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Foto: Wikipedia

Apostolische Nuntiatur


Foto: Alfred Rucker

Die apostolische Nuntiatur, also die Residenz des „Botschafters des Vatikan“, der traditionellerweise auch der Doyen des Diplomatischen Corps ist, befand sich bis 1913 Am Hof, an der Stelle der heutigen Kontrollbank. Das alte Gebäude entsprach aber schon lange nicht mehr modernen Ansprüchen. Papst Pius X ließ daher eine neue Nuntiatur im Botschafterviertel des 4. Wiener Gemeindebezirkes errichten. An ihrer Stelle stand das 1835 erbaute Atelier und Sterbehaus des Malers Carl Rahl, das abgebrochen wurde. Die Bauarbeiten des späthistoristischen Gebäudes der Nuntiatur dauerten von 1911 bis 1913. Sie ist damit wohl das jüngste der zahlreichen Wiener Stadtpalais. Die Pläne stammen vom italienischen Architekten Pietro Palumbo. Ihre Umsetzung lag in den Händen der Wiener Baufirma Detoma und Hechtl. Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich musste Nuntius Erzbischof Gaetano Cicognani das Land verlassen. Das Gebäude der Nuntiatur wurde beschlagnahmt und dem Amt für Gewässerkunde überlassen. 1945 zogen vorübergehend sowjetische Soldaten in das Palais ein, doch mussten es diese bald wieder verlassen, da 1946 Österreich neue diplomatische Beziehungen mit dem Vatikan aufnahm. Erzbischof Maurillio Silvani konnte als neuer Nuntius wieder in das Palais einziehen. Die Nuntiatur diente nicht nur diplomatischen Zwecken sondern auch als Herberge für die Päpste bei ihren Wien-Besuchen. So residierten hier kurzzeitig Johannes Paul II (1983, 1988 und 1998) und Benedikt XVI (2007).

Foto: Alfred Rucker

Das Gebäude wurde in der Art eines römischen Renaissance-Palastes errichtet. Es erinnert an den Palazzo Farnese. Die elfachsige dreigeschossige Fassade an der Theresianumgasse ist im Erdgeschoß genutet und hier mit vergitterten Rundbogenfenstern sowie einem Rundbogenportal versehen. Die Beletage im ersten Stock ist an den von Halbsäulen flankierten Ädikulafenstern erkenntlich. Sie zeigen abwechseln Segmentbogen- und Dreiecksgiebeln. Rechts und links des Mittelfensters sind Stuckreliefs des Wappens von Papst Pius X sowie des österreichische Staatswappens zur Zeit der Erbauung angebracht. Dem Mittelfenster ist ein Balkon mit steinerner Balustrade vorgelagert. Von hier aus begrüßten die in Wien weilenden Päpste jeweils die vor dem Palais wartenden Menschen. An der Ecke des ersten Obergeschosses befindet sich eine kleine Ädikulanische mit einer Madonnenfigur. Die Fenster des zweiten Stocks sind mit einfachen Rahmungen und geraden Verdachungen versehen. Die vierachsige Seitenfront an der Viktorgasse entspricht der Hauptfassade. Eine Sandsteinfigur aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die den Guten Hirten darstellt, steht in einer flachen Mauernische der Hoffront. Die Gartenmauer wird von einer Attikabalustrade abgeschlossen. Die repräsentative Hauseinfahrt zeigt ein kassettiertes Tonnengewölbe, das über den seitlichen, von Säulen flankierten Eingängen Stichkappen aufweist. An der rechten Seite führt das Foyer zum Stiegenhaus. Dieses ist mit Muschelnischen und einem kuppeligen Gewölbe ausgestattet. Eine Vierpfeilertreppe führt in die oberen Stockwerke. In den Repräsentationsräumen der Beletage hat sich das originale Mobiliar im altdeutschen Stil weitgehend erhalten. Bemerkenswert ist der Große Salon mit seiner ionischen Doppelpilaster-Gliederung. Im Mittelmedaillon seiner Flachdecke ist das Wappen des Papstes Pius X zu sehen. Die Möbel sind hier im Neoempire gehalten. Auch im Thronzimmer und dem Speisezimmer hat sich die ursprüngliche Ausstattung erhalten. Wie bei einer Nuntiatur zu erwarten, wurde auf eine gediegene Ausstattung der im Erdgeschoß befindlichen Hauskapelle Wert gelegt. Das große Ölgemälde im Vorraum stammt von Ludwig Schnorr von Carolsfeld. Es ist mit 1831 datiert und stellt Christus vor dem Hohepriester dar. Die Kapelle ist ein rechteckiger Raum unter einem stuckierten Spiegelgewölbe. Ihre Wände werden durch Lisenen gegliedert. Ein auf eingestellten ionischen Säulen ruhender Korbbogen trennt den Altarraum vom restlichen Saal ab. In seinem Scheitel erkennt man das Papstwappen. Die seitlichen Sakristeitüren sind mit Stuckmedaillons und Rundbilder der Aposteln Petrus und Paulus geschmückt. Ein Glasgemälde, das die Heiligen Martin und Gottfried von Tours zeigt, ist mit 1887 bezeichnet. Es stammt noch aus der alten Nuntiatur Am Hof. Das Altarbild ist eine oberitalienische Arbeit aus der Zeit um 1700. Es hat die Verkündigung Mariens zum Thema.

Ort/Adresse: 1040 Wien, Theresianumgasse 31

Besichtigung: nur von außen möglich

Homepage: www.nuntiatur.at

Weitere Literatur:
  • Dehio - Wien II.-IX. und 20. Bezirk - 1993
  • Die Profanbauten des 3., 4. und 5. Bezirkes - 1980
  • Wien wie es war - Richard Groner - 1965
  • Wiener Bezirkskulturführer Wieden - Felix Czeike - 1979
Foto: Wikipedia

26.12.2009


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