik 1920 das Schlösschen. Seit 1941 ist die Familie Werginz, die hier einen bäuerlichen Betrieb führt, Eigentümer. Der Turm wurde einige Jahre hindurch als Fremdenpension geführt. Die Bauten wurden zuletzt im vierten Viertel des 20. Jahrhunderts restauriert, wobei auch die Wandmalereien aufgefrischt wurden.

Schloss Drasendorf liegt oberhalb des Ostufers des Längsees inmitten des gleichnamigen Ortes. Es besteht aus einem zweigeschossigen Renaissancetrakt und einem etwas höher gelegenen, mächtigen dreigeschossigen Wohnturm aus dem 15. Jahrhundert. Letzterer ist mit einem steilen, mit Schleppgaupen versehenen Krüppelwalmdach gedeckt. An seiner Nordseite liegt das spitzbogige Eingangstor mit seinem profilierten Gewände. Es stammt ebenso wie die darüber angebrachte Kreuzfasche aus dem frühen 15. Jahrhundert. Bemerkenswert ist eine mit Eisenblech beschlagene Türe. Die gekuppelten Zwillingsfenster an der Westseite der Dachzone weisen bereits auf die Renaissancezeit hin. Der nahezu quadratische Turm dürfte kurz nach 1400 von der Familie Wucherer erbaut worden sein. Er wurde seither nur unwesentlich verändert. Die Räume im Erdgeschoß sind gewölbt. In mehreren Zimmern der oberen Stockwerke haben sich noch die alten Balkendecken erhalten. Das westseitig anschließende Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurde im 16. Jahrhundert errichtet. Sein rundbogiges Tor und einige Fenster sind mit ornamentalen Sgraffitomalereien aus dem späten 16. Jahrhundert verziert. Sie imitieren einen von Pilastern gerahmten Torbogen mit Lünettenbekrönung und Medaillons in den Zwickeln. Die ehemaligen Wehreinrichtungen wie Außenmauern und Gräben sind restlos verschwunden.

Lage: Kärnten/Bezirk St. Veit – ca. 7 km nordöstlich von St. Veit

Besichtigung: nur von außen möglich


Weitere Literatur:
  • Adelssitze Kärntens im Wandel der Zeit - Gerhard Lorenz - 1977
  • Burgen und Schlösser in Kärnten - Hugo Henckel-Donnersmarck - 1964
  • Burgen und Schlösser um Wolfsberg, Friesach, St. Veit - Hermann Wiessner - 1963
  • Dehio - Kärnten2001
  • Die Kunstdenkmäler Kärntens Bd. VI/2 - Dr. Karl Ginhart - 1931
  • Kärnten - Der Bezirk St. Veit an der Glan - Hartwagner Siegfried - 1977
  • Kärntner Burgenkunde - Kohla/Metnitz/Moro - 1973
  • Österreichisches Burgenlexikon - Georg Clam Martinic - 1992
  • Renaissance in Kärnten - Barbara Kienzl - 1996
  • Von Schloß zu Schloß in Österreich - Gerhard Stenzel - 1976

28.12.2008