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Rotenturm


Im 14. Jahrhundert stand hier eine Wasserburg, deren genaue Lage nicht bekannt ist, die aber im Schlosspark vermutet wird. 1424 wird sie erstmals urkundlich genannt. Damals verpfändete Stephan de Vörösvar Rotenturm an Berthold von Ellerbach in Eberau, der die bereits verfallene Burg neu aufbaute. 1434 erwarb er sie durch Kauf. 1496 wurde sie an den Fürstprimas von Gran Thomas Bakócz, der sich nach seinem Geburtsort Erdödy nannte, veräußert. Dieser schenkte sie gemeinsam mit der Herrschaft Eberau seinem Neffen Peter Bakócz, der den Namen Erdödy de Monyorókerék (Eberau) annahm und zum Stammvater der Grafen Erdödy wurde. 1523 wird in „Rottenthuren“ ein „gsloss“ erwähnt. Georg Erdödy, unter dem die Familie Erdödy im 17. Jh. einen gewaltigen Aufschwung nahm, ließ die Burg abreissen und das sog. „Alte Schloß“ erbauen. Er ließ auch das Erdödysche Gästehaus errichten, das später zum Gemeindeamt wurde. Das heutige Schloss wurde in den Jahren 1860 bis 1862 unter Oberstallmeister Graf Stephan Erdödy erbaut. Die Pläne hiezu stammten vom Architekten Anton Weber, einem Schüler von Theophil Hansen. 1929 vernichtete ein Brand die Inneneinrichtung sowie das Erdödysche Familienarchiv und das Geheimarchiv des Franz Rákoczi. Am Ende des Zweiten Weltkrieges, aber auch noch in den Jahren danach, wurde das unbewohnte Schloss komplett verwüstet. Das Gebäude gehört heute dem Land Burgenland. Verschiedene Versuche einen Käufer zu finden waren bisher erfolglos. Da auch kein Verwendungszweck gefunden werden konnte, unterblieben bis jetzt ernsthafte Restaurierungsmaßnahmen.

Schloss Rotenturm gehört zu den bedeutendsten historistischen Landschlössern Österreichs. Das eigenartige Schlösschen ist ein romantisch-eklektischer Bau in maurischen Formen. Im ebenerdigen Längstrakt steckt vielleicht im Kern das Alte Schloß. Es ist durch einen Quergang mit dem etwa quadratischen Hauptteil verbunden. Die dem Park zugewandte Schauseite ist dreigeteilt. Dominiert wird das Gebäude durch den campanileartigen vierstöckigen Turm. Er weist im obersten Geschoß eine umlaufende offene Loggia auf. Der anschließende zweigeschossige Mittelteil ist dreiachsig. Ihm ist in seiner ganzen Breite eine weitere offene Loggia vorgelagert. An ihn schließt ein schmaler dreigeschossiger Trakt, der von einem Stufengiebel gekrönt und mit Blendzwerggalerien versehen ist. Die Fassaden sind mit rötlichen Klinkerziegeln verblendet, die bereits große Schäden aufweisen. Das seinerzeit prunkvoll ausgestattete Vestibül führt zu einst prachtvollen Stiege. Die Kapelle war ursprünglich mit Fresken von Karl Lotz ausgestattet. Heute sind praktisch alle Innenräume zerstört und ruinös. Lediglich der Festsaal wurde vor Jahren notdürftig restauriert, hat aber seinen ganzen ehemaligen Charme verloren. Das Schloß ist von einem schönen englischen Park umgeben.

Lage: Burgenland/Mittleres Burgenland – 5 km südöstlich von Oberwart im Zentrum des gleichnamigen Ortes.

Besichtigung: Das im Inneren völlig ruinöse Gebäude kann nur von außen besichtigt werden.

Weitere Literatur:
  • Das Burgenland - Alfred Schmeller - 1968
  • Österreichisches Burgenlexikon - Georg Clam Martinic - 1992
  • Von Schloß zu Schloß in Österreich - Gerhard Stenzel - 1976


24.08.2002


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